Rureifel Ultra Trail 2026
Reportagen

Rureifel Ultra Trail 2026: Eine Veranstaltung auf dem Weg nach oben

Die Eifel ist eine alte Region. Hier wüteten Vulkane, hier kämpften und handelten Römer zwischen unzähligen Hügeln und Wäldern, hier wurden im Mittelalter Burgen gebaut, hier herrschte bittere Armut. Heute existiert in der Eifel eine gut ausgebaute Tourismusstruktur, aber es fehlte lange ein kompetitives Trailrunning-Event. Mit dem Rureifel Ultra Trail gibt es das nun – 2026 schon in der dritten Auflage.

Die Burg Nideggen thront weithin sichtbar auf einer der unzähligen Erhebungen der Eifel – angestrahlt von diversen Scheinwerfern, denn es ist noch dunkel, als wir uns in einem der historischen Gewölbe die Startunterlagen abholen. 77km mit rund 2.800 Höhenmetern sollen es werden. Flache Strecken erwarten wir also nicht, als aus den Lautsprechern am Startbogen „Are You Ready“ von AC/DC erklingt. Und ja: Wir sind ready – ready for a goooood time!

Rureifel Ultra Trail 2026
Rureifel Ultra Trail 2026 © Sportograf

Vorne ballern die ersten los, als hätte Schmitz Katze Dünnpfiff. „Wissen die, dass noch 76 Kilometer kommen,“ fragt ein Läufer neben mir – während auch wir schon zu schnell starten. Aber der Sieger wird auch in 6:21:36 finishen. Da muss man schon am Anfang metern.

Für alle, die zumindest etwas gemäßigter unterwegs sind, hat das Orga-Team viel daran gesetzt, eine abwechslungsreiche Strecke mit den Höhepunkten der Rureifel zu verbinden. Es geht vorbei an der namensgebenden Rur, am Staubecken Heimbach, am Rurstausee, an Burgen und Ruinen, durch Mischwald und Nadelwald, über Schieferhügel und vorbei an pittoresken Felsen. Immer wieder biegen wir in schmale Trails, während es beständig auf und ab geht.

Rureifel Ultra Trail 2026
Rureifel Ultra Trail 2026 © Sportograf

Bei Kilometer 18 kommt die erste Verpflegungsstelle – an der noch ziemliche Stille herrscht. Wir laufen einen kurzen, steilen Loop – wie so oft beim RUT – und 3km später ist ein ziemliches Gewusel an gleicher Stelle. Hier ist wohl der Anfang vom Mittelfeld. Auch mal interessant.

Als wir an der Rurtalsperre und dem dahinter gelegenen Stausee ankommen, wird es hart auf der 77er-Strecke. Trotz aller Bemühungen um einen abwechslungsreichen Track ging es bisher doch ziemlich oft über Asphaltstraßen, durch Orte und über breite Forstwirtschaftswege. Am Stausee folgen nun weitere 2km auf dem ebenen, asphaltierten Radweg – und das zehrt. Etwas mehr Trail und dafür im Zweifel weniger Distanz wäre durchaus in Ordnung.

Rureifel Ultra Trail 2026
Rureifel Ultra Trail 2026 © Sportograf

Wie immer beim Rureifel Ultra Trail dauert diese Durststrecke aber nicht lang und bald warten wieder die Hügel auf uns, die spätestens im dritten Drittel zu Rampen werden. Die Wege werden dauerhaft zu Pfaden, der sichere Schritt wird zu abschüssigen Trails mit Wurzeln und Steinen. Ist das noch die gleiche Veranstaltung? Ab hier ist nicht nur die Landschaft ein kleiner Traum in Frühlingsgrün, sondern auch die Strecke. Das Trail-Herz macht Sprünge, während die Beine leider schon ziemlich schwer sind. Hier merkt man auch, wer die Strecke unterschätzt hat. Die Ausfälle mehren sich, Läufer fallen zurück oder auch mal hin – an einer der steilsten der kurzen Rampen lehnt sich ein Läufer an einen Baum und kotzt.

Pünktlich zu Kilometer 74 fängt es an zu regnen und die kurze Husche geleitet uns den letzten Anstieg in den Burginnenhof hinauf zum glücklichen Abklatschen mit den anderen Finishern. Um mich herum vor allem Läufer der 44km-Strecke. Unten im Dorf habe ich noch einen meiner 77er-Kollegen eingeholt. Er wollte wohl mithalten, aber die Beine sahen das anders.

Rureifel Ultra Trail 2026
Rureifel Ultra Trail 2026 © Sportograf

Einen guten Ruf hatte der Rureifel Ultra Trail schon nach zwei Ausgaben. Mit Nummer drei empfiehlt er sich für den Reigen der hervorragenden Landschaftsläufe. Astreine Organisation und Kommunikation, Streckenmarkierung wie aus dem Handbuch, viel regionales Flair und Leidenschaft aller Beteiligten. Das hier ist keine Veranstaltung von der Stange, sondern eine Herzensangelegenheit.

Es bleibt aber auch eine leicht verzerrte Erinnerung an die Strecke. Der erste Teil war schön, blieb lauftechnisch aber deutlich hinter Teil zwei zurück. Sollte dies an Streckennutzungsrechten liegen, gibt der Erfolg vom RUT 2026 hoffentlich nochmal Argumente für nächstes Jahr. Wenn dann auch noch ein Sponsoring für Endurance-Sportnahrung gefunden werden könnte, würde aus einer tollen Veranstaltung ein kleiner Diamant. In diesem Sinne: bis 2027!

Tobias Gerber