Der UTMB 2026 hat nach der ersten Nacht bereits eine seiner größten Favoritinnen verloren: Courtney Dauwalter ist aus dem Rennen. Die dreimalige UTMB-Siegerin beendete ihren Wettkampf nach Lac Combal. An der Spitze der Frauen hat Blandine L’Hirondel das Kommando übernommen. Bei den Männern scheint Ben Dhiman derweil seine vollmundige Ansage in die Tat umsetzen zu wollen. Der US-Amerikaner führt nach 127 Kilometern deutlich. Hannes Namberger und Tobias Geiser machen dagegen beinahe wie beim Lavaredo gemeinsame Sache und liegen weiterhin aussichtsreich in den Top 10.
Dauwalter steigt nach rund 70 Kilometern aus
Paukenschlag im Frauenrennen: Courtney Dauwalter hat den UTMB 2026 vorzeitig beendet. Die Amerikanerin erreichte Lac Combal nach 67,8 Kilometern und 3.977 positiven Höhenmetern nach 8:08:12 Stunden. Anschließend wurde ihre Teilnahme vor dem nächsten Messpunkt an der Arête du Mont-Favre als zurückgezogen gemeldet.
Bereits zuvor war erkennbar, dass für die dreimalige Siegerin nicht alles nach Plan lief. Am Col de Voza wurde Dauwalter nach 14,5 Kilometern lediglich auf Gesamtrang 60 geführt, in Saint-Gervais auf Rang 154. Danach arbeitete sie sich zwar kontinuierlich nach vorne und erreichte Les Contamines als 95. sowie La Balme als 88. des Gesamtfeldes. Am Col de la Seigne wurde sie jedoch wieder auf Rang 105 geführt, in Lac Combal schließlich auf Rang 129. Damit verliert das Frauenrennen nach der kurzfristigen Absage von Titelverteidigerin Ruth Croft die nächste große Favoritin.
Blandine L’Hirondel übernimmt das Kommando
Die neue Situation nutzt bislang vor allem Blandine L’Hirondel. Die Französin erreichte La Fouly bei Kilometer 114 nach 13:27:15 Stunden und führt das Frauenrennen an.
Dahinter folgt Rachel Entrekin. Die Amerikanerin passierte La Fouly nach 13:51:00 Stunden und liegt damit knapp 24 Minuten hinter L’Hirondel. Auf Rang drei folgt Careth Arnold, die den Grand Col Ferret nach 13:09:43 Stunden erreichte.
Emily Schmitz liegt nahezu zeitgleich auf Rang vier, dahinter folgen Katarzyna Dombrowska, Lucy Bartholomew, Antonina Iushina, Jazmine Lowther, Anne-Sofie Pollestad und Martina Valmassoi.
Vor allem L’Hirondel befindet sich damit in einer hochinteressanten Ausgangslage. Nach ihren Siegen beim OCC 2021 und CCC 2022 fehlt der Französin noch der Triumph beim UTMB, um das Triple der großen Finals in Chamonix perfekt zu machen.
Ben Dhiman zieht davon
Bei den Männern läuft derzeit vieles auf die Frage hinaus: Kann Ben Dhiman seine Ansage tatsächlich wahr machen?
Vor dem Rennen hatte der Vorjahreszweite keinen Zweifel an seinem Ziel gelassen: Für ihn zählt beim UTMB 2026 nur der Sieg. Nach mehr als 120 Kilometern sieht es so aus, als wolle Dhiman seinen Worten Taten folgen lassen.
Der US-Amerikaner verließ Champex-Lac bei Kilometer 127,5 und nach 7.086 positiven Höhenmetern nach 12:52:03 Stunden als Führender. Sein Vorsprung ist mittlerweile beträchtlich.
Baptiste Chassagne folgte erst nach 13:20:15 Stunden. Damit liegen zwischen Platz eins und zwei bereits mehr als 28 Minuten. Nur gut zwei Minuten hinter Chassagne folgt Joaquín López auf Rang drei. Caleb Olson liegt weitere acht Minuten zurück auf Platz vier.
