Sierre-Zinal 2026: Mein Debüt beim großen Berglaufklassiker im Rhonetal - xc-run.de Trailrunning

Sierre-Zinal 2026: Mein Debüt beim großen Berglaufklassiker im Rhonetal

Ein Rennen der Giganten vor der Kulisse der Schweizer Viertausender: Sierre-Zinal ist Mythos, Spektakel und sportliche Herausforderung zugleich. XC-RUN.DE Athlet, David Reichl berichtet über sein Debüt beim großen Klassiker.

Berg- und Traillauf haben in den letzten Jahren stark an Popularität gewonnen. Gefühlt hat man in den warmen Monaten jede Woche die Auswahl zwischen zahlreichen Events, dazu kommen immer mehr Rennserien. Für mich gibt es allerdings das eine Rennen, das alles überstrahlt: den 53 Jahre alten Klassiker vom Startort Sierre im Rhonetal über 2.100 Höhenmeter und 31 Kilometer in das kleine, idyllische Zinal. In diesem Jahr war ich bereit. Eines war mir aber bereits vor der Anmeldung klar: Hier läuft nahezu die gesamte Weltelite und mich erwartet eines der besten Starterfelder der Welt.

Ein Moment der Unachtsamkeit

Zwei Monate sind jetzt vergangen seit meinem Start bei der Berg- und Trail-EM in Kamnik. In den letzten Wochen hatte ich sehr gut und vor allem ohne Zwangspausen trainieren können. Die Erfolge beim Stelvio Trailrun und bei den Ratschings Mountain Trails zeigten, dass die Richtung stimmt.

Und dann kam alles anders: Ein letzter Test eine Woche vor dem Rennen, noch drei Kilometer zu laufen – und dann passiert es: ein Sturz über einen Stein und ein schmerzhafter Aufprall auf dem Felsboden. Prellungen am Knie, an der Schulter und am Brustbein. Ungewissheit, Unsicherheit, Unmut und Schmerz.

Ein steiniger Weg zum Start

Acht Tage sind nicht viel Zeit, um sich von solchen Blessuren zu regenerieren. Aber ich erholte mich sehr schnell und konnte bereits zwei Tage später wieder langsam laufen. Am Mittwoch dann die Entscheidung: Es geht in die Schweiz – ohne große Erwartungen und mit großem Respekt.

Der Tag vor dem großen Tag

Natürlich hatte ich nicht die Zeit, mir die Strecke genau anzuschauen. Aber eines wollte ich dennoch sehen: den letzten Downhill nach Zinal.

Bereits bei der Fahrt entlang der Serpentinen in das Bergdorf lag eine besondere Stimmung und Spannung in der Luft. Schilder mit den Namen der legendären Sieger der Vergangenheit hingen am Straßenrand, große Plakate zur Begrüßung der Eliteläufer schmückten die Straßen. Ein bisschen wie bei einer Bergetappe der Tour de France.

Auf den Straßen von Zinal begegnete man dann den Stars der Szene hautnah – beim Warm-up oder in einem der wunderschönen Cafés. Alles war angerichtet für ein Spektakel der besonderen Art.

Jetzt hieß es für mich: noch die Startnummer im Startort Sierre abholen, dann die Beine hochlegen und die letzten Race-Strategien entwickeln.

It’s time to race!

David Reichl beim Sierre-Zinal 2026 © Sierre Zinal

Strahlender Sonnenschein begrüßte uns am Morgen in unserer Ferienwohnung in Crans-Montana. Frühstücken, Beine lockern und ab zum Start nach Sierre. Ab 9:30 Uhr füllte sich die Wiese vor dem Einlass ins Startgelände langsam und ich begab mich in die Elite-Warm-up-Area. Die Beine waren noch ganz gut, aber irgendwie fühlte sich der Magen etwas komisch an.

20 Minuten vor dem Start begab ich mich in die finale Startarena. Vorstellung der Top 10 der Golden Trail World Series – und links und rechts von mir standen ausschließlich bekannte Gesichter aus der Weltelite. Eine besondere Spannung lag in der Luft.

Dann, um 11:00 Uhr, ertönte heroische Musik, gefolgt vom Knall der Startpistole. Ein Gerangel um die ersten Positionen entbrannte und jeder versuchte, sich einzuordnen. Den ersten Kilometer mit über 70 Höhenmetern liefen wir in unter vier Minuten an, gefolgt von sechs Kilometern mit rund 20 Prozent Steigung bis nach Ponchette zur ersten VP.

Ich gruppierte mich im Mittelfeld ein – ringsum Namen wie Roberto Delorenzi und Davide Magnini. Meine großen Vorbilder direkt neben mir! Die ersten sechs Kilometer konnte ich gut mithalten und fand mich ungefähr auf Position 50 ein. Dann aber kam ein erstes Energieloch und ich musste abreißen lassen.

Noch 23 Kilometer – kann das gutgehen?

Ich kämpfte mich von Kilometer zu Kilometer und verlor ein paar Plätze. Am Hotel Weisshorn bei Kilometer 23 fand ich dann wieder etwas in den Flow. Allerdings war nun „nur“ noch der Downhill zu bewältigen. Einige Plätze konnte ich noch gutmachen und nach 2:55 Stunden folgte schließlich der Zieleinlauf.

Mein Resümee

David Reichl beim Sierre-Zinal 2026 © David Reichl

Zeit okay – nicht das, was ich mir gewünscht hatte, aber unter den besagten Umständen bin ich zufrieden!

Was aber vor allem bleibt, sind die Erinnerungen. Noch nie habe ich an einer Strecke so viele Menschen gesehen wie hier. Tausende feuerten mit Fahnen, Trommeln oder Kuhglocken jeden Läufer an. Die Streckenführung, die Verpflegungsstationen, der Zieleinlauf – alles ist hier besonders und vor allem extrem professionell organisiert.

An diesem Wochenende gibt es in den Dörfern nur ein Thema: das Rennen. Und das merkt man. Am legendären Hotel Weisshorn war es so laut wie bei einem Jubelschrei im Fußballstadion!

Mein persönliches Highlight: die Siegerehrung

Was das alles noch einmal toppen sollte, war die Siegerehrung. Ein 2.000-Mann-Festzelt, gefüllt mit Laufenthusiasten. Eine Stimmung wie bei Olympia. Die Top 10 und alle Läufer unter 2:40 Stunden wurden unter ohrenbetäubendem Beifall auf die Bühne gebracht und gefeiert.

So etwas habe ich noch nie erlebt – nicht einmal bei einem Bundesligaspiel.

Was bleibt, ist die Motivation: Hier möchte ich auch einmal stehen. Und dafür werde ich die nächsten Tage, Wochen, Monate und Jahre arbeiten.

Eine neue Vision, ein Ziel und vor allem ein Traum.

Das Rennen der fünf Viertausender ist einmalig!

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