Der Mount Kinabalu International Climbathon gehört zu den traditionsreichsten und außergewöhnlichsten Rennen im internationalen Skyrunning-Kalender. Am Sonntag, den 18. Oktober 2026, fand die bereits 33. Auflage des Klassikers im malaysischen Bundesstaat Sabah statt. Als 17. Station der Merrell Skyrunner World Series lockte das Rennen erneut internationale Spitzenathleten an den höchsten Berg Malaysias.
Am Ende jubelten der Italiener Alex Oberbacher und die Spanierin June Villarroel über zwei eindrucksvolle Siege. Bemerkenswert: Beide lagen am höchsten Punkt der Strecke noch hinter der Konkurrenz und sicherten sich ihren Erfolg erst auf dem langen, anspruchsvollen Downhill.
24,5 Kilometer zwischen Regenwald und Hochgebirge
Das Streckenprofil des Mount Kinabalu Climbathon ist ebenso einfach wie brutal: Vom Kinabalu Park Headquarters auf 1.560 Metern Höhe führt die Route über 12,25 Kilometer hinauf zum 4.095 Meter hohen Low’s Peak. Dabei müssen mehr als 2.500 Höhenmeter im Aufstieg überwunden werden. Anschließend geht es auf derselben Strecke wieder zurück ins Tal.
Die Besonderheit liegt nicht nur in den enormen Höhenunterschieden, sondern auch in den wechselnden Bedingungen. Während die Athleten zunächst durch feuchtwarmen tropischen Regenwald laufen, erwarten sie im oberen Abschnitt exponierte Granitplatten, hochalpines Gelände und zunehmend dünnere Luft. Der Mount Kinabalu liegt in einem von der UNESCO anerkannten Global Geopark. Wer hier gewinnen will, braucht deshalb nicht nur herausragende Kletterqualitäten, sondern muss auch auf dem langen und technisch anspruchsvollen Abstieg überzeugen.
Oberbacher dreht das Rennen auf dem Downhill
Bei den Männern bestimmte zunächst Daniel Antonioli (ITA, Scarpa) das Geschehen. Der Italiener setzte sich bereits im unteren Streckenabschnitt an die Spitze und behauptete seine Führung bis zum höchsten Punkt des Rennens. Hinter ihm erreichten Alex Oberbacher (ITA, La Sportiva) und der Japaner Shoma Otagiri (Merrell) den Gipfel. Doch auf dem Rückweg änderte sich das Kräfteverhältnis entscheidend. Oberbacher nutzte seine Stärken im Downhill, machte den Rückstand auf seinen Landsmann wett und übernahm schließlich die Führung.
Nach 3:20:54 Stunden erreichte Oberbacher als Sieger das Ziel und feierte einen weiteren bedeutenden Erfolg auf internationaler Bühne. Antonioli musste sich nach 3:23:46 Stunden mit dem zweiten Platz begnügen. Rang drei sicherte sich Evgeny Markov (Salomon) in 3:29:11 Stunden. Damit trennten die beiden Italiener nach mehr als drei Stunden Renndauer gerade einmal 2:52 Minuten.
June Villarroel gelingt ebenfalls die Wende
Ein nahezu identisches Drehbuch spielte sich bei den Frauen ab. Svetlana Nurmukhametova setzte von Beginn an das Tempo und erreichte den Low’s Peak als Führende. Dahinter folgten die Spanierin June Villarroel (La Sportiva) und Vanja Cnops aus Belgien (T8). Doch auch hier fiel die Entscheidung erst auf dem Abstieg. Villarroel verkürzte kontinuierlich den Abstand zur Spitzenreiterin, zog schließlich vorbei und ließ sich den Sieg nicht mehr nehmen.
Mit einer Zeit von 4:09:14 Stunden gewann die Spanierin deutlich vor Nurmukhametova, die nach 4:18:45 Stunden das Ziel erreichte. Vanja Cnops komplettierte das Podium in 4:42:19 Stunden. Villarroel nahm ihrer Konkurrentin auf dem Weg ins Ziel somit noch 9:31 Minuten ab und unterstrich eindrucksvoll, wie entscheidend die Abfahrtsqualitäten beim Mount Kinabalu Climbathon sind.
Streckenrekorde aus dem Vorjahr bleiben bestehen
Trotz der starken Leistungen der beiden Sieger blieben die Streckenrekorde aus dem Jahr 2025 unangetastet. Bei den Männern hält weiterhin Gianluca Ghiano mit 3:05:41 Stunden die Bestmarke. Alex Oberbacher fehlten damit gut 15 Minuten auf den Rekord. Auch bei den Frauen blieb die Bestzeit von Anastasia Rubtsova bestehen. Ihre 3:46:13 Stunden aus dem Vorjahr waren für June Villarroel diesmal außer Reichweite. Die außergewöhnlichen Rekordmarken am Mount Kinabalu bleiben damit mindestens ein weiteres Jahr bestehen.
Ergebnisse Mount Kinabalu Climbathon 2026
Männer
| Platz | Athlet | Zeit |
|---|---|---|
| 1. | Alex Oberbacher (ITA) | 3:20:54 |
| 2. | Daniel Antonioli (ITA) | 3:23:46 |
| 3. | Evgeny Markov | 3:29:11 |
Frauen
| Platz | Athletin | Zeit |
|---|---|---|
| 1. | June Villarroel (ESP) | 4:09:14 |
| 2. | Svetlana Nurmukhametova | 4:18:45 |
| 3. | Vanja Cnops (BEL) | 4:42:19 |
Skyrunner World Series: Die Saison geht in die entscheidende Phase
Mit dem Mount Kinabalu Climbathon absolvierte die Merrell Skyrunner World Series ihre 17. Station der Saison 2026. Das traditionsreiche Rennen in Malaysia bewies einmal mehr, dass im Skyrunning nicht allein die Kletterleistung über Sieg und Niederlage entscheidet.
Gerade auf Strecken mit extremen Höhenunterschieden und technisch anspruchsvollen Abstiegen können selbst deutliche Rückstände noch aufgeholt werden. Oberbacher und Villarroel lieferten dafür am Mount Kinabalu die besten Beispiele.