Dhiman befindet sich damit in einer komfortablen Position – entschieden ist beim UTMB zu diesem Zeitpunkt allerdings noch lange nichts. Gerade die letzten rund 50 Kilometer über Trient, Vallorcine und zurück nach Chamonix haben schon zahlreiche Rennen komplett auf den Kopf gestellt.
Namberger und Geiser wieder Seite an Seite
Aus deutscher Sicht bleibt Hannes Namberger hervorragend im Rennen. Der Dynafit-Athlet verließ Champex-Lac nach 13:38:27 Stunden auf Gesamtrang acht. Direkt hinter ihm folgt Tobias Geiser in 13:39:31 Stunden auf Rang neun. Das weckt Erinnerungen an den Lavaredo Ultra Trail vor wenigen Wochen. Dort hatte Namberger seinen vierten Sieg gefeiert und gleichzeitig den Streckenrekord zurückerobert. Hinter ihm liefen Andreas Reiterer und Tobias Geiser gemeinsam auf Rang zwei ins Ziel.
Nun scheinen Namberger und Geiser erneut zumindest über weite Strecken gemeinsame Sache zu machen. Gerade in dieser Phase des UTMB kann das durchaus ein Vorteil sein. Beide befinden sich noch gut im Rennen und haben weiterhin Kontakt zu den vorderen Positionen. Auf Rang sieben liegt Gautier Bonnecarrere nur rund eine Minute vor Namberger. Auch Virgile Moriset auf Rang sechs und Antoine Charvolin auf Rang fünf sind keineswegs außer Reichweite. Zwischen Rang fünf und Namberger liegen am Ausgang von Champex-Lac gerade einmal gut sieben Minuten. Das Podium ist dagegen bereits etwas weiter entfernt. Joaquín López liegt auf Rang drei knapp 16 Minuten vor Namberger. Bei noch rund 50 ausstehenden Kilometern ist aber auch dieser Abstand beim UTMB keineswegs uneinholbar.
Kontrolliert Namberger sein Rennen für das große Finale?
Für Namberger könnte nun genau die Rennphase beginnen, die ihm entgegenkommt. Der Deutsche ist bekannt dafür, lange Ultras kontrolliert anzugehen und auch in der Schlussphase noch vergleichsweise konstant laufen zu können. Während Dhiman vorne bereits einen erheblichen Vorsprung herausgelaufen hat, ist der Kampf dahinter völlig offen. Chassagne, López und Olson belegen momentan die Plätze zwei bis vier, dahinter folgen Charvolin, Moriset, Bonnecarrere, Namberger und Geiser innerhalb eines relativ engen Zeitfensters.
Für Namberger dürfte es deshalb zunächst weniger darum gehen, Dhiman zu jagen. Vielmehr gilt es, den Abstand zum Podium im Bereich von rund einer Viertelstunde zu halten und auf den letzten großen Anstiegen die eigenen Stärken auszuspielen. Dass Geiser unmittelbar bei ihm läuft, könnte dabei helfen.
Kann Dhiman seine Ansage wahr machen?
An der Spitze hat Ben Dhiman mittlerweile eine klare Ausgangslage geschaffen. Mehr als 28 Minuten Vorsprung auf Chassagne nach 127 Kilometern sind ein Statement. Doch der UTMB beginnt sprichwörtlich oft erst in Champex-Lac. Die Müdigkeit der ersten Nacht steckt in den Beinen, gleichzeitig warten noch mehrere entscheidende Anstiege und Downhills. Ein Einbruch kann hier innerhalb kurzer Zeit große Zeitabstände vernichten.
Dhiman wollte nach Rang zwei 2025 diesmal nichts anderes als den Sieg. Bislang läuft sein Rennen nahezu perfekt. Dahinter bleibt es hochspannend – und Hannes Namberger ist weiterhin mittendrin. Nach Rang vier 2024 lebt damit auch die Hoffnung auf das erste deutsche Männerpodium beim UTMB weiter.