Rückschlag beim KAT100 Marathon Trail: Wenn die Vernunft über das Herz siegt - xc-run.de Trailrunning

Rückschlag beim KAT100 Marathon Trail: Wenn die Vernunft über das Herz siegt

Traumkulisse, perfekte Organisation und große Ziele: Beim KAT100 Marathon Trail sollte eigentlich alles passen. Doch schon früh im Rennen wurde klar, dass mein Körper an diesem Tag nicht mitspielen würde. Am Ende stand eine der schwersten Entscheidungen im Ausdauersport: der vorzeitige Ausstieg – und ein DNF, das auch Tage später noch nachwirkt.

Ein KAT100 wie aus dem Bilderbuch

Thomas Wanninger beim KAT100 2026

Ein Wettkampfwochenende wie aus dem Bilderbuch, eine Traumkulisse in den Kitzbüheler Alpen und ein Event, das in der Trailrunning-Szene seinesgleichen sucht: Der KAT100 Marathon Trail hatte angerichtet!

Über 50 Nationen am Start, ein zutiefst internationales Feld – und dennoch schaffte es die Ferienregion Pillerseetal gemeinsam mit Renndirektor Thomas Bosnjak und seinem Team, eine herzerwärmende, nahbare und fast schon familiäre Atmosphäre zu kreieren. Thomas und seine Crew waren gefühlt überall gleichzeitig präsent, überließen absolut nichts dem Zufall und boten uns Läuferinnen und Läufern eine Bühne, die makelloser kaum hätte sein können.

Nach dem Regen am Vortag empfing uns der Morgen in Fieberbrunn mit frischen 15 Grad – ideales Laufwetter für den Startschuss um Punkt 7:00 Uhr. Schon im ersten Anstieg zeichnete sich jedoch ab, dass die Sonne im Tagesverlauf ordentlich einheizen und das Thermometer auf knapp 28 Grad klettern lassen würde.

Ein guter Start – doch die Leichtigkeit fehlt

Ich kam zu Beginn gut weg und konnte mich auf Anhieb in den Top Ten festsetzen. Der erste lange Anstieg führte direkt von Fieberbrunn hinauf auf den majestätischen Wildseeloder. Doch genau hier spürte ich schon, dass an diesem Tag der Wurm drin war – ich hatte zu Beginn wohl einen Tacken zu viel gewagt.

Auf dem technischen Terrain fehlte mir die gewohnte Leichtigkeit, der Schritt fühlte sich schwer an und ich fand einfach keinen flüssigen Rhythmus. Selbst der anschließende Downhill zurück nach Fieberbrunn – eine technisch anspruchsvolle, aber absolut fantastisch angelegte Trail-Passage – wurde für mich zu einer zähen Angelegenheit.

Der Körper setzt ein klares Signal

Thomas Wanninger beim KAT100 2026

Zurück im Tal wartete der zweite lange Uphill: Von hinten heraus ging es über die Herrgottsbrücke und den Fieberbrunner Höhenweg nochmals steil bergauf, fast bis hinauf zum Wildseeloder.

Genau hier folgte schließlich die bittere Ernüchterung: Mein Puls schoss bereits bei einem Tempo, das sonst einem entspannten Dauerlauf gleicht, direkt in den roten Bereich. Mein Körper signalisierte mir ganz klar, dass der Tank für ein Rennen über 50 Kilometer und mehr als 3.200 Höhenmeter an diesem Tag schlichtweg leer war.

In diesem Moment schoss mir zum ersten Mal der Gedanke an eine Aufgabe durch den Kopf. Natürlich hätte ich mich irgendwie durchbeißen können – mit einem zähen, stundenlangen Wandertag bis ins Ziel. Doch mit Blick auf die anstehende Restsaison und die weiteren Wettkämpfe, die ich noch mit voller Kraft bestreiten möchte, verbot mir die Vernunft, mich hier völlig aufzureiben.

DNF – drei Buchstaben, die lange nachwirken

Thomas Wanninger beim KAT100 2026

Auch jetzt, zwei Tage nach dem Wettkampf, hadere ich immer noch extrem mit mir. So ein DNF (Did Not Finish) arbeitet ungemein lange in einem. Selbst wenn man genau weiß, dass die Entscheidung vernünftig und richtig war, lässt sie sich nicht einfach so beiseiteschieben. Das brennt im Kopf und im Sportlerherzen nach. Oder geht es euch da nach einer Aufgabe etwa anders?

Die vielen Nachrichten, die aufmunternden Worte von Freunden und das Verständnis aus der Familie helfen in solchen Momenten natürlich riesig und tun gut – aber die Enttäuschung lässt sich dadurch eben doch nicht sofort komplett wegschieben.

Umso mehr schmerzt es, bei einem so fantastisch organisierten Event nicht die eigene Leistung auf den Trail gebracht zu haben. Gerne hätte ich diesen Zielkanal mit all seiner Energie auf der Zielgeraden aufgesaugt.

Niederlagen gehören genauso dazu wie Siege

Aber so ehrlich muss man sein: Solche Niederlagen gehören zum Sport genauso dazu wie die Siege. Sie zeigen einem die eigenen Grenzen auf, erden einen und schärfen den Blick für das Wesentliche.

Ein riesiges Dankeschön an die Ferienregion Pillerseetal, Thomas Bosnjak und das gesamte KAT100-Team für dieses phänomenale Rennen. Ich komme definitiv wieder, um die Rechnung mit dem Wildseeloder und den Kitzbüheler Trails zu begleichen!

Text: Thomas Wanninger

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