Während Franco Collé beim TOR450 – Tor des Glaciers nach anfänglichen Problemen die Führung übernommen hat, richtet sich der Blick in Courmayeur bereits auf den TOR330 – Tor des Géants. Am Sonntag gehen 1.200 Läufer auf die legendäre Runde durch das Aostatal. Mit Katharina Hartmuth, Florian Grasel und Robert Oberhollenzer stehen auch einige bekannte Namen aus dem deutschsprachigen Raum im hochklassigen Elitefeld.
TOR330: Die Giganten stehen bereit
Noch ist völlig offen, wer in einigen Tagen als König und Königin des TOR330 – Tor des Géants im Jardin de l’Ange in Courmayeur einlaufen wird. Gut möglich aber, dass die späteren Sieger bereits am Samstagnachmittag auf der Bühne des Forum Sport Center standen. Dort wurden die Topathleten vor großem Publikum offiziell präsentiert.
Am Sonntag, 13. September, fällt schließlich der Startschuss. Aufgrund des riesigen Teilnehmerfeldes von rund 1.200 Läufern wird in zwei Wellen um 10:00 Uhr und 12:00 Uhr gestartet. Vor ihnen liegt eines der härtesten und prestigeträchtigsten Nonstop-Ultrarennen der Welt.
Das Elitefeld ist entsprechend stark besetzt. Bei den Frauen gehören unter anderem Sabrina Verjee, Claire Bannwarth, Lisa Borzani, Melissa Paganelli, Alessandra Boifava und Katharina Hartmuth zu den prominentesten Namen. Ebenfalls vorgestellt wurden Christine Tousch, Huiping Zhang, Marta Vigano, Cristina Vecco, Wenfei Xie und weitere internationale Topläuferinnen.
Gerade aus deutscher Sicht dürfte Katharina Hartmuth für Aufmerksamkeit sorgen. Die international erfolgreiche Ultraläuferin bringt enorme Erfahrung auf langen und technisch anspruchsvollen Strecken mit und gehört zu den spannendsten Athletinnen im Feld.
Hochklassiges Männerfeld beim Tor des Géants
Noch größer ist die Dichte bei den Männern. Mit Martin Perrier und Simone Corsini stehen gleich zwei Athleten am Start, die 2025 zeitgleich den zweiten Rang belegten. Hinzu kommen unter anderem Wataru Iino, Oliviero Bosatelli, Kim Collison, Cédric Chavet, Avery Collins, Michele Graglia, Sangé Sherpa, Galen Reynolds, Marcin Swierc, Christian Meier und Jiaju Zhao.
Auch aus dem deutschsprachigen Raum gibt es interessante Namen. Der Österreicher Florian Grasel bringt reichlich Erfahrung auf extrem langen Distanzen mit. Robert Oberhollenzer aus Südtirol komplettiert das starke DACH-Aufgebot bei den Männern.
Wer sich letztlich durchsetzen kann, dürfte sich erst nach mehreren Tagen zeigen. Beim Tor des Géants zählen nicht nur Geschwindigkeit und Ausdauer. Schlafmanagement, Ernährung, Wetter, technische Sicherheit und die Fähigkeit, Krisen zu überstehen, entscheiden über Sieg oder Aufgabe.
TOR450: Franco Collé schlägt zurück
Während beim TOR330 noch die letzten Stunden vor dem Start laufen, ist der TOR450 – Tor des Glaciers bereits voll im Gange. Und dort hat mittlerweile der große Favorit die Kontrolle übernommen: Franco Collé.
Für den viermaligen Sieger des Tor des Géants ist es die erste Teilnahme am längsten Rennen der TORX-Woche. Problemlos verlief sein Debüt zunächst allerdings nicht. Magen- und Augenprobleme bremsten den Italiener während der ersten Nacht. Am Rifugio Bezzi lag Peter Kienzl aus Südtirol noch vor Collé, Jean Claude Letellier befand sich ebenfalls in unmittelbarer Nähe.
Doch anschließend drehte Collé auf. Im Anstieg zum Col Bassac Deré schloss er zu Kienzl auf und setzte sich im anschließenden Downhill ab. Das Rifugio Benevolo bei Kilometer 99,6 erreichte Collé um 13:38 Uhr nach 17:38 Stunden Renndauer.
Sein Vorsprung auf Kienzl betrug zu diesem Zeitpunkt 13 Minuten. Der Südtiroler kämpfte zudem mit Problemen am rechten Knie. Dahinter folgte François Devaux mit bereits 55 Minuten Rückstand. Alessandro Roncato und Jean Claude Letellier lagen nur wenige Minuten dahinter.
Mit Elia Frittoli auf Rang sechs und dem Deutschen Volker Fohrmeister auf Position sieben befand sich ein weiterer deutschsprachiger Athlet weit vorne im Rennen.
Frühes Aus für Vorjahreszweiten Mullins
Schon die erste Nacht zeigte einmal mehr, wie gnadenlos der TOR450 sein kann. Brian Mullins, 2025 noch Zweiter, musste bereits am Rifugio Elisabetta nach lediglich 2:25 Stunden Renndauer aufgeben.
Zum Zeitpunkt des Rennupdates waren insgesamt neun Läufer ausgeschieden. 191 Athleten befanden sich noch im Rennen.
Dabei liegt der weitaus größte Teil der Strecke noch vor ihnen. Gerade beim Tor des Glaciers können sich Abstände und Kräfteverhältnisse über die kommenden Tage mehrfach komplett verändern.
Amy Sproston setzt sich bei den Frauen ab
Bei den Frauen hat Amy Sproston früh ihre eigene Strategie gewählt. Die US-Amerikanerin lief bereits auf den ersten Kilometern alleine an der Spitze und führte sowohl am Rifugio Elisabetta als auch in Planaval.
Das Rifugio Bezzi bei Kilometer 89,3 erreichte sie um 14:36 Uhr nach 18:36 Stunden. Während Céline Rouquié am Rifugio Deffeyes zwischenzeitlich nur zwei Minuten zurückgelegen hatte, konnte Sproston ihren Vorsprung anschließend deutlich ausbauen.
Kaitlin Allen erreichte Bezzi um 15:48 Uhr und lag damit bereits 1:12 Stunden zurück. Nur eine Minute später folgte Rouquié. Beide gingen praktisch gemeinsam in den Anstieg zum Col Bassac Deré.
Dahinter blieb die Verfolgergruppe zunächst eng zusammen. Buqin Xu, Ievgeniia Trygub und Annie Hughes passierten Planaval innerhalb weniger Minuten. Sarah Hansel, Siegerin des TOR450 im Jahr 2024, komplettierte zu diesem Zeitpunkt die Spitzengruppe.
Zwei Rennen, zwei völlig unterschiedliche Ausgangslagen
Damit könnte die Nacht beim TORX kaum spannender werden. Beim TOR450 sind die ersten Positionskämpfe längst eröffnet, doch angesichts der extremen Distanz haben selbst größere Vorsprünge noch wenig Aussagekraft. Franco Collé hat nach seinen frühen Problemen erstmals gezeigt, warum er als großer Favorit ins Rennen gegangen ist. Amy Sproston setzt derweil bei den Frauen ein erstes deutliches Zeichen.
Nur wenige Stunden später beginnt mit dem TOR330 – Tor des Géants das Herzstück der Veranstaltung. 1.200 Läufer machen sich von Courmayeur aus auf die Reise durch das Aostatal. Wer einige Tage später wieder in Courmayeur ankommt – und wer dabei ganz vorne liegt –, ist beim TORX traditionell kaum vorherzusagen.