Stockdunkel. Sterne über dem Bayerischen Wald, Stirnlampen zwischen den Bäumen und ein hell erleuchtetes Hohenzollern Skistadion mitten in der Nacht. Wenn am Samstag der ARBERLAND Ultra Trail startet, stehen die Läufer im Mittelpunkt. Doch diesmal richten wir den Blick auf diejenigen, die schon lange vor dem ersten Startschuss da sind – und noch arbeiten, wenn die letzten Teilnehmer längst im Ziel feiern.
Es ist drei Uhr morgens. Der Atem bildet kleine Wolken in der kühlen Nachtluft, durch den Wald schimmern erste Lampen. Stimmen dringen aus der Dunkelheit. Und mittendrin liegt das Hohenzollern Skistadion am Arbersee. Taghell erleuchtet wirkt es in der Finsternis beinahe wie ein Raumschiff.
Noch ist es ruhig. Nur eine Handvoll Menschen ist auf den Beinen. Sie tragen Kisten, kontrollieren Listen, bereiten die Startnummernausgabe vor und kümmern sich um die unzähligen Kleinigkeiten, die wenige Stunden später niemand mehr bemerken soll. Genau das ist schließlich das Ziel.
Dann kommen die Läufer.
Der ARBERLAND Ultra Trail erwacht.
Zehn Menschen und ein ziemlich großer Ultra Trail
Seit 2016 organisieren die Woidläufer den ARBERLAND Ultra Trail. Der kleine Verein wurde ein Jahr zuvor eigens für das Event gegründet. Inzwischen stehen fünf Strecken zwischen 20 und 102 Kilometern auf dem Programm. Was dahintersteht, ist bemerkenswert: Das eigentliche Organisationsteam besteht aktuell aus gerade einmal zehn Personen. Natürlich unterstützt von zahlreichen freiwilligen Helfern, ohne die eine Veranstaltung dieser Größenordnung nicht funktionieren könnte.
Doch wer sind die Menschen, die einen Ultra Trail organisieren, während andere ihn laufen?
Monika ist so etwas wie die Seele des Teams. Sie ist von Beginn an dabei, hat Höhen und Tiefen erlebt und sorgt dafür, dass aus unzähligen einzelnen Puzzleteilen am Ende ein großes Ganzes entsteht. Am Renntag findet man sie gemeinsam mit Tatjana bei der Startnummernausgabe.
Tom kümmert sich um Social Media, Website, Printmedien, Design und, wie das Team es nennt, den ganzen „Computerkram“. Unterstützt wird er von seiner Frau Katrin. Sie gestaltet Flyer, schreibt Texte und das Racebriefing – und ist am Wettkampftag das offene Ohr für Läufer und Betreuer.
Wie weit diese Hilfsbereitschaft gehen kann? Ein während des Rennens gebrochener Stock wurde schon einmal kurzerhand mit einem Löffelstiel geschient und zurück ins Rennen geschickt. Improvisation gehört beim Ultra offenbar nicht nur für die Läufer dazu.
Von Streckenmarkierern, Burgermeistern und mobilen Feuerwehren
Korbinian ist neu im Team. Ursprünglich als Sponsor dabei, sei er irgendwann einfach „mit reingerutscht“. Heute bezeichnet er seine Aufgabe am Wettkampftag als „mobile Feuerwehr“: Er ist dort, wo es gerade brennt. Ähnliches gilt für Tatjana – helfen, wo Hilfe gebraucht wird.
Robert und Johannes haben dagegen eine Aufgabe, deren Qualität man als Läufer am besten daran erkennt, dass man sie kaum bemerkt: die Streckenmarkierung. Teams koordinieren, markieren, kontrollieren und anschließend wieder abmarkieren. Fünf Strecken müssen schließlich zuverlässig durch den Bayerischen Wald führen.
Stefan kümmert sich um die Verpflegung. Er plant im Vorfeld, was die Läufer an den Stationen bekommen, und organisiert die Helfer für die teilweise langen Einsätze.
Und spätestens im Ziel wird Marcel wichtig. Einer von Monikas Söhnen kümmert sich mit seinem Team um Burger – natürlich auch vegetarisch und vegan – für Sportler, Zuschauer, Betreuer und Helfer.
Sein Bruder Jonas wiederum ist der „Chef im Stadion“. Sein Anspruch klingt simpel und ist vermutlich ziemlich schwierig umzusetzen: Alle sollen mit einem Lächeln weggehen – und mit einem Glücksgefühl wiederkommen.
„Der Arberland Ultra Trail ist längst mehr als nur eine Veranstaltung“
Warum investiert man so viel Freizeit und Energie in ein einziges Wochenende?
