Spannender könnte das Saisonfinale der Golden Trail World Series 2026 kaum sein. Am 24. und 25. Oktober kämpfen die besten Trailrunner der Welt beim Muju Trail Grand Finale in Südkorea um die begehrten Gesamttitel. Sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern ist die Entscheidung noch völlig offen. Auf einer technisch anspruchsvollen Strecke über 28,65 Kilometer und 2.313 Höhenmeter könnte sich das Klassement noch einmal kräftig verschieben. Besonders bei den Männern verspricht der Dreikampf zwischen Philemon Kiriago, Patrick Kipngeno und Titelverteidiger Elhousine Elazzaoui Hochspannung.
Ein Finale, das es in sich hat
Sieben Länder, drei Kontinente und eine Saison voller hochklassiger Duelle: Die Golden Trail World Series (GTWS) erreicht am kommenden Wochenende ihren Höhepunkt. Erstmals wird das Grand Finale im südkoreanischen Muju ausgetragen. Die Frauen starten am Samstag, 24. Oktober, die Männer folgen am Sonntag, 25. Oktober.
Dabei erwartet die Athleten eine der anspruchsvollsten Strecken in der Geschichte der Rennserie. Auf lediglich 28,65 Kilometern müssen 2.313 Höhenmeter überwunden werden. Steigungen von bis zu 40 Prozent, technisch schwierige Downhills und mehrere lange Anstiege verlangen den Teilnehmern alles ab. Das Rennen führt durch den Deogyusan-Nationalpark, vorbei an herbstlich gefärbten Berglandschaften, dichten Nadelwäldern und buddhistischen Tempelanlagen. Start und Ziel befinden sich am Muju Deogyusan Resort.
Besonders anspruchsvoll wird der Streckenabschnitt rund um den über 1.600 Meter hohen Hyangjeokbong. Von dort führt ein 2,5 Kilometer langer Downhill mit durchschnittlich 28 Prozent Gefälle zum Baengnyeonsa-Tempel. Nach einem weiteren kräftezehrenden Anstieg wartet mit dem Chilbong die letzte große Herausforderung, ehe es im schnellen Downhill ins Ziel geht. Die technisch anspruchsvolle Streckenführung könnte dabei insbesondere den laufstarken Spezialisten entgegenkommen, die ihre Stärken nicht ausschließlich im Uphill haben.
Frauen: Kann Madalina Florea ihren Titel verteidigen?
Bei den Frauen geht Titelverteidigerin Madalina Florea als Führende der Gesamtwertung ins Finale. Die Rumänin vom Scott-Team sammelte bislang 872 Punkte und überzeugte mit einer bemerkenswert konstanten Saison. Mit Siegen beim Québec Mega Trail, dem Pitz Alpine Glacier Trail und dem traditionsreichen Sierre-Zinal unterstrich Florea ihre Ambitionen auf den zweiten Gesamttitel in Folge. Doch die Konkurrenz sitzt ihr im Nacken. Caroline Kimutai (Salomon) liegt mit 806 Punkten lediglich 66 Zähler zurück. Die Kenianerin zählt zu den großen Entdeckungen der Saison und könnte mit einem starken Finale die Gesamtwertung noch drehen. Auch Ruth Gitonga (Run2Gether On Trail) darf sich mit 766 Punkten weiterhin Hoffnungen machen. Nach ihrem Sieg beim Jinshanling Great Wall Trail Race in China reist sie mit entsprechendem Selbstvertrauen nach Südkorea.
