Die Golden Trail World Series kehrt am 8. August zu ihrem wohl prestigeträchtigsten Rennen zurück. Beim legendären Sierre-Zinal treffen Titelverteidiger, Weltklasseathleten und die schnellste Strecke der Serie aufeinander – beste Voraussetzungen für ein spektakuläres Rennen.
Der fünfte Stopp der Golden Trail World Series
Nach den Rennen in Kobe, Zegama-Aizkorri, Ledro Sky Trentino und dem Salomon Pitz Alpine Glacier Trail reist die Golden Trail World Series am 8. August zu ihrem traditionsreichsten Austragungsort. Sierre-Zinal gehört seit der Einführung der Serie im Jahr 2018 zum festen Kalender und gilt als eines der prestigeträchtigsten Rennen des internationalen Trailrunnings.
Der 31 Kilometer lange Kurs mit rund 2.200 Höhenmetern führt von Sierre (560 m) hinauf bis zum höchsten Punkt bei Nava (2.424 m), bevor ein langer, schneller Downhill nach Zinal folgt. Gerade diese Kombination aus einem extrem steilen Auftakt, langen laufbaren Passagen und einem explosiven Finale macht Sierre-Zinal zum schnellsten Rennen der gesamten GTWS.
Kiriago peilt dritten Sieg an
Bei den Männern führt kaum ein Weg an Philemon Kiriago (Run2Gether On Trail) vorbei. Der Kenianer gewann Sierre-Zinal bereits 2023 und 2025 und wurde 2024 lediglich durch Kilian Jornets historischen Streckenrekord um eine Sekunde geschlagen. In dieser Saison präsentierte sich Kiriago erneut in Weltklasseform: Siege beim Broken Arrow 23K, Thyon-Dixence sowie Rang zwei beim Québec Mega Trail unterstreichen seine außergewöhnliche Konstanz. Auf dem schnellen Profil von Sierre-Zinal zählt er erneut zum Mann, den es zu schlagen gilt.
Die größte Konkurrenz dürfte erneut aus den eigenen Reihen kommen. Patrick Kipngeno (Run2Gether On Trail) stand in den vergangenen drei Austragungen jedes Mal auf dem Podium und gilt als einer der stärksten Bergaufläufer der Welt. Nach einer verletzungsbedingten Pause kehrte er mit Siegen und Podestplätzen eindrucksvoll zurück und belegte zuletzt Rang drei beim Pitz Alpine Glacier Trail. Gemeinsam mit Michael Selelo Saoli, dem Vorjahresdritten und aktuellen Zweiten des Pitz Alpine Glacier Trail, könnte Run2Gether On Trail erneut das Rennen prägen – im vergangenen Jahr belegte das Team sogar die kompletten Podestplätze.
Besonders spannend wird das Duell mit Elhousine Elazzaoui (NNormal). Der Marokkaner führt die Golden Trail World Series an und gewann 2026 bereits Zegama-Aizkorri, Ledro Sky Trentino und den Salomon Pitz Alpine Glacier Trail. Anders als auf vielen anderen GTWS-Strecken konnte er seine enorme Endgeschwindigkeit in Sierre-Zinal bislang jedoch noch nicht in einen Sieg ummünzen. Nach Rang neun im Vorjahr möchte er diese Bilanz nun korrigieren.
Auch dahinter ist das Feld außergewöhnlich stark besetzt. Daniel Pattis reist nach Platz zwei bei Zegama und Silber bei den Off-Road-Europameisterschaften an. Petter Engdahl überzeugte zuletzt mit zweiten Plätzen bei Transvulcania und den Off-Road-Europameisterschaften sowie einem Sieg beim Monte Rosa Walserwaeg Marathon. Adrien Briffod, Olympiateilnehmer im Triathlon, führte das Rennen im Vorjahr lange an und wurde am Ende Vierter. Mit Andreu Blanes, Sieger von 2022, Dominik Rolli, Roberto Delorenzi, Samwel Kiprotich, Richard Omaya Atuya und Paul Machoka stehen zahlreiche weitere Athleten bereit, die jederzeit in den Kampf um die Top Ten oder sogar das Podium eingreifen können.
Caroline Kimutai möchte ihren Titel verteidigen
Das Frauenrennen verspricht eines der hochklassigsten Starterfelder der vergangenen Jahre. Angeführt wird es von Caroline Kimutai (Salomon), die nach der Disqualifikation von Joyline Chepngeno offiziell als Siegerin des Vorjahres geführt wird. Die Kenianerin feierte 2026 bereits Erfolge bei Ledro Sky Trentino, musste beim Québec Mega Trail nach einem offensiven Beginn allerdings mit Rang drei vorliebnehmen. Um ihren Titel zu verteidigen, dürfte sie erneut versuchen, bereits am langen Auftaktanstieg entscheidenden Vorsprung herauszulaufen, bevor die technisch starken Downhill-Spezialistinnen auf den letzten Kilometern angreifen.
Als wohl stärkste Herausforderin reist Mădălina Florea (Scott) ins Wallis. Die Rumänin befindet sich in überragender Form und gewann in dieser Saison bereits den Broken Arrow 23K, den Québec Mega Trail sowie zuletzt den Salomon Pitz Alpine Glacier Trail. Besonders beeindruckend: Florea kann Rennen mittlerweile auf unterschiedliche Weise gewinnen – sowohl mit einer frühen Offensive am Berg als auch mit einem furiosen Downhill. Nach Platz drei (2024) und Rang zwölf (2025) möchte sie nun erstmals den Mythos Sierre-Zinal für sich entscheiden.
