Es gibt Rennen, bei denen erinnert man sich Jahre später noch an die Zeit oder die Platzierung. Und dann gibt es Rennen, bei denen man sich vor allem an das Gefühl erinnert. Der Sauwald Trail gehört für mich seit Jahren zur zweiten Kategorie.
Fünfmal bin ich inzwischen hier gestartet. Viermal über die 47 Kilometer, heuer erstmals über die neue Mitteldistanz mit 25 Kilometern und rund 600 Höhenmetern. Fünf Starts, fünf Siege. Eine Statistik, über die ich mich natürlich freue. Als vierfacher Sieger über die Königsdistanz hatte ich heuer schließlich auch ein wenig meinen Ruf zu verteidigen. Viel wichtiger ist aber, dass sich die Reise nach Schardenberg mittlerweile jedes Jahr ein bisschen wie Heimkommen anfühlt.
Die Hölle vom Sauwald
Schon vor dem Start um 11 Uhr war klar: Heute würde es kein gewöhnlicher Traillauf werden. Das Thermometer kratzte an der 40-Grad-Marke. Schatten war auf der Strecke Mangelware und jeder Anstieg fühlte sich an, als würde einem jemand einen Föhn ins Gesicht halten. Wer an diesem Tag zu schnell anlief, würde später gnadenlos dafür bezahlen.
Trailrunning wird oft romantisiert. Einsame Pfade, schöne Aussichten und Naturgenuss. An diesem Samstag hatte die Natur allerdings eine andere Seite. Es war brutal heiß. Die „Hölle vom Sauwald“ zeigte ihre Zähne.
Schnell wurde klar, dass heute nicht unbedingt der stärkste Läufer gewinnen würde, sondern derjenige, der mit den Bedingungen am cleversten umging. Also verzichtete ich bewusst auf unnötiges Risiko, füllte an jeder Verpflegungsstation reichlich Flüssigkeit nach und nutzte jeden Meter Schatten zur kurzen Abkühlung.
Kontrolle statt Rekordjagd
Die 25 Kilometer fühlten sich trotz der extremen Bedingungen erstaunlich kontrolliert an. Da die Läuferinnen und Läufer über 13 und 25 Kilometer gemeinsam starteten, ging es vom ersten Meter an flott zur Sache. Das Führungstrio lief den Auftaktkilometer in einer Pace von rund 3:35 min/km – angesichts der Temperaturen ein durchaus mutiges Tempo.
An der Spitze entwickelte sich ein spannendes Duell mit Frank Schneider von der LG Passau. Die Führungsarbeit wechselte immer wieder, besonders nach den Verpflegungsstationen. Dort gönnte ich mir bewusst ein paar Sekunden mehr als bei einem gewöhnlichen 25-km-Rennen, um ausreichend zu trinken und mich abzukühlen. Diese kleinen Investitionen zahlten sich später aus. Während mein Konkurrent nach rund 20 Kilometern dem hohen Anfangstempo Tribut zollen musste, konnte ich mein Rennen nahezu konstant bis ins Ziel durchziehen.
Am Ende stoppte die Uhr bei 1:54:02 Stunden. Der Streckenrekord blieb zwar knapp zwei Minuten außer Reichweite, aber ehrlich gesagt hätte sich ein Rekord an diesem Tag beinahe unwirklich angefühlt. Bei fast 40 Grad gelten andere Maßstäbe.
Umso mehr freute ich mich über den Sieg mit rund fünfeinhalb Minuten Vorsprung – und über die Bestätigung, dass sich Erfahrung und eine kluge Renneinteilung gerade unter extremen Bedingungen auszahlen.
Warum mich der Sauwald immer wieder anzieht
Als ich 2023 meinen dritten Sieg über die Königsdistanz feiern durfte, schrieb ich, dass manche Trailrunning-Events einen besonderen Charme besitzen, den man nur schwer erklären kann. Daran hat sich nichts geändert. Objektiv betrachtet ist der Sauwald Trail kein riesiges Event. Rund 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, familiäre Atmosphäre und keine große Inszenierung. Gerade das macht den Reiz aus.
Hier wird man nicht als Startnummer behandelt, sondern als Gast. Die Organisation funktioniert unaufgeregt und professionell, die Helfer stehen trotz der Hitze stundenlang an der Strecke, Zuschauer feuern jeden Läufer ehrlich an und im Ziel bleibt Zeit für Gespräche statt für Selfies. Die Siegerehrung ist wertschätzend, findet zeitnah statt und bietet Preise, von denen sich so manches deutlich größere Event eine Scheibe abschneiden könnte. Es sind genau diese vielen kleinen Details, die dafür sorgen, dass ich seit 2021 jedes Jahr gerne zurückkomme.
Manchmal ist weniger einfach mehr
Vielleicht braucht Trailrunning gar keine riesigen Expo-Areale, keine Lasershow und keine überdimensionierten Zielbögen. Vielleicht reichen wunderschöne Waldwege, ein paar knackige Anstiege, engagierte Helfer, ehrliche Begeisterung und Menschen, die diesen Sport aus Leidenschaft organisieren. Der Sauwald Trail erinnert mich jedes Jahr daran. Und auch wenn die Ausgabe 2026 eher einer Hitzeschlacht als einem klassischen Trailrennen glich, bleibt am Ende genau dieses Gefühl. Die Hölle vom Sauwald war heiß. Sehr heiß. Trotzdem freue ich mich jetzt schon auf das Wiedersehen im nächsten Jahr.
Ergebnisse
K25 – Frauscher 3 Berg Trail (25 km / 600 hm)
Der fünfte Start beim Sauwald Trail brachte Markus Mingo (Team XC-RUN.DE) den fünften Sieg. In 1:54:02 Stunden gewann er vor Frank Schneider (LG Passau, 1:59:39) und Ignacio Vázquez (2:10:50). Bei den Frauen setzte sich Monika Kubai (Proteam Vienna, 2:18:23) knapp vor Andrea Bartsch (SVG Ruhstorf, 2:18:46) und Barbara Poxleitner (3Kings3Hills, 2:24:41) durch.
K46 – Sauwald Trail (46 km)
Auf der Königsdistanz gewann Maximilian Zeus (LG Telis Finanz Regensburg) in starken 3:40:30 Stunden. Rang zwei belegte Peter Mayr (CLR Sauwald Schwarzmüller, 3:52:12), Dritter wurde Alexander Beck (4:19:22). Bei den Frauen siegte Theresa Zur (Trailgschwister) in 5:41:21 Stunden vor Kathrin Maurer (5:47:10) und Sandra Pitscheneder (CAB Racing Team, 5:52:05).
K13 – CAB Kösslbach Trail (13 km)
Über die Kurzdistanz führte kein Weg an Lokalmatador Manuel Hötzeneder (CLR Sauwald Schwarzmüller) vorbei, der in 1:00:50 Stunden gewann. Dahinter folgten Robert Weidinger (CLR Sauwald Schwarzmüller, 1:07:29) und Lars Nobs (CAB Racing Team, 1:08:30). Bei den Frauen triumphierte Julia Ecker (LAC BMD Amateure Steyr) in 1:09:49 Stunden vor Cornelia Hechberger (SVG Ruhstorf, 1:10:31) und Lucia Ammerl (1:21:13).


