Warum die aerobe Basis für Trailrunner entscheidend ist
Trailrunning stellt besondere Anforderungen an den Körper: lange Anstiege, wechselnde Intensitäten, technische Downhills und oft viele Stunden Belastung in den Bergen. Genau deshalb hat sich das aerobe Basistraining (Grundlagen-Training) seit vielen Jahrzehnten zu einem wissenschaftlich fundierten Grundpfeiler im Ausdauertraining entwickelt.
Auch moderne Trainingswissenschaft zeigt klar: Wer im Trailrunning langfristig schneller, ausdauernder und verletzungsfrei bleiben will, kommt an einer soliden aeroben Basis nicht vorbei.
Was ist aerobes Basistraining?
Aerobes Basistraining zielt darauf ab, deine aerobe Schwelle zu erhöhen – also die Intensität, bei der dein Körper über lange Zeit effizient arbeiten kann, ohne frühzeitig zu ermüden.
Für Trailrunner bedeutet das:
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Laufen in ruhigem, kontrolliertem Tempo
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Belastung knapp unterhalb der aeroben Schwelle
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Konstante Intensität über lange Dauer (oft 60–180 Minuten)
In diesem Bereich (Zone 1–2) kannst du dich noch unterhalten, atmest ruhig und hast das Gefühl, „locker“ unterwegs zu sein – selbst bergauf.
Aerobe Schwelle vs. anaerobe Schwelle – einfach erklärt
„Aerob“ bedeutet mit Sauerstoff, „anaerob“ ohne Sauerstoff. Dein Körper nutzt je nach Intensität unterschiedliche Energiesysteme:
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Phosphagensystem: sehr kurze, explosive Belastungen (z. B. Sprint)
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Glykolytisches System: harte Belastungen von 1–5 Minuten (z. B. steiler Anstieg im Wettkampf)
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Oxidatives System: lange Ausdauerleistungen (Trailruns, Ultras)
Die aerobe Schwelle liegt dort, wo der Laktatwert im Blut erstmals deutlich ansteigt (ca. 2 mmol/L). Unterhalb dieser Schwelle kann dein Körper Laktat effizient abbauen – oberhalb davon ermüden die Muskeln deutlich schneller.
Je höher deine aerobe Schwelle, desto schneller kannst du lange Anstiege und lange Rennen laufen, ohne zu „übersäuern“.
Warum Grundlagen-Training im Trailrunning so effektiv ist
Grundlagen-Training nutzt vor allem deine slow-twitch Muskelfasern, die für Ausdauerleistungen verantwortlich sind. Laut gängiger Expertenmeinung und fundierten Studien bewirkt dieses Training:
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Mehr Mitochondrien (die „Kraftwerke“ der Zellen)
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Verbesserte Laktat-Clearance
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Effizientere Energienutzung über Stunden
Für Trailrunner heißt das konkret:
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Weniger Ermüdung bei langen Läufen
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Schnellere Regeneration nach Anstiegen
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Stabilere Leistung am Ende von Wettkämpfen
Hochintensives Training allein bringt diese Anpassungen nicht, da es hauptsächlich schnelle Muskelfasern beansprucht.
So baust du deine aerobe Basis als Trailrunner auf
Grundlagen-Training richtig umsetzen
Die richtige Zone liegt in der Regel bei:
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60–75 % der maximalen Herzfrequenz
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einem Tempo, bei dem du locker sprechen kannst
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einem Gefühl von „angenehm anstrengend“
Im Gelände kann das auch zügiges Gehen bergauf bedeuten – völlig normal und absolut sinnvoll.
Bausteine eines aeroben Trainingsplans für ambitionierte Trailrunner
Ein guter Base-Trainingsplan für Trailrunner kombiniert Umfang, Struktur und Erholung:
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Wochenumfang +5–10 %
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1–2 intensive Einheiten pro Woche (z. B. kurze Bergintervalle)
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1–2 lange Läufe (2–4 Stunden, Zone 1-2)
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1 kompletter Ruhetag
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Entlastungswoche alle 4 Wochen (−40–50 % Umfang)
In der Grundlagenphase liegt der Fokus klar auf Zeit im Grundlagenbereich, nicht auf Tempo oder Wettkampfhärte.
Typische Fehler im aeroben Basistraining
Viele Trailrunner trainieren ihre „lockeren Läufe“ zu schnell. Die Folgen:
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Zu wenig Reiz für die aerobe Anpassung
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Zu viel Ermüdung
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Stagnation oder Verletzungen
Merke: Langsam laufen ist kein Rückschritt, sondern die Grundlage für Schnelligkeit.
Warum die aerobe Schwelle wichtiger ist als VO₂max
VO₂max und FTP bekommen viel Aufmerksamkeit – doch im Trailrunning entscheidet oft die aerobe Schwelle über den Erfolg. Elite-Athleten können enorme Leistungen unterhalb dieser Schwelle abrufen – genau das macht sie so konstant stark.
Je höher du diese Schwelle anhebst, desto:
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länger
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effizienter
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schneller
kannst du im Gelände unterwegs sein.
Fazit: Mehr Ausdauer, weniger Ermüdung, bessere Rennen
Für Trailrunner ist aerobe Basisarbeit kein Trend, sondern ein Muss. Zone-2-Training verbessert genau das, was im Gelände zählt: Ausdauer, Effizienz und Belastbarkeit über viele Stunden.
Je höher deine aerobe Basis, desto höher kommst du – und desto länger bleibst du stark.
Mit einem strukturierten Trainingsplan, ausreichend Erholung und konsequenten, ruhigen Läufen legst du das Fundament für starke Leistungen – egal ob beim alpinen Marathon oder Ultratrail.