Mit Maude Mathys steht zudem die erfolgreichste Athletin der jüngeren Rennhistorie an der Startlinie. Die Schweizerin gewann Sierre-Zinal zwischen 2019 und 2022 viermal in Folge und hält seit 2019 mit 2:49:20 Stunden den Streckenrekord. Nach ihrem Sieg beim Trail Verbier St. Bernard Marathon gehört sie trotz starker Konkurrenz erneut zum engsten Favoritinnenkreis. Heimvorteil genießt auch Judith Wyder, Europameisterin über die Trail-Distanz, die auf ihrer Heimstrecke bereits Zweite wurde und den schnellen Kurs bestens kennt.
Zum Kreis der Podiumsanwärterinnen zählen außerdem Ruth Gitonga, die zuletzt beim Pitz Alpine Glacier Trail Zweite wurde und zuvor unter anderem den Transvulcania Half Marathon gewann, Joyce Njeru, die sowohl im Mountain Running World Cup als auch in der GTWS regelmäßig auf dem Podium steht, sowie Sara Alonso, die nach ihrem dritten Platz bei Zegama und Siegen in der Skyrunner World Series ebenfalls für eine Überraschung sorgen könnte. Mit Miao Yao, Oria Liaci, Anna Gibson, Nienke Brinkman und der deutschen Laura Hottenrott finden sich weitere Athletinnen auf der Startliste, die jederzeit in die Top Ten oder sogar auf das Podium laufen können.
DACH-Starter hoffen auf Spitzenplatzierungen
Aus deutschsprachiger Sicht richtet sich der Blick vor allem auf mehrere Athletinnen und Athleten, die sowohl im Kampf um die Top Ten als auch um das Podium ein Wörtchen mitreden könnten.
Bei den Frauen zählt Laura Hottenrott zu den stärksten deutschen Hoffnungen. Die Marathon-Olympiateilnehmerin von Paris 2024 überzeugte zuletzt mit Rang zwei bei den Uphill-Wettbewerben der Off-Road-Europameisterschaften und belegte im vergangenen Jahr bei Sierre-Zinal bereits den starken fünften Platz. Das schnelle Profil dürfte der vielseitigen Läuferin erneut entgegenkommen. Ebenfalls aus deutscher Sicht interessant ist Hanna Gröber, die sich mit dem Europameistertitel im Up & Down sowie starken Ergebnissen im Mountain Running World Cup eindrucksvoll in Szene gesetzt hat. Nach Platz elf beim Pitz Alpine Glacier Trail reist sie mit viel Selbstvertrauen in die Schweiz.
Die Gastgeber setzen vor allem auf ihre erfahrenen Asse. Rekordsiegerin Maude Mathys kehrt als vierfache Siegerin und Streckenrekordhalterin an den Ort ihrer größten Erfolge zurück. Nach ihrem Marathonsieg beim Trail Verbier St. Bernard zählt die Schweizerin erneut zum engsten Favoritinnenkreis. Ebenfalls hoch einzuschätzen sind Judith Wyder, Europameisterin über die Trail-Distanz, sowie Oria Liaci, die im Vorjahr als Vierte nur knapp die Drei-Stunden-Marke verpasste.
Im Männerfeld ruhen die Schweizer Hoffnungen vor allem auf Adrien Briffod. Der ehemalige Olympiateilnehmer im Triathlon führte das Rennen im Vorjahr lange an und wurde am Ende Vierter. Mit Dominik Rolli, Silbermedaillengewinner bei den Off-Road-Europameisterschaften im Up & Down, sowie Roberto Delorenzi stehen weitere starke Schweizer auf der Startliste. Aus Österreich ist dagegen kein Athlet im erweiterten Favoritenkreis vertreten.
Trotz der starken Konkurrenz aus Kenia, Marokko und Spanien dürfen sich die Fans aus dem DACH-Raum somit berechtigte Hoffnungen auf mehrere Top-Ten-Platzierungen machen. Besonders bei den Frauen scheint sogar ein Platz auf dem Podium durchaus im Bereich des Möglichen zu liegen.
Schneller als viele Marathonläufe
Obwohl Sierre-Zinal mehr als 2.200 Höhenmeter umfasst, gilt das Rennen als das schnellste der Golden Trail World Series. Bereits die ersten elf Kilometer verlangen den Athletinnen und Athleten mit über 1.400 Höhenmetern alles ab. Anschließend folgen lange, flüssig laufbare Höhenwege, bevor der schnelle Downhill nach Zinal häufig für spektakuläre Positionswechsel sorgt. Nicht selten fällt die Entscheidung erst auf den letzten hundert Metern. Dass der Kurs seit 1974 praktisch unverändert geblieben ist, macht Leistungsvergleiche über Generationen hinweg möglich und trägt wesentlich zum Mythos des Rennens bei.
Wichtige Punkte für die Gesamtwertung
Sierre-Zinal markiert zugleich einen entscheidenden Zeitpunkt im Kampf um die Gesamtwertung der Golden Trail World Series. Nach dem Schweizer Klassiker verlässt die Serie Europa und reist zum abschließenden Asien-Block mit Rennen in China und Japan. Entsprechend hoch ist die Bedeutung des fünften Saisonstopps. Ein Sieg oder Podestplatz kann die Ausgangslage vor dem Saisonfinale entscheidend verbessern – entsprechend offensiv dürften viele Athletinnen und Athleten das Rennen angehen.
Live im Fernsehen und Streaming
Das Rennen wird am 8. August live über die Plattformen von Warner Bros. Discovery sowie über Eurosport, HBO Max, TNT Sports und weitere internationale TV-Partner übertragen. Alles spricht damit für ein weiteres Kapitel in der langen Geschichte eines Rennens, das für viele Athletinnen und Athleten nach wie vor den größten Prestigegewinn im Trailrunning darstellt.