Hannes Namberger ist einer der erfolgreichsten deutschen Trailrunner der vergangenen Jahre – mit Podestplätzen bei internationalen Toprennen und einer beeindruckenden Konstanz auf höchstem Niveau. Vom ehemaligen Skifahrer aus dem Chiemgau hat er sich zum Spezialisten für lange, harte Trails entwickelt, scheut aber auch schnelle Abstecher auf den Asphalt nicht. Heute verbindet er Leistungssport mit Familienleben und bleibt dabei vor allem eines: bodenständig, ehrgeizig und immer neugierig auf das nächste Abenteuer.
Trailrunner im Interview: Hannes Namberger
Hannes, ganz grundsätzlich: Wenn du heute auf deine Laufkarriere schaust – gibt’s manchmal Momente, in denen du selbst kurz den Kopf schüttelst und dir denkst: „Wie bin ich da eigentlich gelandet?“
Als ich mit dem Sport angefangen habe, war mein Ziel, einmal auf dem Podium der Skyrunner World Series zu stehen. Daraus ist zwar nichts geworden, dafür konnte ich andere – und eigentlich auch wichtigere – Erfolge einlaufen. Jetzt und hier bin ich aber schon dankbar, dass ich zwei Sportarten auf professionellem Niveau betreiben konnte und noch betreiben kann.
Bezogen auf deine Halbmarathonzeit in Bad Füssing: Wie wird ein Ex-Skifahrer eigentlich so beeindruckend schnell auf Asphalt? Hast du das gezielt trainiert oder ist das eher ein Nebenprodukt aus vielen Jahren „Bergarbeit“?
Für den Halbmarathon in Bad Füssing habe ich nicht speziell trainiert. Ich bereite mich gerade auf die Transgrancanaria vor, und da gehört es auch dazu, manche Läufe im Flachen zu absolvieren. Mittlerweile ist es aber so, dass ein gewisser Grundspeed einfach dazugehört – fehlt der, tut man sich auch auf Ultras nicht unbedingt leicht.
Apropos Asphalt vs. Trail: Was reizt dich an schnellen Straßenrennen – und was fehlt dir dort im Vergleich zu einem alpinen Trail, wo’s auch mal dreckig, technisch und unberechenbar wird?
Ich sehe das Laufen auf Asphalt als einen Baustein, der mich am Ende im gesamten Puzzle etwas besser macht. Manchmal macht es Spaß, manchmal auch gar nicht. Es gehört für mich dazu und muss trainiert werden. Wenn ich immer nur das machen würde, worauf ich Bock habe, würde meine Leistung nicht unbedingt besser werden.
Kleine Anekdote vom Weg zur Mountain Attack in Saalbach vor wenigen Wochen: Bei mir saß ein 13-Jähriger im Auto, der nonstop davon erzählt hat, dass Hannes Namberger auch am Start steht. Will sagen: Du bist mittlerweile echt ein Star – mit Fans, Vorbildfunktion und Inspiration für den Nachwuchs. Ist dir das bewusst? Und wie erlebst du das im Alltag?
Zuerst muss ich mich bei dem 13-jährigen Buam entschuldigen, dass ich nicht in Saalbach war, sondern das Laufen favorisiert habe. Aber zur Frage: Ich finde es sehr schön, wenn ich Leute zum Laufen, Bergsport oder Sport allgemein motivieren kann oder wenn ihnen gefällt, was ich tue. Dass ich ein Star bin, muss ich klar verneinen. Ich gehe einer normalen Arbeit nach und mache das, was ich gerne tue: Laufen in den Bergen. Wenn ich bei Events oder Rennen erkannt werde, finde ich das cool – aber eigentlich mache ich nichts Besonderes, nur etwas „schneller“.
Mich persönlich hat extrem beeindruckt, dass du trotz Kind und Hausumbau dein sportliches Niveau mindestens gehalten hast. Wie hat sich dein Training als Familienvater verändert – und was ist heute vielleicht sogar besser organisiert als früher?
Ich sag mal so: In letzter Zeit wurde es nicht langweilig! Mein Sohn ist jetzt bald 2,5 Jahre alt und unser Hausumbau fast fertig. Manchmal wünsche ich mir etwas mehr Ruhe, aber eigentlich mag ich es auch, wenn was los ist. Dafür lasse ich alles Überflüssige weg und bin mit meiner Frau perfekt organisiert. Ich kann dir quasi jetzt schon sagen, was ich am 10. Oktober machen werde – meine komplette Saison 2026 ist bereits durchgeplant. Das ist teilweise schon krass oder auch sehr deutsch, aber ich muss es machen, sonst bekomme ich alles nicht unter einen Hut. Es gibt quasi nichts, was ich dem Zufall überlasse, und so gehe ich meinen Sport ebenfalls an. Das Niveau wird immer höher, und ich muss mich jedes Jahr aufs Neue verbessern.
