Streckencheck Klosters - Auf den Trails der Masters-WM 2027 - xc-run.de Trailrunning

Streckencheck Klosters – Auf den Trails der Masters-WM 2027

Manchmal muss man eine WM-Strecke nicht bis ins letzte Detail analysieren, um zu wissen, dass sie funktioniert. Es reicht, wenn nach wenigen Kilometern dieses typische Grinsen ins Gesicht kommt. Wenn auf einen flowigen Höhenweg plötzlich ein giftiger Uphill folgt, wenn der nächste Downhill volle Konzentration verlangt und man irgendwann feststellt: Verdammt, diese Runde hat eigentlich alles.

Klosters will 2027 die besten Masters-Bergläufer der Welt empfangen. Wir wollten wissen, was sie dort erwartet – und haben uns auf die vorgesehene Long-Distance-Strecke gemacht: rund 32 Kilometer, etwa 1.800 Höhenmeter und eine große Runde durch die Trail-Spielwiese rund um Klosters. Eines vorweg: Langweilig wird hier niemandem.

Klosters will Trailrunning

Streckencheck Klosters: Auf den Trails der Masters-WM 2027 © Marco Felgenhauer / woidlife photography

Wer Davos Klosters bislang hauptsächlich mit Wintersport verbindet, hat in den vergangenen Jahren einiges verpasst. Der wunderschöne Madrisa Trail hat sich längst einen Namen in der Trailrunning-Szene gemacht, der Davos X-Trails gehört mit seiner Vergangenheit als als Swissalpine zu den traditionsreichen Veranstaltungen der Schweiz und auch der Transalpine Run macht regelmäßig Station in der Region.

2027 kommt nun ein internationales Großereignis hinzu: Klosters wird Austragungsort der World Masters Mountain Running Championships.

Für Tourismuschef Dominik Heeb ist die WM weit mehr als ein weiteres Event im ohnehin gut gefüllten Veranstaltungskalender. Er bezeichnet sie als perfekten Kick-off in die Trailrunning-Saison. Gleichzeitig ist sie ein Prestigeprojekt für eine Destination, in der die Begeisterung für Bergsport tief verwurzelt ist.

Dass Klosters große Masters-Veranstaltungen kann, hat die Region bereits im Winter bewiesen. 2017 und 2025 richtete man die Masters-Weltmeisterschaften im Langlauf aus – und war von der Veranstaltung, der internationalen Atmosphäre und den Athleten begeistert. Nun soll dieses Flair auf die Trails übertragen werden.

Rund 2.000 Athleten aus aller Welt möchte man 2027 nach Klosters locken. Der Anmeldestart ist für den 30. September 2026 vorgesehen.

Für einige der Teilnehmer dürfte dabei genau jene Strecke besonders interessant werden, auf der wir heute unterwegs sind. Denn wir laufen nicht irgendeine schöne Trainingsrunde. Wir laufen die vorgesehene Long-Distance-Strecke der Masters-WM.

32 Kilometer, 1.800 Höhenmeter – schauen wir uns das an

Streckencheck Klosters: Auf den Trails der Masters-WM 2027 © Marco Felgenhauer / woidlife photography

Wie üblich bei Schweizer Bergläufen gibt es nach dem Start wenig Vorgeplänkel. Es geht erst einmal nach oben. Und zwar ordentlich. Auf den ersten fünf Kilometern warten rund 700 Höhenmeter. Der Untergrund ist dabei meist wenig technisch, was die Sache allerdings nicht unbedingt leichter macht. Wer sich hier von der anfänglichen Euphorie verleiten lässt, zu viel Gas zu geben, könnte diese Entscheidung später noch bereuen. Ziel des ersten langen Anstiegs ist der Gotschnaboden an der Mittelstation der Bergbahn. Bis hierhin war es Uphill. Jetzt wird es Trailrunning.

Gotschnaboden: Jetzt wird gespielt

Streckencheck Klosters: Auf den Trails der Masters-WM 2027 © Marco Felgenhauer / woidlife photography

Ab Gotschnaboden verändert sich der Charakter der Strecke komplett. Plötzlich wird aus dem steilen Berglauf ein herrlich flowiger Trail. Ein gerade einmal ellbogenbreiter Singletrail zieht sich Richtung Schwarzseealp. Laufen lassen. Rhythmus finden. Spielen. Genau jene Art von Trail, bei der man am liebsten vergessen würde, dass man sich eigentlich mitten in einem Wettkampf befindet. Doch allzu lange sollte man sich diesem Flow nicht hingeben. Von der Schwarzseealp geht es steil hinunter bis zum Golfclub Klosters. Und wer unten angekommen glaubt, damit sei der schwierigste Teil der WM-Strecke überstanden, irrt gewaltig. Eigentlich beginnt er erst jetzt.

Keine Zeit zum Ausruhen

Streckencheck Klosters: Auf den Trails der Masters-WM 2027 © Marco Felgenhauer / woidlife photography

Ab diesem Punkt zeigt die Runde ihren wahren Charakter. Und der ist deutlich bissiger, als die nackten Zahlen von 32 Kilometern und 1.800 Höhenmetern vermuten lassen. Immer wieder folgen kurze, steile Anstiege. Technische Downhills wechseln mit laufbaren Passagen. Kaum hat man seinen Rhythmus gefunden, zwingt einen die Strecke zum nächsten Wechsel.

Beschleunigen. Bremsen. Klettern. Downhill. Wieder laufen.

Ein lockeres Dahinrollen gibt es praktisch nicht. Die Strecke fordert den kompletten Trailläufer – und bestraft jede Sekunde der Unachtsamkeit. Wer hier vorne mitmischen möchte, braucht nicht nur einen starken Motor, sondern muss klettern, technisch sauber Downhill laufen und auf den schnellen Abschnitten trotzdem Tempo machen können. Vor allem aber muss man ständig konzentriert bleiben und pushen. Genau das macht diesen Kurs so interessant.

