Trailrunning als Luxus-Hobby? Was ein Wochenende beim ZUT wirklich kostet – und welche Alternativen es gibt - xc-run.de Trailrunning

Trailrunning als Luxus-Hobby? Was ein Wochenende beim ZUT wirklich kostet – und welche Alternativen es gibt

386 Euro für den ZUT100, 326 Euro für den Ultratrail und selbst 120 Euro für gerade einmal 16 Kilometer: Die Startgebühren des Zugspitz Ultratrails 2027 sorgen für Diskussionen. Doch das Startgeld ist nur ein Teil der Rechnung. Wer Anreise, Unterkunft und Verpflegung dazurechnet, landet für ein einziges Rennwochenende schnell bei 700, 800 oder sogar 1.000 Euro. Wir stellen deshalb eine andere Frage: Wie viel Trailrunning bekommt man eigentlich für sein Geld – und wäre eine Saison mit mehreren kleineren Veranstaltungen vielleicht die reizvollere Alternative?

386 Euro – und dann hat das Wochenende noch gar nicht begonnen

Die Kollegen von Trailrunning24.de haben die Startgebühren des Zugspitz Ultratrails 2027 genauer unter die Lupe genommen und mit den Vorjahren sowie anderen großen Rennen im Alpenraum verglichen. Das Ergebnis sorgt in der Trailrunning-Community für reichlich Diskussionen.

Die nackten Zahlen haben es tatsächlich in sich: Der ZUT100 kostet 2027 386 Euro, für den Ultratrail werden 326 Euro fällig. Es folgen Ehrwald Trail mit 300 Euro, Leutasch Trail mit 220 Euro, Mittenwald Trail mit 166 Euro und Garmisch-Partenkirchen Trail mit 146 Euro. Selbst für den nur 16 Kilometer langen Grainau Trail stehen 120 Euro auf der Rechnung.

Über die Frage, ob 386 Euro für einen 100-Meilen-Lauf angemessen sind, lässt sich vortrefflich diskutieren. Wir wollen die Sache allerdings aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Denn mit der Überweisung des Startgeldes ist das Trailrunning-Wochenende noch lange nicht bezahlt.

Was kostet ein ZUT-Wochenende wirklich?

Nehmen wir einen Teilnehmer aus Süddeutschland, der beim ZUT100 startet. Zum Startgeld von 386 Euro kommen Anreise, zwei oder drei Übernachtungen, Essen und weitere Nebenkosten hinzu.

Natürlich lässt sich dafür keine allgemeingültige Summe nennen. Wer mit mehreren Freunden eine Ferienwohnung teilt und nur eine kurze Anreise hat, kommt wesentlich günstiger weg als jemand, der ein Hotelzimmer benötigt und mehrere hundert Kilometer fährt.

Eine realistische Beispielrechnung könnte dennoch so aussehen:

Kostenpunkt Beispiel
Startplatz ZUT100 386 €
Unterkunft für 2–3 Nächte 200–350 €
Anreise 80–150 €
Verpflegung vor und nach dem Rennen 60–100 €
Parken, Transfers und sonstige Ausgaben 30–50 €
Gesamtkosten ca. 750–1.000 €

Noch nicht berücksichtigt sind dabei Laufschuhe, Pflichtausrüstung, Sporternährung oder andere Dinge, die speziell für das Rennen angeschafft werden. Ebenso wenig eine Familie, die vielleicht mit nach Garmisch-Partenkirchen kommt. Damit reden wir nicht mehr nur darüber, ob 386 Euro Startgeld teuer sind. Wir reden über ein Trailrunning-Wochenende, für das schnell ein vierstelliger Betrag fällig werden kann.

Dafür bekommt man allerdings auch eine große Bühne

Bei aller Kritik an den Preisen gehört zur Wahrheit auch die andere Seite. Der Zugspitz Ultratrail ist kein kleiner Landschaftslauf mit Start und Ziel am örtlichen Sportplatz. Tausende Athleten, zahlreiche Aussteller und Besucher sowie verschiedene Distanzen machen Garmisch-Partenkirchen für einige Tage zu einem der Zentren der europäischen Trailrunning-Szene.

Ein Event dieser Größenordnung benötigt entsprechende Infrastruktur. Strecke, Verpflegung, medizinische Versorgung, Sicherheit, Zeitnahme, Logistik, Helfer, Shuttle-Systeme und Veranstaltungsflächen organisieren sich nicht von selbst. Dazu kommt etwas, das sich kaum in Euro messen lässt: Für viele Teilnehmer ist der ZUT das große Saisonziel. Monatelanges Training, die Atmosphäre rund um die Zugspitze, tausende Gleichgesinnte und schließlich der Zieleinlauf machen aus einem Rennen ein Erlebnis.

Wer genau das sucht und bereit ist, dafür einen großen Teil seines Trailrunning-Budgets einzusetzen, bekommt beim ZUT zweifellos eine große Bühne geboten. Die entscheidende Frage lautet deshalb vielleicht gar nicht:

Ist der ZUT zu teuer? Sondern vielmehr: Ist mir dieses Erlebnis diesen Preis wert?

