LebensLaufLinien: Vom Amateurkicker zum Trailrunner

Patrick Ehrenthaler beim Zieleinlauf des Osser-Riese beim U.TLW 2021 © Benjamin Franz / U.TLW

Unsere LebensLaufLinien müssen nicht immer von Krankheit und Tod handeln. Gefragt sind auch die (fast) alltäglichen Geschichten wie ihr das Trailrunning für euch entdeckt habt. Patrick Ehrenthaler war ein Amateur-Fußballer wie aus dem Bilderbuch: Geselligkeit und Trinkfestigkeit wurde großgeschrieben und wer nach durchzechter Nacht, sonntags halbwegs stehen konnte, hatte auf dem Platz gute Karten. Die Pandemie schränkte den Spielbetrieb und das dazugehörende „Teambuilding“ stark ein und Patrick suchte nach Alternativen. Aus dem etwas übergewichtigen Kicker wurde ein Trailrunner und Modellathlet. Mit seinem 2. Platz beim Osser-Riese im Rahmen des U.TLW bewies der Dreiburgenländer, dass in Zukunft mit ihm zu rechnen ist. Besonders hervorgetan hat er sich, neben der beachtlichen sportlichen Entwicklung, durch sein großes Herz: Bei unserer Spendenchallenge zum Baby D. Day brachte er es mit seinen Sponsoren auf eine überwältigende Spendensumme von 2000 €.

Patrick Ehrenthaler: Das Interview

Bitte stell dich kurz vor, wer bist du, woher kommst du, was machst du beruflich?

Mein Name ist Patrick Ehrenthaler, ich bin 31 Jahre alt (ledig) und komme aus Tittling im schönen Dreiburgenland. Beruflich bin ich bei einem regionalen Automobilzulieferer im Vertrieb beschäftigt.

Wie ist dein bisheriges sportliches verlaufen ? Gab es einschneidende Momente, die dich zum Laufen gebracht haben?

LebensLaufLinien: Patrick Ehrenthaler © Patrick Ehrenthaler

Nun ja, meine bisherige sportliche Karriere hat sich die meiste Zeit auf dem Fußballplatz abgespielt, da ich ca. 25 Jahre aktiv und mit viel Freude gegen das runde Leder getreten habe. Natürlich bin ich immer wieder zwischen den Trainingseinheiten zum Laufen gegangen und hatte auch Spaß an der Sache. Im Vordergrund stand aber immer der Fußball.  Mein sportliches als auch privates Leben verliefen Hand in Hand recht positiv, alle meine Freunde stehen durch irgendeinen Verein in direkter Verbindung zu mir, wodurch man auch abseits des Platzes viele gemeinsame Momente erleben durfte. Es ist ja nichts neues das Fußballer neben den Stunden auf dem Platz auch gerne gemeinsame Zeit in Discotheken, Volksfesten oder bei sonstigen Feierlichkeiten verbringen? Das Teambuilding war mir persönlich immer besonders wichtig (lachen).

Mit dem Gedanken, dem aktiven Fußball „Servus“ zu sagen und in die Berglaufszene einzusteigen, hatte ich schon vor der ganzen Corona Sache gespielt. Da Sport in größeren Gruppen untersagt war und der gesamte Trainings- als auch Spielbetrieb eingestellt wurde nutzte ich die Zeit, um mir einige regionale Bergtrails anzusehen Dies war der Moment, in dem ich Feuer und Flamme für das Trailrunning geworden bin. Als Zuschauer bin ich natürlich so oft es geht bei meinem Herzensverein (dem SV Oberpolling) dabei und versuche die Jungs von der Linie aus so gut es geht zu unterstützen.

Was verbindest du mit dem Laufen? Wie wichtig ist es für dich und wie trägt es deine Familie mit?

Mit dem Laufen, besonders mit dem Berglaufen verbinde ich sehr viel. Ich würde fast sagen für mich ist das Ganze eine Art Meditation. Alles was einem im alltäglichen Leben bedrückt, ist für eine gewisse Zeit auf stumm geschaltet, man ist voll und ganz für sich. Wenn man einen technisch anspruchsvollen Trail im Downhill läuft, muss man sich richtig fokussieren, alles um einen herum ausblenden, um jeden Schritt richtig zu setzen. Wer sowas schon mal gemacht hat weiß, dass sowas durch eine kleine Unachtsamkeit ganz schön gefährlich werden kann.

Meine Familie aber auch meine Freunde unterstützen mich sehr bei der Sache. Das Ganze ist doch mit einem gewaltigen Trainingsaufwand verbunden, der viel Zeit in Anspruch nimmt. Wenn man beispielsweise mal etwas zu spät kommt oder wo nicht mitfahren kann, weil man trainieren muss hat es noch nie Schwierigkeiten oder Probleme gegeben. Meine engen Angehörigen unterstützen mich wo sie nur können und sind auch bei Wettkämpfen Vorort. Ein mega Gefühl beim Zieleinlauf die Familie und Freunde schreiend und jubelnd vorzufinden.

Könnte man sagen, dass dich das Laufen „gerettet“ hat ?