Gesamtwertung Frauen vor dem Finale
| Platz | Athletin | Punkte |
|---|---|---|
| 1 | Madalina Florea (ROU) | 872 |
| 2 | Caroline Kimutai (KEN) | 806 |
| 3 | Ruth Gitonga (KEN) | 766 |
| 4 | Barbora Bukovjan | 732 |
| 5 | Hanna Groeber (GER) | 718 |
| 6 | Marie Nivet (FRA) | 687 |
Deutsche Hoffnung: Hanna Groeber kämpft um das Podium
Aus deutscher Sicht richtet sich der Blick besonders auf Hanna Groeber. Die Athletin vom Nike-ACG-Team gehört zu den großen Aufsteigerinnen der Saison und liegt vor dem Finale mit 718 Punkten auf dem fünften Gesamtrang. Mit ihrem Sieg beim Myoko Trail in Japan bewies Groeber, dass sie inzwischen zur absoluten Weltspitze gehört. Beim anschließenden Jinshanling Great Wall Trail Race in China lag sie ebenfalls aussichtsreich im Rennen, ehe ein Armbruch ihre Siegchancen zunichtemachte. Ob und in welcher Form die Deutsche nach dieser Verletzung beim Finale antreten kann, bleibt eine entscheidende Frage. In der Gesamtwertung beträgt ihr Rückstand auf Rang drei lediglich 48 Punkte. Ein Podiumsplatz in der Jahreswertung ist damit rechnerisch weiterhin möglich. Dafür müsste Groeber allerdings nicht nur selbst ein starkes Rennen zeigen, sondern auch Punkte auf die Konkurrenz gutmachen. Ebenfalls spannend wird der Kampf um die weiteren Top-10-Platzierungen. Silvia Schwaiger, Estel Roig, Renée Cardinaals und Theres Leboeuf liegen innerhalb von nur 39 Punkten. Hier könnte bereits eine einzige starke Leistung für deutliche Veränderungen sorgen.
Männer: Drei Athleten innerhalb von 46 Punkten
Noch enger präsentiert sich die Ausgangslage bei den Männern. Mit Philemon Kiriago, Patrick Kipngeno und Elhousine Elazzaoui kämpfen drei Athleten praktisch auf Augenhöhe um den Gesamtsieg. Philemon Kiriago (Run2Gether On Trail) führt die Gesamtwertung mit 870 Punkten an. Der Kenianer gewann in dieser Saison das prestigeträchtige Sierre-Zinal und stand bei vier weiteren Rennen auf dem zweiten Platz. Sein Teamkollege Patrick Kipngeno reist allerdings mit besonders viel Rückenwind nach Südkorea. Nach zwei Siegen in Folge in Japan und China hat er sich bis auf 40 Punkte an Kiriago herangeschoben. Und dann wäre da noch Titelverteidiger Elhousine Elazzaoui. Der Marokkaner vom NNormal-Team könnte zum dritten Mal in Folge die Gesamtwertung gewinnen. Mit Siegen bei Zegama-Aizkorri, Ledro Sky Trentino und Québec Mega Trail hat er seine Klasse auch 2026 eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Lediglich 46 Punkte fehlen ihm aktuell auf Kiriago.
Gesamtwertung Männer vor dem Finale
| Platz | Athlet | Punkte |
|---|---|---|
| 1 | Philemon Kiriago (KEN) | 870 |
| 2 | Patrick Kipngeno (KEN) | 830 |
| 3 | Elhousine Elazzaoui (MAR) | 824 |
| 4 | Michael Selelo Saoli (KEN) | 764 |
| 5 | Timothy Kibett (KEN) | 650 |
| 6 | Nashon Kiplimo (KEN) | 621 |
| 7 | Ezekiel Rutto (KEN) | 598 |
| 8 | Bogdan Damian (ROU) | 590 |
| 9 | Brayan Rodríguez | 539 |
| 10 | Isacco Costa (ITA) | 533 |
Wer kann die Favoriten ärgern?
Neben den drei Titelanwärtern gibt es einige Athleten, die beim Finale für eine Überraschung sorgen könnten. Allen voran der Spanier Alain Santamaría, der zuletzt mit starken Leistungen auf sich aufmerksam machte. Auch der US-Amerikaner Taylor Stack, der bereits beim Saisonauftakt in Zegama auf dem Podium stand, ist wieder mit dabei. Besonders interessant dürfte das Rennen für technisch versierte Downhill-Spezialisten werden. Der Schweizer Joey Hadorn und Bogdan Damian könnten auf dem anspruchsvollen Terrain ihre Stärken ausspielen. Michael Selelo Saoli, aktuell Gesamtvierter, gehört ebenfalls zu den Athleten, denen ein großer Erfolg zuzutrauen ist. Der Kenianer überzeugte bislang vor allem mit seiner Konstanz, wartet aber noch auf seinen ersten Saisonsieg.
