Plan B geht neue Wege: Interview mit Heinrich Albrecht - xc-run.de Trailrunning

Plan B geht neue Wege: Interview mit Heinrich Albrecht

Heinrich Albrecht PlanB Event Company: Transalpine Run 2019, Etappe 8 © Klaus Fengler

Heini Albrecht und seine PLAN B Event Company gelten als die die Urväter der Trailrunning Events im deutschsprachigen Raum. Vorher war – nichts! Kein GGUT, kein U.TLW und auch kein IATF. Der Zugspitz Ultratrail im Jahr 2011 machte Trailrunning-Events salonfähig und bereits 2005 brachen 150 „Verrückte“ unter der Anleitung von PLAN B auf, um beim Transalpine Run (TAR) als Zweier-Team den Alpenhauptkamm zu überqueren.

2020 war auch für die Spezialisten in Sachen Trailrunning ein „besonderes“ Jahr mit mehr Tiefen als Höhen. Zahlreiche pandemiebedingte Eventabsagen, aber auch kreative Prozesse folgten. Heraus kam die virtuelle Edition des ZUT, das aus der Not geborene Trail Triple als TAR Ersatz in Imst und das Trailgame in Bad Iburg im geschichtsträchtigen Teutoburger Wald.

Gerade Letzteres bietet ein völlig neues Format: Ein Laufevent als Ausscheidungsrennen auf einer 12,5-Kilometer-Runde mit einem Baumwipfelpfad als Streckenhighlight. Grund genug uns mit Heinrich Albrecht über dieses neue Event zu unterhalten:

Interview Heinrich Albrecht

Hallo Heinrich, ihr habt wohl eines der schwersten Jahre seit Gründung der PLAN B Event Company hinter euch. Wie geht es dir und deinem Team? Wie stehen die PLAN B Aktien?

H. ALBRECHT:

Für einen Eventveranstalter, der keine Events ausrichten darf, waren die letzten 1,5 Jahre die Höchststrafe. Wir haben aber immer vorne geschaut – und auch viel Zuspruch bekommen! Richtig gerührt hat uns z.B. als wir den Zugspitz-Ultratrail zum zweiten Mal in Folge nur virtuell abhalten konnten. Sehr  viele Teilnehmer haben auf die Rückerstattung ihres Teilnehmergeldes verzichtetet und bekamen dafür ein „ZUT-Retter“ Shirt.

Das hat uns einmal mehr gezeigt, wie toll diese community ist und wie sehr unsere Fans zu uns halten!

Auf der anderen Seite hat die Pandemie auch dafür gesorgt, dass Menschen mit dem Laufsport begonnen haben, auf der Straße, im Park, in den Bergen, alleine, im Team, zum seelischen Ausgleich oder eben auch als Event- und Wettkampfvorbereitung für die „Zeit danach.“  Allein schon deswegen blicken wir sehr optimistisch nach vorne, unsere ersten „echten“ events 2021 waren ja auch schon ein großer Erfolg.

Ein Etappenlauf über die Alpen als 2er Team (Transalpine Run), ein Nachtlauf von Innsbruck auf den Stubaier Gletscher (Stubai Ultratrail), ein mehrtägiger Etappenlauf in Richtung Gardasee (Salomon 4 Trails) und jetzt das Trail Game. Wie kommt ihr auf eure Ideen?

H. ALBRECHT:

Es war schon immer unser Bestreben, den Teilnehmern ein besonderes Erlebnis zu bieten – und dazu gehört eben auch, dass man neue Wege geht und die sprichwörtlich ausgetretenen Pfade mituntert verlässt.  Der erste Transalpine-Run 2005 ist so ein Beispiel: als Zweier-Team in 8 Tagen über die Alpen; in einem Individualsport? Das war zunächst undenkbar, und im ersten Jahr sind uns die Leute ja auch nicht gerade die Bude eingerannt. Und doch kamen bereits Teinehmer*innen aus fast 15 Ländern und haben sich uns und unserer Idee anvertraut. Auch unsere Partner glaubten an die gemeinsame Sache – und die zahlte sich nach ein paar Jahren aus. Man muss in die community hineinhören, mit Läufer*innen und Sponsoren reden, und man muss sich ständig hinterfragen. Immer vor dem Hintergrund: was können die Teilnehmer*innen bei einem event mitnehmen? Und so entstehen neue Ideen, manche davon verschwinden wieder in der Schublade, andere erwecken wir zum Leben.

Die oben genannten Events haben eines gemeinsam: Sie beanspruchen einen unglaublichen organisatorischen Aufwand. Wieso habt ihr euch ausgerechnet auf diese Art von Events spezialisiert?