LebensLaufLinien: Patrick Ehrenthaler © Patrick Ehrenthaler

Gerettet ist vielleicht der falsche Ausdruck, als die ganze Corona Sache begonnen hat bin ich schon in ein ziemliches Loch gefallen, aber ich denke da ging es 85% der Bevölkerung ähnlich.. da ich schon ein richtiger Lebemensch war und immer unter Strom stand war die ganze Situation doch sehr ungewohnt. Durch das Laufen hatte ich ein gutes Ventil für beruflichen Stress oder private Probleme gefunden, was mir mit Sicherheit geholfen hat mich als Mensch weiter zu entwickeln. Zu erkennen was wichtig ist im Leben und in Bezug auf die eingeschränkten Lebenssituation dankbar und demütig zu sein. Bzw. dankbar sein laufen zu dürfen?

Kannst du dir ein Leben ohne Laufen vorstellen? Gab es in deiner Kindheit/Jugend bereits Hinweise, dass Du ein riesiges Talent zu Laufen hast?

Ein Leben ohne Laufen kann ich mir nicht mehr vorstellen, ich muss mich auch so gut wie nie zum Training aufraffen. Im Endeffekt freue ich mich auf jede Einheit, auch wenn diese noch so schmerzhaft ist. Da ich als Kind bis ins Teenageralter sehr übergewichtig war, gehe ich davon aus, dass niemand damit gerechnet hat dass ich ziemlich gut darin werde einen Berg hoch und runter zu laufen (lachen).  Zum Spaß bin ich aber 2012 mal einen Halbmarathon in Dingolfing gelaufen ohne mich speziell darauf vorzubereiten, als das übliche Fußballtraining. Bei meiner Zeit von 1:24:XX sind dann doch ein paar Personen auf mich zugekommen und meinten, dass das gar nicht mal so schlecht sei, hatte aber für mich zum damaligen Zeitpunkt keine Bedeutung. Außer das mein damaliger Trainer stinksauer war, da ich am nächsten Tag ein Fußballspiel hatte und nicht gerade durch die von mir bekannte Lauffreude glänzte… ?

Gibt es Menschen, die dich zum Laufen gebracht haben ?

Vor 6 oder 7   Jahren hat mich Alex Fischl mal zum Rachel mitgenommen und mir gezeigt was man unter Trailrunning eigentlich versteht, damals hatte ich das erste Mal Blut geleckt? aber eben bis Corona war dann wieder Fußball im Vordergrund. Der Gedanke nach der Fußballkarriere mit dem Berglauf zu starten war immer in meinem Kopf.

Was sind deine persönlichen Erfolge in den letzten Jahren ? Was hat dich am meisten begeistert?

Naja, da ich mich seit März das erste mal Strukturiert auf Laufwettkämpfe vorbereitet habe und die ganzen Veranstaltungen Corona bedingt lange in der Schwebe standen hab ich noch relativ wenig Erfahrung. Als absolutes Highlight würde ich trotzdem den zweiten Platz beim Osser-Riesen im Rahmen des U.TLW`s bezeichnen, eine Veranstaltung von diesem Kaliber habe ich bis dahin nicht gekannt und war vollkommen überwältig. Der Zieleinlauf nach den Strapazen war Gänsehautfeeling pur. Ansonsten waren noch der jeweils zweite Platz bei den regionalen Rennen Woidman und Heimat Trails Trophy schöne Erfahrungen dieses Jahres.

Wie sieht deine weitere sportliche Zukunft aus? Gibt es noch große Ziele?

Große Ziele habe ich viele, inwiefern diese zu realisieren sind bzw. wie sich die Leistungsmöglichkeit meines Körpers entwickelt wird sich zeigen, mit Olaf Schober habe ich einen absoluten Experten als Trainer der mich diesbezüglich bestens berät. Definitiv möchte ich mal beim Transalpin Run starten (wenn ich einen passenden Partner finde, bzw. Jemanden der mit mir laufen will) und irgendwann mal in Chamonix an der Startlinie zu stehen gehören wohl zu den Zielen aller die das ganze wettkampftechnisch betreiben.

Du hast beim Baby D. Day alle Dämme gebrochen und innerhalb weniger Stunden alleine 2000 € für die Aktion gesammelt. Was hat dich bewogen mitzumachen und wie hast du es geschafft so viele Sponsoren zu aktivieren?

LebensLaufLinien: Patrick Ehrenthaler © Patrick Ehrenthaler

Was mich bewegt hat? Naja, als täglicher Besucher eurer Webseite habe ich den Artikel
gelesen und sofort beschlossen mitzumachen. Zum einen war ich in den vergangenen Jahren immer selbst Organisator von diversen Spendenaktionen die hauptsächlich über unseren Fußballverein gelaufen sind, coronabedingt sind diese aber ausgefallen weshalb sich die Sache ideal angeboten hat. Zum anderen finde ich es super wenn man Leuten helfen kann, unterm Strich geht es den meisten von uns echt saugut was man immer wieder vergisst… wenn man solche Geschichten liest finde ich es einfach super wenn man irgendwie helfen kann?

Was verbindest du mit dem Trailrunning ? Ist das mehr als nur ein Sport ?

Freiheit, Naturverbundenheit und Lebensfreude… Trailrunning ist kein Hobby, es ist ein Lifestyle.

Interview: Konrad Kufner

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