Premiumpreis bezahlt – Premiumdistanz nicht garantiert

Zur Wahrheit über hochpreisige Trailrunning-Events gehört allerdings noch ein weiterer Punkt: Mit dem Startgeld kauft man einen Startplatz – keine Garantie auf die ausgeschriebene Strecke.

Das bekamen die Teilnehmer des ZUT100 bei der vergangenen Austragung ziemlich eindrucksvoll vor Augen geführt. Aufgrund der Wetterbedingungen musste die Strecke deutlich verkürzt werden. Aus dem geplanten 100-Meiler wurde damit notgedrungen ein erheblich kürzeres Rennen. Dass ein Veranstalter bei problematischen Bedingungen reagiert, steht dabei ausdrücklich nicht zur Diskussion. Im Gebirge muss Sicherheit immer Vorrang haben. Wer einen Ultra in den Alpen meldet, muss damit leben können, dass Strecken verändert, gekürzt oder im Extremfall Rennen abgebrochen werden. Finanziell funktioniert diese Flexibilität allerdings nur in eine Richtung.

Die Strecke wird kürzer – das Startgeld nicht.

Die Teilnehmer hatten schließlich den vollen Preis für den 100-Meiler bezahlt. Eine anteilige Rückerstattung gibt es bei wetterbedingten Streckenänderungen üblicherweise nicht. Aus Veranstaltersicht ist das nachvollziehbar: Ein Großteil der Kosten für Personal, Infrastruktur, Genehmigungen, Logistik und Vorbereitung ist zu diesem Zeitpunkt längst entstanden. Aus Läufersicht bekommt die Diskussion bei Startgebühren von inzwischen 386 Euro trotzdem eine zusätzliche Dimension. Denn je höher der Preis eines Startplatzes steigt, desto höher steigen zwangsläufig auch die Erwartungen. Nur bleibt Trailrunning ein Outdoor-Sport, bei dem niemand garantieren kann, dass am Ende tatsächlich jene 100 Meilen gelaufen werden, die ursprünglich ausgeschrieben waren.

Oder etwas zugespitzter formuliert:

Das Wetterrisiko trägt der Läufer. Das finanzielle Risiko ebenfalls.

Das sollte man bei der persönlichen Rechnung für ein 800- oder 1.000-Euro-Rennwochenende zumindest im Hinterkopf behalten. Denn auch für 386 Euro gibt es am Berg keine Schönwettergarantie – und erst recht keine Kilometer-Garantie.

Ein Wochenende – oder mehrere Saisonhöhepunkte?

Genau an diesem Punkt wird die Rechnung interessant. Nehmen wir als Gedankenexperiment 800 bis 1.000 Euro Trailrunning-Budget.

Die erste Möglichkeit: Wir investieren einen großen Teil dieses Budgets in einen einzigen Saisonhöhepunkt. ZUT100, Unterkunft, Fahrt, Essen und Nebenkosten – und der Betrag ist weitgehend aufgebraucht. Die zweite Möglichkeit: Wir verteilen dasselbe Budget auf mehrere Veranstaltungen:

U.TLW, Sauwald Trail, Tschirgant Sky Run: Es muss nicht immer die ganz große Bühne sein

Gerade diese drei Veranstaltungen zeigen, wie unterschiedlich Trailrunning aussehen kann.

Der U.TLW steht für anspruchsvolles Trailrunning und ein Event, bei dem das sportliche Erlebnis und die gemeinsame Leidenschaft für die Trails im Mittelpunkt stehen.

Der Sauwald Trail in Schardenberg ist ein Beispiel dafür, welchen besonderen Charme kleinere Veranstaltungen entwickeln können. Über verschiedene Distanzen führen die Strecken durch die hügelige Landschaft des Innviertels. Gerade die familiäre Atmosphäre gehört dort zum Charakter der Veranstaltung.

Beim Tschirgant Sky Run rund um Imst wird es deutlich alpiner. Technische Trails, steile Anstiege und die beeindruckende Bergkulisse liefern dabei genau jene Zutaten, wegen der viele von uns überhaupt zum Trailrunning gekommen sind.

Und dann lohnt sich doch ein kurzer Blick auf die Preise: Beim U.TLW oder beim Tschirgant Sky Run kostet die längste Distanz mit jeweils mehr als 50 Kilometern rund 85 Euro. Beim ZUT werden 2027 bereits für die 16 Kilometer des Grainau Trails 120 Euro fällig. Das muss man auch gar nicht groß kommentieren. Die Zahlen sprechen an dieser Stelle ziemlich gut für sich.