Hand aufs Herz: Gibt es Trainingstage, an denen du froh bist, nicht mehr komplett nur für den Sport zu leben – oder vermisst du manchmal genau diese völlige Fokussierung?
Es fühlt sich auf jeden Fall entspannter an, auch wenn der Fokus auf den Sport weiterhin da ist. Natürlich gibt es diesen Zwiespalt: Wenn die Familie gerade etwas Schönes macht und ich mich zum Training verabschiede, kapselt man sich bewusst ab. Gleichzeitig möchte ich meinem Sohn vorleben, dass es etwas Wertvolles ist, für ein Ziel zu arbeiten und sich dafür auch richtig reinzuhängen. Klar denke ich manchmal, ehrlich gesagt, dass so ein Einsiedlerleben mit komplettem Sportfokus auch mal spannend wäre – aber wahrscheinlich nur kurz. Nur für den Sport zu leben und alles andere auszublenden, würde für mich nicht funktionieren, und so habe ich meine Trail-Karriere ja auch nie gelebt. So wie es jetzt ist, fühlt es sich genau richtig an, und ich würde es nicht eintauschen wollen.
Letzte Saison hätte ich fast darauf gewettet, dass du bei der WM antrittst. Die Strecke hätte dir meiner Meinung nach gelegen, und nach Innsbruck 2023 hattest du mit der WM ja eigentlich noch eine Rechnung offen. Warum hast du damals „verweigert“? Welche Bedeutung hat das Nationaltrikot für dich?
Ich mache Rennen, für die ich zu 100 % brenne und bei denen ich meine Leistung auch abrufen kann. Die WM 2025 hat mir nicht zugesagt, und ich bin niemandem etwas schuldig oder muss bestimmte Rennen laufen. Im Endeffekt laufe ich Rennen, auf die ich Bock habe – kein Sponsor und kein Verband verpflichtet mich dazu. Natürlich war es schade, dass ich die WM 2025 nicht gelaufen bin, dafür habe ich auf Mallorca gewonnen. Es gibt ja noch ein Jahr 2027 …
Blick nach vorne: Wie sieht deine Saison 2026 aus? Bad Füssing, Transgrancanaria – was kommt danach, und worauf hast du jetzt schon richtig Bock?
Gerade blicke ich nur auf das nächste Rennen: die Transgrancanaria. Darauf liegt mein kompletter Fokus, dafür trainiere ich in der Winterzeit gerade recht intensiv. Wenn ich dafür nicht brennen würde, mache ich etwas falsch. Was danach kommt, ist zwar geplant (LUT, UTMB, UTCT), aber an diese Events denke ich aktuell noch nicht.
Hitzetraining, 120g Carbs pro Stunde, Natriumbicarbonat, Carbonplatten. Natriumhydrogencarbonat. Wo siehst du den nächsten Gamechanger im Trailrunning?
Kann ich dir nicht sagen, sonst entsteht der nächste Hype 😉 Nein, im Ernst: Mach die Basics richtig und vermeide Fehler. Es bringt nichts, über die letzten 0,5 % zu sprechen, die dich besser machen sollen, wenn du die wichtigsten Bausteine wie Schlaf und mentale Gesundheit nicht auf die Reihe bekommst.
Du hast so vieles erreicht in deiner Karriere als Trailrunner. Was motiviert dich noch? Gibt es eine Langfristplanung und Rennen oder Projekte die dich noch so richtig reizen?
Ich habe schon noch ein paar Rennen und Projekte, die ich gerne machen möchte und auch machen werde. Dennoch bin ich niemandem etwas schuldig und muss es eigentlich nur mir selbst beweisen. Meiner Familie ist es ziemlich egal, ob ich gewinne oder nur finishe – Hauptsache, ich bin ein guter Kerl. Eins ist aber sicher: Ich bin noch nicht am Ende meiner Laufbahn. Ich bin bald 37, Ludovic Pommeret ist 49. Ein bisserl was geht noch, auch wenn das Aufstehen in der Früh manchmal hart ist und die „Jammerei“ größer wird.
Wenn wir beide in 20 Jahren irgendwo mehr oder weniger locker losjoggen – was soll dann sportlich über dich gesagt werden? Und was wäre dir persönlich wichtiger als jede Platzierung?
In 20 Jahren habe ich hoffentlich keine Hummeln mehr im Arsch, sondern gehe gemütlich auf den Berg. Mir ist wichtig, dass ich dann sagen kann: Ich habe alles gemacht und probiert, was möglich war. Vielleicht wäre es schön, wenn andere sagen, dass ich sie motiviert habe – aber irgendwie ist mir das auch nicht allzu wichtig. Vielleicht möchte ich auch einfach als guter Kerl in Erinnerung bleiben, der hart „beißen“ konnte 😉.
Danach kann nichts mehr kommen 😉 Danke!





