Katharina Hartmuth schreibt beim TOR330 – Tor des Géants Geschichte: Die Deutsche gewinnt nach 2024 zum zweiten Mal die Frauenwertung, pulverisiert ihren eigenen Streckenrekord um zwölf Stunden – und läuft als erste Frau überhaupt auf das Gesamtpodium des legendären Rennens. Nach 330 Kilometern und rund 24.000 Höhenmetern erreicht Hartmuth Courmayeur in unglaublichen 67:10:09 Stunden als Dritte overall. Nur Jiaju Zhao und Jonathan Schindler sind schneller.
Katharina Hartmuth schreibt Geschichte
Es ist ein Ergebnis für die Geschichtsbücher des Tor des Géants. Katharina Hartmuth erreicht nach 67:10:09 Stunden als dritte Person das Ziel in Courmayeur. Nicht Dritte bei den Frauen, sondern Dritte overall. Damit gelingt der Deutschen etwas, was in der Geschichte des TOR330 noch keiner Frau gelungen war: Sie steht auf dem Gesamtpodium eines der härtesten und prestigeträchtigsten Ultratrails der Welt. Vor Hartmuth liegen lediglich der chinesische Sieger Jiaju Zhao und der Schweizer Jonathan Schindler. Und selbst auf Rang zwei fehlen der Deutschen am Ende gerade einmal 15:03 Minuten. Drei Tage lang hielt Hartmuth den Kontakt zu den beiden führenden Männern, blieb über weite Strecken nur wenige Dutzend Minuten hinter ihnen – und schlief während des gesamten Rennens laut Veranstalter insgesamt gerade einmal 15 Minuten.
Zwölf Stunden schneller als beim eigenen Rekord
Fast noch unglaublicher ist der Blick auf die Uhr. Hartmuth benötigt für die 330 Kilometer 67:10:09 Stunden. Bei ihrem ersten Sieg 2024 hatte sie mit 79:10:40 Stunden bereits einen neuen Frauenrekord aufgestellt. Zwei Jahre später unterbietet sie ihre eigene Bestmarke nun um exakt zwölf Stunden.
Ein Quantensprung auf einer Strecke, auf der Verbesserungen normalerweise in Minuten und nicht in halben Tagen gemessen werden. Dabei verlief auch dieses Rennen keineswegs problemlos. Vor allem am zweiten Tag machten Hartmuth schmerzende Füße und Blasen zu schaffen. Ihre Beine funktionierten jedoch weiterhin – und irgendwann begann auch sie zu realisieren, welche Zeit möglich war.
„Gestern habe ich gemerkt, dass ich unter 75 Stunden bleiben kann, dann unter 72, dann unter 70. Ich konnte es nicht glauben“,
berichtete Hartmuth nach dem Zieleinlauf.
Plötzlich mittendrin im Kampf mit Zhao und Schindler
Dass sie dabei nicht nur gegen die Uhr und die Frauenkonkurrenz lief, sondern plötzlich Teil des Kampfes um das Gesamtpodium wurde, entwickelte sich im Verlauf des Rennens. Hartmuth wusste zwar, dass Zhao und Schindler vor ihr lagen und der Abstand gering war. An einen möglichen Gesamtsieg habe sie jedoch nicht gedacht. Sie konzentrierte sich auf ihr eigenes Rennen. Gleichzeitig sorgten die Begegnungen mit Schindler an den Verpflegungsstationen für zusätzliche Motivation: „Natürlich hat es mich gefreut, Jonathan an den Verpflegungsstationen zu sehen: zu wissen, dass ich da bin und mitkämpfe.“
Wie nah Hartmuth tatsächlich an den Männern dran war, zeigte sich spätestens in Ollomont nach rund 300 Kilometern. Zhao passierte die Station um 18:01 Uhr, Schindler lag nur 22 Minuten dahinter – Hartmuth gerade einmal 34 Minuten hinter dem Führenden. Nach mehr als 300 Kilometern lagen die Top drei des gesamten TOR330 damit innerhalb von etwas mehr als einer halben Stunde.
Jiaju Zhao gewinnt in Rekordzeit
Ganz vorne krönt Jiaju Zhao ein außergewöhnliches Rennen. Der Chinese erreicht am Mittwochmorgen um 3:55 Uhr den Jardin de l’Ange in Courmayeur und gewinnt nach 65:55:22 Stunden.
Damit verbessert auch Zhao den Streckenrekord. Victor Richard hatte 2025 für den TOR330 66:08:22 Stunden benötigt. Zhao ist zudem der erste chinesische Athlet auf dem Podium des TOR330, der erste chinesische Sieger eines Rennens der TORX-Serie und der erste Nicht-Europäer, der den TOR330 gewinnt. Dabei hatte Zhao noch eine Rechnung offen. 2025 musste er sein Rennen in Gressoney beenden. Ein Jahr später kehrt er zurück – und gewinnt mit Streckenrekord.
Schindler nur eine Stunde hinter Zhao
Jonathan Schindler macht den Kampf um den Sieg über weite Strecken spannend. Der Schweizer verfolgt eine andere Schlafstrategie als Zhao und versucht, durch gezielte Ruhephasen länger frisch zu bleiben. Zeitweise schrumpft sein Rückstand auf Zhao bis auf 27 Minuten. Nach 300 Kilometern in Ollomont sind es sogar nur noch 22 Minuten.
In der dritten Nacht kann Zhao zwischen Bosses und Col Malatrà jedoch noch einmal zulegen und entscheidet das Rennen für sich. Schindler erreicht Courmayeur um 4:55 Uhr nach 66:55:06 Stunden. Es ist laut Veranstalter die fünftschnellste jemals beim TOR330 gelaufene Zeit. Nur 15 Minuten später folgt Katharina Hartmuth.
Die „Queen of TOR“ ist wieder Katharina Hartmuth
Zwei Siege innerhalb von drei Jahren. Ein neuer Frauenrekord. Zwölf Stunden schneller als 2024. Und als erste Frau überhaupt auf dem Gesamtpodium. Der Veranstalter bezeichnet Hartmuth nach ihrem Zieleinlauf als „Queen of TOR“. Angesichts dieser Zahlen fällt es schwer, eine passendere Beschreibung für ihre Leistung beim TOR330 2026 zu finden. Während Hartmuth längst im Ziel ist, läuft der Kampf um die weiteren Plätze auf dem Frauenpodium noch. Huiping Zhang, Claire Bannwarth und Manuela Vilaseca kämpfen um Rang zwei und drei.
Für die große Geschichte dieses TOR330 hat Katharina Hartmuth allerdings bereits gesorgt.
1. Jiaju Zhao – 65:55:22 h
2. Jonathan Schindler – 66:55:06 h
3. Katharina Hartmuth – 67:10:09 h / 1. Frau
Drei Athleten innerhalb von 75 Minuten nach 330 Kilometern. Und mittendrin eine deutsche Ultraläuferin, die die Geschichte des Tor des Géants neu geschrieben hat.