Natürlich wäre es trotzdem unseriös, daraus die einfache Rechnung „ein ZUT gleich mehrere kleine Rennen“ zu machen. Denn auch für U.TLW, Sauwald Trail oder Tschirgant Sky Run muss man anreisen. Je nach Wohnort braucht man eine Unterkunft, geht essen und hat weitere Nebenkosten. Genau deshalb lohnt sich der Blick in unseren xc-run.de Eventkalender. Wer dort gezielt nach Veranstaltungen in der eigenen Region sucht, kann manches Rennen als Tagestrip bestreiten. Bei anderen wird vielleicht eine Übernachtung notwendig, oder man verbindet den Wettkampf gleich mit einem Wochenende in den Bergen.

Der finanzielle Vorteil kleinerer Veranstaltungen besteht deshalb nicht darin, dass dort plötzlich alle Nebenkosten verschwinden. Er beginnt ganz einfach an der Startlinie: Wenn für mehr als 50 Kilometer rund 85 Euro statt 120 Euro für 16 Kilometer aufgerufen werden, bleibt schlicht mehr vom persönlichen Trailrunning-Budget für das nächste Abenteuer übrig.

Keines dieser Rennen ist ein ZUT im Kleinformat. Und genau das ist der Punkt. Sie wollen es auch gar nicht sein.

Was ist uns ein Startplatz eigentlich wert?

Damit kommen wir zu einer Frage, die in der Diskussion um steigende Startgelder häufig zu kurz kommt. Wir Trailrunner vergleichen Preise gerne anhand von Kilometern und Höhenmetern. 100 Kilometer für 200 Euro erscheinen dann günstiger als 20 Kilometer für 100 Euro.

Aber kaufen wir tatsächlich Kilometer? Wohl kaum. Wir kaufen ein Erlebnis.

Für den einen besteht dieses Erlebnis darin, gemeinsam mit mehreren tausend Läufern bei einem international bekannten Event an der Startlinie zu stehen. Für den anderen ist es der kleine Trail, bei dem man einen Großteil der Helfer irgendwann persönlich kennt und im Ziel noch mit dem Veranstalter zusammensitzt. Beides kann großartig sein. Es sind nur zunehmend zwei unterschiedliche Produkte.

Vielleicht sind die kleinen Rennen die Gewinner dieser Entwicklung

Gerade deshalb könnte die Preisentwicklung bei den großen Veranstaltungen auch eine Chance für die kleinen Events sein. Trailrunning besteht schließlich nicht nur aus UTMB World Series, großen Expos, internationalen Elitefeldern und Livestreams. Der Sport lebt ebenso von Vereinen, Tourismusverbänden und kleinen Veranstalterteams, die mit viel Herzblut Rennen auf die Beine stellen. Dort gibt es vielleicht keine riesige Expo. Keine Running Stones. Keine „weltbekannten“ Profis an der Startlinie. Dafür gibt es häufig kurze Wege, familiäre Atmosphäre, regionale Strecken und Startgebühren, bei denen anschließend noch genügend Budget für den nächsten Start übrig bleibt. Und möglicherweise erinnern uns gerade die steigenden Preise der großen Events wieder daran, dass ein außergewöhnliches Trailrunning-Erlebnis nicht zwangsläufig eine große Startnummer braucht.

Trailrunning als Luxus-Hobby?

Trailrunning war noch nie kostenlos. Schuhe, Rucksack, Stöcke, Anreise und Unterkunft haben immer Geld gekostet. Und auch Veranstalter müssen steigende Kosten finanzieren. Trotzdem verändert sich etwas, wenn für einen 16-Kilometer-Lauf 120 Euro und für einen 100-Meiler 386 Euro Startgeld aufgerufen werden. Große Trailrunning-Events entwickeln sich zunehmend zu Premiumprodukten. Das muss man nicht grundsätzlich verteufeln. Professionalisierung, Sicherheit, Organisation und eine große Bühne haben ihren Preis.

Mit dem Premiumpreis steigen aber auch die Erwartungen.

386 Euro für einen Startplatz sind eine Ansage. Erst recht für einen Outdoor-Sport, bei dem das Wetter jederzeit dafür sorgen kann, dass aus dem gebuchten 100-Meiler ein deutlich kürzeres Rennen wird – während auf der Kreditkartenabrechnung weiterhin der 100-Meiler steht. Problematisch wird es zudem, wenn wir beginnen zu glauben, dass nur diese großen Veranstaltungen den Sport ausmachen. Denn für das Budget eines großen Rennwochenendes lässt sich auch verdammt viel anderes Trailrunning erleben. Nicht kostenlos. Und auch nicht ohne Anreise oder Unterkunft. Aber vielleicht abwechslungsreicher. Vielleicht persönlicher. Und vielleicht verteilt auf mehrere Wochenenden, Regionen und Startlinien. Am Ende entscheidet jeder selbst, welches Erlebnis ihm sein Geld wert ist.

Und deshalb interessiert uns eure Meinung:

Was würdet ihr mit 800 bis 1.000 Euro Trailrunning-Budget machen: alles auf einen großen Saisonhöhepunkt setzen – oder das Geld auf mehrere kleinere Veranstaltungen verteilen?

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