H. ALBRECHT:

Das bringen die Events einfach mit sich! Wenn man eine Alpenüberquerung anbietet oder in der Nacht auf einen Gletscher rennt, dann ist der organisatorische Aufwand extrem hoch. Zumal uns die Sicherheit extrem am Herzen liegt: Streckendesign, saubere Markierungen, Vorläufer, Rettungspläne, die Medcial crew, die strengen Anforderungen an die Pflichtausrüstung inklusive entsprechender Kontrollen – das gehört einfach zu unserem Selbstverständnis.

Wir hatten vor den Trailrunning-Events schon jahrelang Erfahrung mit Bike-Events, da ist die Logistik nochmal aufwändiger – diese Erfahrung kommt uns zugute. Außerdem treiben wir so viel Aufwand, damit die Teilnehmer*innen sich einzig auf das Laufen und das Erlebnis konzentrieren sollen. Bei PLAN B sollst du das Gefühl haben: ich kann mich voll auf das Laufen, die Landschaft, die Strecke und das Miteinander mit den anderen Teilnehmer*inne freuen, für den Rest sorgt PLAN B.

Wäre es nicht einfacher und lukrativer ein „normales“ Trailevent zu organisieren? Zwei Strecken, die bei Tageslicht zu bewältigen sind mit Start und Ziel am gleichen Ort ist nichts für euch?

H. ALBRECHT:

Klar ist das viel einfacher, günstiger und sicherer  – auch im Hinblick auf die zunehmenden Wetterextreme, vor allem in den Bergen. Unter anderem deswegen initiieren wir ja auch neue Events in einem ganz neuen Umfeld, zum Beispiel das Trailgame im Oktober im Teutoburger Wald. Aber egal wie das Eventformat aussieht: wir wollen bestmöglichen Service bieten, und das bedingt nunmal eine zum Teil aufwändige Organisation.

Stichwort Trailgame: Das Format ist innovativ und sehr speziell. Kannst du es uns nochmal kurz erklären?

H. ALBRECHT:

Beim Trailgame handelt es sich um ein Rennen auf einer 12,5 Kilometer langen Runde im Teutoburger Wald. Fünf Distanzen stehen zur Wahl: von 12,5 Kilometer bis hin zu 100 Kilometer, also 8 Runden. Das Besondere: egal ob 1, 2, 3, 4 oder 8 Runden: am Ende zählt nicht die Gesamtzeit, sondern das Ergebnis der allerletzten Runde! Das ist also neben der reinen Laufperformance auch Köpfchen gefragt;  genau das richtige für Taktikfüchse!!

Ihr wagt euch dabei gleich in zweifacher Hinsicht auf unbekanntes Terrain: Ein neues Rennformat und eine Location in der Trailrunning vermutlich noch nicht sehr bekannt ist. Wieso dieses Wagnis?

H. ALBRECHT:

Auch hier gilt: wir wollen den Teilnehmer*innen ein besonderes Erlebnis bieten. Es gibt genug events mit klassischen Laufformaten und -Strecken. Unsere Erfahrung zeigt, dass Läufer*innen nicht nur auf reine Bestzeiten fokussiert sind, sondern nach einem besonderen, intensiven Erlebnis aus sind. Beim Trailgame z.B. kommen ja alle immer wieder im Start-/Zielbereich durch, das alleine sorgt schon für ein tolles event-Flair! Da sieht man dann auch mal die Topläiufer*innen!

Und was die Region angeht: Trailrunning wird in der Tat oft mit Berglaufen gleichgesetzt. Doch Trailrunning beginnt hinter der Haustüre. Und mit dem Trail Team Osnabrück haben  wir einen lokalen Partner gefunden, der die besten Strecken vor Ort kennt.

Wen siehst du im Teutoburger Wald als Zielgruppe? Eher die Locals oder lohnt es sich auch für Trailrunner aus dem Alpenraum mal nach Bad Iburg zu kommen?

H. ALBRECHT:

Wir sind überzeugt, dass wir eine ganz breite Zielgruppe ansprechen: Trailrunning-Neulinge, die sich zum ersten Mal auf die Trails wagen und wahrscheinlich eher aus der Region kommen; Fortgeschrittene, die sich an länger Distanzen heranwagen wollen, aber auch Ultraläufer aus der ganzen Republik, die neugierig und offen sind für ein gänzlich neues Rennformat. Das wird ein bunter Mix, auf den sich alle Trailriunning-Fans schon jetzt freuen dürfen.

Wir werden das Ganze auf jeden Fall mit großer Spannung verfolgen und darüber berichten. Viel Erfolg und bis bald.

Plan B Trailgame: Darum geht es

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