Der HOKA Tecton X hat sich längst als einer der spannendsten Carbon-Trailschuhe für lange Wettkämpfe etabliert. Auch bei der vierten Generation bleibt HOKA dem bewährten Konzept weitgehend treu. Optisch sind die Änderungen zum Vorgänger überschaubar: Carbonplatten, viel reaktiver Schaum, Vibram-Außensohle und die seit dem Tecton X 3 charakteristische Gamasche bilden weiterhin die Basis. Entscheidend ist deshalb weniger die Frage, ob HOKA den Tecton neu erfunden hat, sondern ob die Schwachstellen des Vorgängers beseitigt wurden. Vor allem bei der Haltbarkeit bestand Handlungsbedarf.
Erster Eindruck
Wer den Tecton X 3 kennt, wird beim ersten Blick auf den Tecton X 4 wenig Überraschendes entdecken. Die Silhouette bleibt vertraut und auch die auffällige, sockenartige Gamasche ist wieder mit an Bord. Sie schließt eng am Knöchel ab, hält Steinchen und Schmutz zuverlässig draußen und verleiht dem Schuh seinen unverwechselbaren Look.
Die Verarbeitung macht einen hochwertigen Eindruck und der Schuh vermittelt bereits beim ersten Anziehen seinen klaren Performance-Anspruch. Allerdings fällt der Tecton X 4 klein aus. Wer zwischen zwei Größen schwankt oder den Schuh für lange Ultras nutzen möchte, sollte definitiv zur größeren Variante greifen.
Etwas umständlich gestaltet sich der Einstieg. Die enganliegende Gamasche funktioniert beim Laufen hervorragend, macht das Anziehen aber nicht unbedingt einfacher. Eine zusätzliche Schlaufe an der Ferse wäre hier eine simple und wirkungsvolle Verbesserung.
Auch bei der Schnürung ist noch nicht alles perfekt. Zieht man sie zu fest, entsteht aufgrund der geringen Polsterung relativ schnell unangenehmer Druck im Bereich der Sehnen. Bleibt die Schnürung dagegen zu locker, rutscht der Fuß insbesondere im Downhill nach vorne. Das richtige Maß muss man erst einmal finden. Zudem fehlt eine vernünftige Möglichkeit, die Schnürsenkel sicher zu verstauen.
Laufeigenschaften
Schon nach wenigen Kilometern wird klar, warum der Tecton X seit Jahren zu den interessantesten Carbon-Trailschuhen gehört: Dieser Schuh will laufen.
Die Kombination aus reaktiver Dämpfung und Carbonplatten erzeugt ordentlich Vortrieb und macht den Tecton X 4 insbesondere auf laufbaren Trails, Forstwegen und flacheren Passagen extrem schnell. Dabei wirkt er trotz seiner komfortablen Dämpfung nie behäbig. Der Schuh rollt hervorragend und animiert geradezu dazu, das Tempo hochzuhalten.
Seine vielleicht größte Stärke zeigt sich allerdings beim Wechsel ins technische Gelände. Viele Carbon-Trailschuhe fühlen sich auf einfachen Wegen fantastisch an, verlieren auf alpinen Trails aber schnell ihre Souveränität. Beim Tecton X 4 funktioniert dieser Spagat erstaunlich gut. Er bietet genügend Stabilität und Kontrolle für technische Passagen und fühlt sich gleichzeitig auf dem nächsten schnellen Forstweg sofort wieder wie ein waschechter Racer an.
Ein wesentlicher Faktor ist dabei die Vibram-Außensohle. Auf Fels ist der Grip herausragend. Der Gummi klebt förmlich am Untergrund und vermittelt insbesondere in technischen Downhills enorm viel Vertrauen. Gleichzeitig funktioniert die Außensohle auch auf laufbaren Passagen hervorragend, ohne das dynamische Abrollverhalten auszubremsen.
Besonders gespannt waren wir auf die Haltbarkeit. Genau hier lag die große Schwäche des Vorgängers. Bei unserem damaligen Testmodell zeigten sich bereits nach dem ersten Longrun Risse in der Außensohle. HOKA hatte an der Unterseite großflächig auf schützendes Gummi verzichtet, sodass der ungeschützte Mittelsohlenschaum scharfkantigen Steinen nahezu ausgeliefert war. Nach rund 200 Kilometern war unser Tecton X 3 reif für die Tonne.
Beim Tecton X 4 scheint HOKA genau hier nachgebessert zu haben. Die ersten 100 Kilometer hat unser Testmodell jedenfalls ausgesprochen gut weggesteckt. Für ein abschließendes Urteil zur Langzeithaltbarkeit ist es noch zu früh, der erste Eindruck fällt aber deutlich besser aus als beim Vorgänger.