Knackig, aber wunderschön

Streckencheck Klosters: Auf den Trails der Masters-WM 2027 © Marco Felgenhauer / woidlife photography

Bei all der sportlichen Herausforderung sollte man eines nicht vergessen: Die Runde ist landschaftlich richtig stark. Immer wieder öffnen sich Blicke hinunter nach Klosters. Mal läuft man hoch über dem Tal, wenig später scheint der Ort schon wieder zum Greifen nah.

Überhaupt ist das eine der Besonderheiten des Kurses. Obwohl die Strecke eine komplette Runde um Klosters zieht und ordentlich Höhenmeter sammelt, hat man gefühlt nie den Eindruck, weit vom Talort entfernt zu sein. Das gibt der WM-Strecke einen erstaunlich kompakten Charakter.

Halbzeit in Monbiel

Streckencheck Klosters: Auf den Trails der Masters-WM 2027 © Marco Felgenhauer / woidlife photography

Nach dem Zwergenweg und dem Family Trail geht es über die Landquart und hinüber auf die andere Talseite. Im Ortsteil Monbiel wartet ziemlich genau zur Hälfte der Strecke die zweite Verpflegungsstation. Auch die zweite Hälfte wird keineswegs zur gemütlichen Heimreise.

Von Monbiel führt die Route auf der gegenüberliegenden Talseite entlang bis zum Schlappin See. Spätestens hier könnte der Gedanke aufkommen: Höchster Punkt erreicht – und jetzt zurück ins Ziel rollen. Schöner Plan. Funktioniert nur nicht.

Das dicke Ende

Streckencheck Klosters: Auf den Trails der Masters-WM 2027 © Marco Felgenhauer / woidlife photography

Schon wenige Meter später biegt die Strecke wieder auf technische Trails ab. Und sie bleibt fordernd bis zum Schluss. Keine endlose Forststraße, auf der man einfach den Autopiloten einschaltet. Kein kilometerlanges Ausrollen Richtung Ziel. Stattdessen verlangt der Kurs auch auf den letzten Kilometern sauberes Laufen, einige bissige Anstiege und höchste Konzentration. Gerade im Rennen könnte das richtig spannend werden.

Denn nach 25 oder 30 Kilometern sieht ein kleiner technischer Downhill plötzlich ganz anders aus als beim lockeren Trainingslauf. Und ein kurzer Gegenanstieg, den man morgens kaum wahrgenommen hätte, kann mit 1.500 Höhenmetern in den Beinen erstaunlich lang werden. Erst der Zieleinlauf an der Klosters Arena beendet dieses ständige Wechselspiel.

Unsere Prognose: 2:50 Stunden

Streckencheck Klosters: Auf den Trails der Masters-WM 2027 © Marco Felgenhauer / woidlife photography

Was bleibt? Eine Strecke, die uns überrascht hat. Der Auftakt ist simpel und hart: fünf Kilometer, 700 Höhenmeter, bergauf. Danach folgt ein Kurs, der praktisch das komplette Repertoire des modernen Trailrunnings abfragt. Flowige Singletrails, schnelle Passagen, steile Uphills, technische Downhills und ständig neue Rhythmuswechsel.

32 Kilometer und rund 1.800 Höhenmeter erzählen deshalb nur die halbe Wahrheit.

Dieser Kurs ist anspruchsvoller, als es das Höhenprofil zunächst vermuten lässt. Gleichzeitig bleibt er laufbar genug, damit richtig schnelle Zeiten möglich sind. Wir wagen deshalb schon jetzt eine Prognose: Die Siegerzeit bei den Männern wird bei etwa 2:50 Stunden liegen.

Diese Aussage speichern wir uns besser irgendwo ab. Im Juni 2027 werden wir sehen, wie nahe wir tatsächlich dranliegen.

Trailrunning-Paradies von A bis Z

Streckencheck Klosters: Auf den Trails der Masters-WM 2027 © Marco Felgenhauer / woidlife photography

Dass Klosters Trailrunning nicht nur als weiteres touristisches Sommerprodukt betrachtet, merken wir während unseres Aufenthalts auch abseits der Strecke. Untergebracht sind wir im Sunstar Hotel Klosters. Unsere Gastgeber Tobias und Alyt sind selbst begeisterte Läufer – und müssen deshalb nicht lange überlegen, was Trailrunner eigentlich brauchen.

Beim Madrisa Trail beginnt das Frühstück im Hotel beispielsweise bereits um vier Uhr morgens. Und wer anschließend zum Start muss, wird kurzerhand hingefahren. Es sind solche Kleinigkeiten, die zeigen, ob eine Destination Trailrunning nur auf ihre Website schreibt oder tatsächlich lebt. In Klosters scheint Letzteres der Fall zu sein.

Mit Madrisa Trail, Davos X-Trails und Transalpine Run ist die Region längst in der Szene angekommen. Die World Masters Mountain Running Championships 2027 könnten nun der nächste große Schritt werden. Dominik Heeb bezeichnet die WM als perfekten Kick-off in die Trailrunning-Saison. Nach unserem Streckencheck können wir dem nur zustimmen.

Eine wunderschöne Bergwelt, Gastgeber, die selbst laufen, und eine WM-Strecke, die flowig, schnell, technisch, bissig und bis zum letzten Kilometer fordernd bleibt. Ein Trailrunning-Paradies von A bis Z also.

Und während wir nach 32 Kilometern und 1.800 Höhenmetern wieder in Klosters stehen, steht zumindest für mich noch etwas anderes fest:

Saisonziel 2027: Masters-WM in Klosters!

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