Bis zu 330 Punkte: Das besondere Wertungssystem beim Finale
Für zusätzliche Spannung sorgt das Punktesystem der Golden Trail World Series. Während bei den regulären Saisonrennen maximal 200 Punkte für einen Sieg vergeben werden, erhält der Gewinner des Grand Finales satte 300 Punkte.
Dazu kommen weitere Punkte in drei gesondert gewerteten Streckenabschnitten:
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Uphill: 2,2 Kilometer mit durchschnittlich 25,2 Prozent Steigung
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Downhill: 2,5 Kilometer mit durchschnittlich 28 Prozent Gefälle
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Sprint: 1 Kilometer mit 72 Metern Höhenverlust
Die jeweils fünf schnellsten Athleten dieser Abschnitte sammeln zusätzliche Punkte. Insgesamt sind dadurch bis zu 330 Punkte möglich. In die bisherige Gesamtwertung fließen die vier besten Rennergebnisse sowie die vier besten Segmentwertungen jeder Kategorie ein. Beim Finale werden die dort erzielten Punkte zusätzlich angerechnet. Damit können selbst Athleten mit deutlichem Rückstand noch große Sprünge in der Gesamtwertung machen.
231.000 Euro Preisgeld und wichtige Startgarantien für 2027
Neben den prestigeträchtigen Gesamttiteln geht es in Südkorea auch um erhebliche finanzielle Anreize. Insgesamt werden 231.000 Euro Preisgeld unter den besten 20 Athleten der Gesamtwertung verteilt. Die beiden Gesamtsieger erhalten jeweils 30.000 Euro. Doch nicht nur die Spitzenplätze sind begehrt. Wer die Saison innerhalb der Top 30 abschließt, sichert sich logistische Unterstützung für die Teilnahme an der Golden Trail World Series 2027. Für viele Athleten, die nicht über die finanziellen Möglichkeiten der großen Profiteams verfügen, kann eine solche Platzierung entscheidend für die weitere internationale Karriere sein. Zusätzlich erhalten 19 Nachwuchstalente über sogenannte Golden Tickets die Möglichkeit, sich beim Finale mit der Weltelite zu messen. Sie haben sich über nationale Meisterschaften für das Rennen qualifiziert.
Golden Trail World Series Finale 2026: Termine und Livestream
Wer die Entscheidung live verfolgen möchte, muss in Deutschland früh aufstehen.
Frauenrennen: Samstag, 24. Oktober 06:00 Uhr Deutsche Zeit (MESZ)
Beide Rennen werden vollständig auf HBO Max übertragen. Eurosport steigt beim Frauenrennen am Samstag um 7:30 Uhr ein, beim Männerrennen am Sonntag um 6:00 Uhr. Darüber hinaus gibt es Live-Timing über die offiziellen Kanäle der Golden Trail World Series. Eine Zusammenfassung der Highlights wird am Mittwoch, 28. Oktober, um 19:30 Uhr auf Eurosport und HBO Max ausgestrahlt.
Fazit: Ein Finale mit vielen offenen Fragen
Die Golden Trail World Series hat sich die spannendste Entscheidung für das Saisonende aufgehoben. Bei den Männern liegen drei absolute Topathleten nahezu gleichauf, während Madalina Florea bei den Frauen ihren Vorsprung gegen eine starke Konkurrenz verteidigen muss. Die technisch anspruchsvolle Strecke in Muju könnte dabei für Überraschungen sorgen. Anders als bei vielen klassischen Bergläufen werden hier nicht nur Kletterqualitäten gefragt sein. Auch im Downhill müssen die Athleten an ihre Grenzen gehen. Aus deutscher Sicht bleibt besonders die Frage spannend, ob Hanna Groeber nach ihrer Verletzung noch einmal in den Kampf um die Spitzenplätze eingreifen kann.
