Vom Trailrunner zum Langläufer in 90 Tagen: Erste Schritte - xc-run.de Trailrunning

Vom Trailrunner zum Langläufer in 90 Tagen: Erste Schritte

Wenn ich behaupten würde, ich wäre noch nie auf Skiern gestanden, müsste ich lügen. Ich bin ein Kind des Bayerischen Waldes – und vor 30 Jahren war es bei uns fast so wichtig, Skifahren zu können, wie Fußball zu spielen. Entsprechend stand auch ich bereits als Vierjähriger auf Alpinski und absolvierte im Schulskikurs die obligatorischen ersten Schritte auf Langlaufskiern.

Ich bin also kein blutiger Anfänger. Zudem wurde mir schon öfter nachgesagt, dass ich mich bei neuen Sportarten – solange sie nicht im Wasser stattfinden 🙂 – ganz ordentlich schlage.

Trotzdem war Langlaufen für mich lange Zeit eher die Alternative der Alternative. Drei- bis viermal im Jahr stand ich maximal auf Langlaufskiern. Nie zuvor hatte ich daran gedacht, gezielt im Skilanglauf zu trainieren, geschweige denn mich strukturiert auf einen Wettkampf wie den Skadi Loppet vorzubereiten.

Nahtoderfahrungen beim ersten Einsatz auf Langlaufskiern

Topmotiviert vom Vorhaben Skadi Loppet stehe ich Ende Dezember vor meiner ersten Langlaufeinheit des Jahres. Ich habe knapp zwei Stunden Zeit und plane eine lockere Grundlageneinheit, um wieder „reinzukommen“.

Die geplante Strecke für Insider: Hudlach – Eck – Mühlriegel und zurück.

Die ersten Kilometer laufen überraschend locker. Skaten auf Skiern ist schließlich eine der schönsten Bewegungsformen überhaupt: Oberkörper, Beine, Ausdauer und Koordination arbeiten perfekt zusammen.

Anders sieht es jedoch „hoch zum Mühlriegel“ aus. Dort warten fünf Kilometer unpräparierte Strecke und rund 350 Höhenmeter Anstieg. Aus der geplanten lockeren Einheit wird schnell ein gefühlter Kampf ums Überleben. Innerhalb von 20 Minuten laufe ich mich blau wie der Himmel über Bayern.

Die Abfahrt setzt dem Ganzen die Krone auf: Mir fehlt jegliches Gefühl für die Ski, ich jage komplett „out of control“ durch die steilen Serpentinen. Nach diversen Nahtoderfahrungen, komplett durchgeschwitzt, mental am Ende und mit schlotternden Knien stehe ich wieder am Fuß des Anstiegs.

Und denke mir nur eines:

Nochmal da hoch!

Am Ende stehen 21,8 Kilometer und exakt zwei Stunden auf der Uhr. Kurz schießt mir durch den Kopf, dass ich mit diesem Durchschnittspuls in Laufschuhen deutlich schneller unterwegs gewesen wäre.
Es gibt also einiges zu tun.

Fortschritte, Material und die große Technik-Baustelle

Mittlerweile ist Januar und ich stand bereits fünf Mal auf Langlaufskiern. Meine alte Ausrüstung habe ich gegen bessere Ausrüstung getauscht – und merke zum ersten Mal, welchen Unterschied gutes Material im Skilanglauf tatsächlich macht.

Eine erste Bestandsaufnahme:

  • Am Berg werde ich eher selten überholt

  • Meine „Pumpe“ funktioniert auch beim Skilanglauf erstaunlich gut

  • Mit 1,80 m Körpergröße und 74 kg bringe ich offenbar genug Kraft für den Stockeinsatz mit

Die große Schwäche ist jedoch eindeutig die Technik. Ich bin weiterhin autodidaktisch unterwegs und habe oft keine Ahnung, wann welche Technik sinnvoll ist oder wie das mit dem Gleiten eigentlich richtig funktioniert.

Ein echtes Debakel sind schnelle Abfahrten. Hier fühle ich mich zu keinem Zeitpunkt als Herr der Lage – stattdessen dominiert blanke Panik. Ein Freund meinte einmal:

„Bleib einfach in der Spur, da kann man gar nicht rausfallen.“

Tja. Trotzdem trägt es mich bei einer rasanten Abfahrt mal wieder aus der Kurve. Beim anschließenden Sturz fliegt mir mit einem lauten PLOPP ein Teil meines Carbonstocks um die Ohren.

Naja – höchste Zeit, das Skaten ernsthaft zu üben.

Fazit: Skilanglauf macht süchtig

Trotz aller Stürze, Technikprobleme und Nahtoderfahrungen wird mir eines immer klarer:

Langlaufen ist einfach geil.

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