Die 2026 Barkley Marathons im Frozen Head State Park bleiben ein Rennen der Extreme. Am 14. Februar um 6 Uhr morgens gestartet, entwickelte sich die diesjährige Ausgabe schnell zu einer der härtesten der jüngeren Geschichte. Am Ende stand fest: Kein Finisher, nur ein einziger erfolgreicher Fun Run – absolviert vom Franzosen Sébastien Raichon.
Nach dem Null-Finisher-Jahr 2025 wiederholte sich das Szenario. Kälte, Dauerregen, Nebel und tiefer Schlamm machten den ohnehin brutalen Kurs noch unbarmherziger.
Raichon kämpft sich durch drei Runden
Von 40 gestarteten Läufer:innen erreichten lediglich vier die dritte Runde. Nur Sébastien Raichon beendete diese erfolgreich. Seine Zeit: 38:05:46 Stunden – ausreichend für einen offiziellen Fun Run (drei Runden unter 40 Stunden), jedoch deutlich über dem 36-Stunden-Limit, um eine vierte Runde in Angriff zu nehmen.
Der Franzose hatte erst wenige Wochen zuvor das Winter Spine Race gewonnen und zeigte erneut enorme Widerstandskraft. Doch selbst für ihn war bei Runde drei Schluss.
Kurz nach Raichon kehrte auch der Brite Damian Hall ins Camp zurück – allerdings ohne die dritte Runde vollständig absolviert zu haben.
Früher Termin, noch härtere Bedingungen
Erstmals in der Geschichte fand das Rennen bereits im Februar statt. Normalerweise wird im März gestartet – mit mehr Tageslicht und milderen Bedingungen.
2026 bedeutete das:
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Weniger Tageslicht auf dem unmarkierten Off-Trail-Kurs
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Dauerregen ab Runde zwei
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Zunehmender Nebel in der zweiten Nacht
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Rutschige, aufgeweichte Hänge
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Eine verlegte Start-/Ziellinie wegen Bauarbeiten am legendären Yellow Gate
Die Kombination aus Wetter, Orientierung und Erschöpfung erwies sich als unschlagbar.
Die Favoriten – und ihr Scheitern
Das Starterfeld umfasste 40 Athlet:innen aus 15 Ländern, darunter 10 Frauen. Zu den bekannten Namen zählten:
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Mathieu Blanchard – Sieger des Yukon Arctic Ultra 2025
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Max King – mehrfacher US-Champion
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Aurélien Sanchez – Barkley-Finisher 2023
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John Kelly – dreifacher Barkley-Finisher
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Emma Stuart
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Megan Eckert
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Séverine Vandermeulen
Blanchard musste in Runde drei aufgrund der Kälte aussteigen. King gab im dichten Nebel auf, nachdem er nur vier der versteckten Bücher gefunden hatte.
Vandermeulen kam als einzige Frau in Runde zwei, konnte diese jedoch nicht innerhalb des Zeitlimits beenden.
So lief das Rennen ab
Nach dem traditionellen Muschelhorn-Signal um 5 Uhr morgens hatten die Teilnehmenden eine Stunde Zeit, sich startklar zu machen. Rennleiter Gary Cantrell – besser bekannt als „Lazarus Lake“ – zündete um Punkt 6 Uhr seine symbolische Zigarette: Start frei.
Die ersten fünf Läufer beendeten Runde eins in 9:47:08 Stunden. Zwölf Athleten gingen auf Runde zwei. Ab dort begann der Regen – und mit ihm das große Ausscheiden.
Raichon, Blanchard und Hall erreichten gemeinsam nach 22:35:40 Stunden das Ende von Runde zwei. Nur vier Läufer nahmen Runde drei in Angriff. Am Ende blieb nur Raichon übrig.
Die Barkley-Legende lebt weiter
Spätestens seit der Netflix-Dokumentation The Barkley Marathons: The Race That Eats Its Young ist das Rennen weltbekannt. In über 40 Jahren gab es lediglich rund 20 offizielle Finisher – etwa zwei Prozent aller Starter.
Das Format ist ebenso berüchtigt wie geheimnisvoll:
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Fünf Runden à „20+ Meilen“ (real deutlich länger)
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Unmarkierter Off-Trail-Kurs
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Versteckte Bücher als Streckenkontrolle
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60-Stunden-Limit
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Wechselnde Laufrichtung
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Geheime Startliste
Seit 2025 unterstützt Carl Laniak die Organisation maßgeblich, nachdem Cantrell das Rennen jahrzehntelang nahezu allein geleitet hatte.
Fazit: Das Rennen gewinnt
Nach dem Rekordjahr 2024 mit fünf Finishern – darunter Jasmin Paris als erste Frau überhaupt – hatten viele auf ein stärkeres Ergebnis gehofft.
Doch 2026 zeigte erneut, warum die Barkley Marathons als das härteste Trailrennen der Welt gelten.
Das Wetter gewann. Der Kurs gewann. Die Barkley gewann.
Und Sébastien Raichon?
Der schrieb zumindest ein kleines Kapitel in dieser großen, gnadenlosen Geschichte.
