Clara Carste mit drei FKT Versuchen auf Nordkette, Watzmann und Jubiläumsgrat - xc-run.de Trailrunning

Clara Carste mit drei FKT Versuchen auf Nordkette, Watzmann und Jubiläumsgrat

Drei große Grate der Ostalpen, drei schnelle Versuche und zwei neue Bestzeiten: Clara Carste hat sich für den Sommer 2026 ein besonderes Projekt vorgenommen. Die in Innsbruck lebende Trail- und Bergläuferin wollte auf der Nordketten-Traverse, dem Jubiläumsgrat und der Watzmann-Überschreitung ihre Grenzen ausloten. Die Bilanz kann sich sehen lassen: Auf der Nordkette benötigte Carste 10:11:23 Stunden und setzte damit die erste dokumentierte Frauen-FKT. Am Jubiläumsgrat verbesserte sie die Frauen-Bestzeit kurzzeitig um 34 Minuten auf 7:16:13 Stunden. Lediglich am Watzmann gelang der Angriff auf den bestehenden Rekord nicht.

Nordketten-Traverse: 22 Gipfel in 10:11 Stunden

Den Auftakt machte am 8. Juli die Nordketten-Traverse direkt vor ihrer Haustür in Innsbruck. Die Route führt über mehr als 35 Kilometer und rund 4.100 Höhenmeter von der Brandjochspitze bis zum Hochmannkopf und verbindet dabei 22 Gipfel.

„Die Nordkette ist mein Hausberg. Von der Stadt habe ich diese Skyline ständig vor Augen und gedacht: Irgendwann laufe ich darüber“,

beschreibt Carste die Motivation hinter ihrem Projekt. Nach 10:11:23 Stunden war die Traverse geschafft. Damit erzielte sie die erste dokumentierte Frauen-FKT auf dieser Route und zugleich die drittschnellste dokumentierte Zeit insgesamt. Die Nordketten-Traverse ist dabei weit mehr als ein klassischer Trailrun. Die Strecke führt unter anderem über den Innsbrucker Klettersteig mit Schwierigkeiten bis C. Hinzu kommen ausgesetzte und teilweise brüchige Passagen.

Nordketten-Traverse: 35 km | 4.100 hm | 10:11:23 h | erste dokumentierte Frauen-FKT

Jubiläumsgrat: Carstes FKT hält nur knapp zwei Monate

Gut einen Monat nach ihrem Nordketten-Rekord folgte für Clara Carste am 14. August der nächste alpine Klassiker. Sie startete in Hammersbach, lief durch das Höllental auf die 2.962 Meter hohe Zugspitze und anschließend über den rund fünf Kilometer langen Jubiläumsgrat zur Alpspitze. Von dort ging es zurück ins Tal. Der Jubiläumsgrat zählt zu den bekanntesten Gratüberschreitungen der Ostalpen und beinhaltet zahlreiche ausgesetzte Passagen sowie Kletterstellen bis zum III. Schwierigkeitsgrad.

Nach 26 Kilometern und rund 2.800 Höhenmetern erreichte Carste nach 7:16:13 Stunden wieder den Ausgangspunkt. Damit verbesserte sie die damalige Frauen-Bestzeit von Anna Birzle um 34 Minuten.

Lange Bestand hatte der Rekord allerdings nicht: Am 7. Oktober 2026 stellte Johanna Ehrenklau auf derselben Route eine neue Frauen-FKT auf. Für Hammersbach – Zugspitze – Alpspitze – Hammersbach benötigte sie nach aktuellen Angaben 6:09 Stunden und unterbot Carstes erst im August aufgestellte Bestmarke damit um mehr als eine Stunde.

Damit setzt sich ein bemerkenswertes FKT-Duell der beiden deutschen Trailrunnerinnen fort: Bereits 2025 hatte Ehrenklau Carstes damalige Bestzeit bei der Watzmann-Überschreitung unterboten.

Für Carste blieb ihr Jubiläumsgrat-Projekt dennoch ein besonderes Erlebnis:

„Der schönste Moment war der Sonnenaufgang auf dem Weg zur Zugspitze. Kurz darauf bin ich mit meinem Freund, der mich begleitet hat, am Gipfel angekommen.“

Jubiläumsgrat: Clara Carste – 26 km | 2.800 hm | 7:16:13 h | Frauen-FKT am 14.08.2026
Aktueller Frauen-FKT: Johanna Ehrenklau – 6:09 h | 07.10.2026

Watzmann: Rekordversuch bleibt erfolglos

Den Abschluss des Projekts bildete am 23. September die Watzmann-Überschreitung. Bereits 2024 hatte Carste hier mit einer Zeit von 4:13 Stunden auf sich aufmerksam gemacht. Die rund 22 Kilometer lange Route mit etwa 2.260 Höhenmetern führt über alpines und ausgesetztes Gelände mit Kletterpassagen. Der bestehende Frauen-FKT von Johanna Ehrenklau liegt bei 3:52 Stunden. Bei ihrem erneuten Versuch kam Carste nach 4:18 Stunden ins Ziel und blieb damit über der Bestmarke.

„Dass der Watzmann noch nicht geklappt hat, war für mich nicht ernüchternd. Die Saison war lang, und an dem Tag hat mir einfach die letzte Energie gefehlt“,

bilanziert die 26-Jährige.

Watzmann-Überschreitung: 22,4 km | 2.260 hm | 4:18 h | kein neuer FKT

Alpine Erfahrung als entscheidender Faktor

Gerade die Kombination aus hohem Lauftempo, ausgesetztem Gelände und Kletterpassagen macht die drei Routen zu besonderen Herausforderungen. Carste ist seit ihrer Kindheit in den Bergen unterwegs und verfügt über entsprechende alpine Erfahrung. Alle drei Versuche waren gezielt vorbereitet. Jede Route hatte sie mindestens einmal vor dem jeweiligen FKT-Versuch absolviert, um Gelände, Verhältnisse und Schlüsselstellen kennenzulernen. Zudem spielte das Thema Sicherheit eine wichtige Rolle. Während sie große Teile der Nordketten-Traverse allein bewältigte, war sie am Jubiläumsgrat gemeinsam mit ihrem Freund unterwegs.

„Schöne Momente werden noch schöner, wenn man sie teilt“,

lautet eine der Erkenntnisse aus ihrem Sommerprojekt.

Zwei Rekorde und ein offenes Ziel

Mit den beiden Bestzeiten auf der Nordketten-Traverse und am Jubiläumsgrat hat Clara Carste ihre Stärke auf technisch anspruchsvollen alpinen Routen eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Der Watzmann bleibt dagegen vorerst ein offenes Projekt. Und vielleicht liegt gerade darin der Reiz ihres FKT-Sommers: Nicht jeder Versuch endet mit einem Rekord. Zwei neue Frauen-Bestzeiten auf zwei der spektakulärsten Gratüberschreitungen der Ostalpen sind dennoch eine bemerkenswerte Bilanz.

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