Trailrunning

Abschied vom Kaitersberg Trail – Das Ende einer Legende

Der Kaitersberg Trail ist Geschichte. Mit seinem Aus endet eines der technisch anspruchsvollsten und charakterstärksten Trailrunning-Events der deutschen Mittelgebirge. Was für viele Jahre als sportliches Aushängeschild des Bayerischen Waldes galt, ist nun verstummt – leise, aber mit großer Wirkung für die Szene.

Nach vorliegenden Informationen fiel eine zentrale organisatorische Stütze aufgrund beruflicher Veränderungen weg. Gleichzeitig entschieden sich die ehrenamtlichen Kräfte des TV Bad Kötzting, den enormen organisatorischen und zeitlichen Aufwand nicht länger zu tragen. Eine Entscheidung, die nachvollziehbar ist – und dennoch schmerzt. Denn Veranstaltungen wie diese leben von Idealismus, Herzblut und Menschen, die bereit sind, weit über das Normale hinauszugehen.

Sportlich verliert die Trailszene mit dem Kaitersberg Trail ein echtes Unikat. Die rund 30 Kilometer lange Strecke mit etwa 1.800 Höhenmetern kam dem Begriff Skyrunning so nahe wie kaum ein anderes Rennen in Deutschland. Technisch anspruchsvoll, gnadenlos fordernd und dabei eingebettet in jene raue, ehrliche Landschaft, die den Bayerischen Wald ausmacht. Schmale Pfade, steile An- und Abstiege, ausgesetzte Passagen – hier wurde nichts geschenkt.

Gleichzeitig war das Rennen geprägt von einer Herzlichkeit, wie man sie nur im Bayerischen Wald findet. Trotz aller Härte blieb der Kaitersbergtrail ein familiäres Event, getragen von Helferinnen und Helfern, die mit Begeisterung und Stolz „ihr“ Rennen möglich machten.

Aus sportlicher Sicht war der Kaitersberg Trail auch deshalb besonders, weil es bewusst nur eine einzige Strecke gab. Keine Ausweichdistanzen, keine Aufsplittung des Feldes. Alle Favoritinnen und Favoriten standen gemeinsam an der Startlinie, was dem Rennen eine seltene sportliche Dichte und Spannung verlieh. Wer hier gewann, hatte sich gegen die komplette Konkurrenz durchgesetzt – auf derselben, kompromisslosen Strecke.

Ein Blick auf die Siegerliste unterstreicht die sportliche Bedeutung des Rennens:

  • Thomas Wanninger (2019, 2022)

  • Sabine Wurmsam (2019)

  • Lisa Hamberger (2022)

  • Markus Mingo (2024)

  • Maria Purschke (2024)

Doch nicht nur die Siegerinnen und Sieger prägten den Mythos Kaitersberg. Auch zahlreiche weitere Namen der deutschen Trailszene verdienten sich hier ihre Sporen: David Reichl, Patrick Ehrenthaler, Susanne Zahlauer, Wolfgang Hochholzer oder Felix Killermann – sie alle standen für die Qualität und den Anspruch dieses Rennens.

Mit dem Ende des Kaitersbergtrails stirbt mehr als nur eine Veranstaltung. Es verschwindet ein Stück Identität der deutschen Trailrunning-Szene, ein Rennen, das kompromisslos sportlich war und gleichzeitig menschlich blieb. Was bleibt, sind Erinnerungen an schmerzende Beine, grandiose Ausblicke, faire Duelle – und das Gefühl, Teil von etwas Besonderem gewesen zu sein.

Der Kaitersberg Trail ist tot. Lang lebe der Kaitersberg Trail – es muss sich nur jemand finden der ihn organisiert.