Zielgruppe und Einsatzbereich
Der Tecton X 4 richtet sich in erster Linie an ambitionierte Trailrunner, die einen schnellen Wettkampfschuh für mittlere bis sehr lange Distanzen suchen. Für den gemütlichen Trainingslauf ist er fast zu schade – und aufgrund seines Preises vermutlich auch zu kostspielig.
Seine Paradedisziplin sind Rennen mit wechselndem Untergrund. Technische Singletrails, alpine Passagen, schnelle Downhills, lange Forststraßen und gut laufbare Trails können sich munter abwechseln – genau dann spielt der Tecton seine Vielseitigkeit aus.
Denn diese Mischung aus Alpintauglichkeit und richtig guter Performance auf laufbaren Abschnitten beherrschen nur sehr wenige Schuhe in dieser Form. Der Tecton X 4 ist weder ein kompromissloser Skyrace-Schuh noch ein reiner Straßenracer mit Trailsohle. Er positioniert sich ziemlich genau dazwischen – kann dabei aber beides exzellent.
Damit ist er vor allem für lange, schnelle und gleichzeitig technisch anspruchsvolle Trailrennen bis hin zum Ultratrail interessant. Wer nur einen Wettkampfschuh im Schrank haben möchte, der möglichst viele unterschiedliche Streckenprofile abdecken kann, sollte den Tecton X 4 sehr weit oben auf die Liste setzen.
XC-RUN.DE Einschätzung
HOKA hat beim Tecton X 4 glücklicherweise nicht versucht, ein funktionierendes Konzept komplett neu zu erfinden. Die Änderungen zum Vorgänger wirken auf den ersten Blick überschaubar, betreffen aber offenbar genau die richtigen Stellen. Insbesondere die verbesserte Haltbarkeit könnte entscheidend sein. Beim Tecton X 3 war es schwer zu akzeptieren, dass ein derart hochpreisiger Wettkampfschuh bereits nach wenigen Einsätzen deutliche Beschädigungen zeigte und unser Modell nach rund 200 Kilometern praktisch am Ende war. Nach den ersten 100 Kilometern macht der Tecton X 4 hier einen wesentlich besseren Eindruck.
Seine Performance ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Der Schuh ist extrem lauffreudig, bietet durch die Carbonkonstruktion ordentlich Vortrieb und kombiniert dies mit einer Vibram-Sohle, die auf Fels förmlich klebt. Noch beeindruckender ist aber seine Vielseitigkeit. Kaum ein anderer Carbon-Trailschuh schafft den Wechsel zwischen alpinem Gelände und schnellen, laufbaren Passagen derart souverän. Verbesserungspotenzial bleibt bei Details. Eine Fersenschlaufe würde den Einstieg in die enge Gamasche deutlich erleichtern. Bei der Schnürung wünschen wir uns etwas mehr Polsterung und eine Möglichkeit, die Schnürsenkel vernünftig zu verstauen.
Das ändert wenig am Gesamteindruck: Der HOKA Tecton X 4 ist für uns derzeit einer der komplettesten Carbon-Trailschuhe auf dem Markt.
Weitere Informationen
Übersicht der Trailschuhe 2026
Technische Daten
| Hersteller: | Hoka |
| Einsatzgebiet: | Tempo, Skyrunning, Allrounder, Ultra-Running |
| Preis: | 250 € |
| Sprengung: | 5 mm |
| Gewicht: | 272 g |
| Schnürsystem: | Schuhbänder |
| Fußtyp: | normal |
| Körpergewicht: | leicht, mittel |
| Dämpfung: | üppig |
| Gelände: | Schotter, Waldboden, Alpin |
| Modelljahr: | 2026 |
| Protektion: | viel |
Testergebnis
| Verarbeitung |
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| Schnürung |
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| Protektion |
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| Grip |
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| Lauffreude |
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| Fersenhalt |
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| Gesamtnote | |
| Schnell, komfortabel, extrem griffig und erstaunlich geländegängig: Der HOKA Tecton X 4 kommt dem perfekten Wettkampfschuh für lange und abwechslungsreiche Trailrennen verdammt nahe. Vor allem die Kombination aus Lauffreude und Alpintauglichkeit begeistert. Während viele Carbon-Trailschuhe irgendwo zwischen technischem Gelände und schnellen Passagen Kompromisse eingehen müssen, fühlt sich der Tecton X 4 in beiden Welten zuhause. Ein nahezu perfekter Trailracer – und für uns einer der heißesten Kandidaten für lange, schnelle und technisch anspruchsvolle Wettkämpfe. | |