Für Monika ist die Antwort eng mit der Heimat verbunden:
„Ich möchte etwas in Bewegung bringen – ganz besonders in unserer ländlichen und eher ruhigen Region. Einmal im Jahr möchte ich sportbegeisterten Menschen und Trailrunnern unsere wunderschöne Landschaft zeigen und ihnen ein besonderes Erlebnis im Arberland schenken. Für mich ist der Arberland Ultra Trail längst mehr als nur eine Veranstaltung. Er ist ein Herzensprojekt und nimmt einen festen Platz in meinem Leben ein.“
Marcel sieht gerade im kleinen Team eine besondere Stärke:
„Ein kleines Orga Team kann Großes auf die Füße stellen – ehrenamtlich. Und es ist mir wirklich eine Ehre, dabei sein zu dürfen.“
Jonas kennt die andere Seite. Er kommt selbst aus dem Sport:
„Ich weiß, wie geil es sich anfühlt, bei einer richtig gut organisierten Veranstaltung an der Startlinie zu stehen. Genau dieses Gefühl möchte ich mit unserer Arbeit weitergeben.“
Tatjana fasst es noch einfacher zusammen:
„Ich finde es einfach toll, dass so ein kleiner Verein wie wir ein so großes Event auf die Beine stellen kann.“
Heimat, Trails und Bayerischer Wald
Immer wieder fällt in den Gesprächen ein Begriff: Heimat.
„Ich bin dabei, weil der Arberland Ultra Trail für mich Heimat und Begeisterung in einem ist“, sagt Korbinian. „Der Lauf ist ein Aushängeschild für Trailrunning im Bayerischen Wald. Und das will ich unbedingt erhalten und fördern!“
Ähnlich beschreibt es Katrin. Sie möchte den Teilnehmern ermöglichen, „unsere wunderschöne Heimat kennenzulernen und beim Laufen über die Trails in eine andere Welt einzutauchen“.
Auch für Tom ist der AUT längst mehr als ein Rennen:
„Der Arberland Ultra Trail ist für mich eine Herzensangelegenheit. Was einmal klein begonnen hat, ist mittlerweile richtig groß geworden. Und genau dadurch können wir zeigen, dass der Bayerische Wald eine traumhafte Trailregion ist.“
Robert wiederum hat die Begeisterung der Teilnehmer und der anderen Organisatoren angesteckt. Er möchte dazu beitragen, „dass der AUT auch die nächsten Jahre weiterhin eine gern besuchte Veranstaltung ist“.
Der größte Lohn wartet im Ziel
Wer ein solches Event ehrenamtlich organisiert, zählt am Ende keine Kilometer und Höhenmeter. Der Lohn sieht anders aus.
„Ich freue mich auf die happy Faces der Läufer! Das ist für uns der größte Lohn“, sagt Robert.
Katrin beschreibt genau diesen Moment: „Die strahlenden Gesichter im Stadion sind wirklich immer Balsam für die Seele und der größte Lohn für all die ehrenamtliche Arbeit. Wenn die Läufer die Ziellinie überquert haben, über sich selbst hinausgewachsen sind und uns das Gefühl geben, ihnen einen tollen Tag bereitet zu haben.“
Auch Monika wartet auf diesen Augenblick:
„Ich freue mich auf die unglaubliche, außergewöhnliche Stimmung im Stadion. Wenn am Ende alles zusammenpasst, die Läufer glücklich ins Ziel kommen und man spürt, dass diese Veranstaltung Menschen bewegt – dann weiß ich, warum ich das alles mache.“
Stefan freut sich gleich auf fünf gemeinsame Tage „mit dem besten Team der Welt“, denn aus dem Organisationsteam sind längst Freunde geworden.
Samstag, fünf Uhr morgens
Für Jonas gibt es allerdings einen Moment, der noch vor all den Zieleinläufen kommt.
„Ich freue mich am meisten auf den Start am Samstag um fünf Uhr früh. Diesen zu begleiten, ist einfach ein Highlight. Die Stimmung aufsaugen und zu sehen, wie alle unsere Zahnräder ineinandergreifen – das ist einfach genial.“
Vielleicht beschreibt genau dieser Satz ziemlich gut, was den ARBERLAND Ultra Trail ausmacht.
Während die Läufer gespannt im Hohenzollern Skistadion stehen, ihre Stirnlampen einschalten und sich auf viele Stunden über die Trails des Bayerischen Waldes vorbereiten, hat das Rennen für die Menschen hinter den Kulissen längst begonnen.
Die Strecke ist markiert. Die Verpflegung steht bereit. Die Startnummern sind ausgegeben. Die Helfer sind auf ihren Positionen. Irgendwo wird wahrscheinlich schon der Grill vorbereitet.
Dann läuft der Countdown.
Und aus vielen kleinen Zahnrädern wird für einen Tag ein großes Ganzes.
Und dann kommt 2027 …
Einer denkt übrigens bereits einen Schritt weiter. Marcel weiß genau, worauf er sich besonders freut:
„Auf die 10. Austragung 2027! Das Jubiläumsjahr! Das wird ein noch größeres Highlight als sonst!“
Bis dahin steht aber erst einmal die aktuelle Ausgabe bevor.
Das Organisationsteam wünscht allen Läufern „einen großartigen, verletzungsfreien, wunderschönen, genussvollen ARBERLAND Ultra Trail“.
Dem können wir uns von xc-run.de nur anschließen.
Wir sehen uns am Samstag im Hohenzollern Skistadion am Arbersee.