Kamnik (Slowenien) – Das Trailrennen über 52 Kilometer bildete am Samstag den Höhepunkt der European Athletics Off-Road Running Championships in Kamnik. Die Athletinnen und Athleten mussten eine anspruchsvolle Strecke mit rund 2.500 Höhenmetern bewältigen. Die Route führte über die Höhenzüge der Velika Planina, vorbei an den charakteristischen Hirtenhütten der Region, bevor es zurück ins Zentrum von Kamnik ging.
Tranchand setzt entscheidenden Angriff nach der Rennhälfte
Bei den Männern setzte sich Favorit Frédéric Tranchand eindrucksvoll durch. Der Franzose bestätigte seine starke Form und gewann den Europameistertitel in 3:55:14 Stunden. Silber ging an den Italiener Daniel Pattis (3:59:54 Stunden), Bronze sicherte sich Tranchands Landsmann Antoine Charvolin (4:05:13 Stunden).
Bereits auf den ersten Anstiegen hatte sich eine vierköpfige Spitzengruppe mit Tranchand, Pattis, Charvolin und dem norwegischen Ex-Weltmeister Stian Angermund gebildet. Nach rund zwölf Kilometern konnten Angermund und Charvolin das hohe Tempo nicht mehr mitgehen, während Tranchand und Pattis das Rennen an der Spitze bestimmten.
Die Vorentscheidung fiel nach der Rennhälfte. Tranchand setzte auf einem Plateau einen entschlossenen Angriff und konnte sich von Pattis lösen. Besonders auf den technisch anspruchsvollen, durch Regen und Schlamm erschwerten Downhills spielte der Franzose seine Stärken aus und baute seinen Vorsprung kontinuierlich aus.
„Ich wusste, dass Daniel auf den flachen Passagen sehr stark ist. Deshalb wollte ich nicht bis zu den letzten 15 Kilometern warten“,
erklärte Tranchand nach dem Rennen. Erst auf den letzten Metern in Kamnik war er sich seines Sieges sicher.
Für Pattis wurde die zweite Rennhälfte zum Kampf gegen den eigenen Körper. Der Italiener berichtete nach dem Zieleinlauf von Magenproblemen, durch die er keine Energie-Gels mehr aufnehmen konnte. Dennoch verteidigte er Rang zwei souverän bis ins Ziel. Charvolin sicherte Frankreich mit Bronze sogar den zweiten Podestplatz des Tages.
Knapp hinter den Medaillenrängen folgten Alain Santamaria (Spanien), Marcin Kubica (Polen) und Angermund auf den Plätzen vier bis sechs.
Wyder läuft von Beginn an in einer eigenen Liga
Bei den Frauen dominierte Judith Wyder das Rennen von der ersten bis zur letzten Minute. Die Schweizerin übernahm unmittelbar nach dem Start die Führung und gab diese bis ins Ziel nicht mehr ab. Nach 4:36:41 Stunden überquerte sie die Ziellinie mit mehr als drei Minuten Vorsprung auf die Spanierin María La Chica (+3:43 Minuten) und die Schwedin Emma Eriksson (+3:57 Minuten).
Dass Wyder überhaupt als Favoritin ins Rennen ging, lag auch am kurzfristigen Ausfall von Topstar Tove Alexandersson. Die schwedische Weltmeisterin musste aufgrund einer Knöchelverletzung auf einen Start bei den Titelkämpfen verzichten.
Ganz ohne Schwierigkeiten verlief das Rennen für Wyder allerdings nicht. Auf einem langen Downhill von der Velika Planina war sie zeitweise unsicher, ob sie sich noch auf der richtigen Strecke befand. „Das war kein gutes Gefühl. Auf meiner Uhr war die Strecke nicht sichtbar und es gab keine Markierungen“, schilderte die Schweizerin später. Erst die Zurufe von Helfern und Zuschauern entlang der Strecke beruhigten die spätere Europameisterin.
Im Kampf um Silber und Bronze wechselten die Positionen mehrfach. Zwischenzeitlich lagen die Österreicherin Anna Plattner und die Britin Scarlet Dale aussichtsreich im Rennen, doch auf den letzten Kilometern setzten sich schließlich María La Chica und Emma Eriksson durch und komplettierten das Podium.
Hinter den Medaillenrängen belegten Barbora Bukovjan aus Tschechien und Wyders Teamkollegin Theres Leboeuf die Plätze vier und fünf.
Deutsche Athletinnen und Athleten mit soliden Platzierungen
Aus deutscher Sicht erreichte Pierre-Emmanuel Alexandre als bester DLV-Starter das Ziel auf Rang 34. Mit einer Zeit von 4:28:56 Stunden lag er 33:42 Minuten hinter Sieger Tranchand. Manuel Hartweg belegte in 4:33:21 Stunden Platz 46.
Bei den Frauen lief Hannah Marquard auf Rang 22 und erreichte das Ziel nach 5:07:06 Stunden. Teamkollegin Johanna Ehrenklau kam nach 5:19:52 Stunden auf Platz 31 ins Ziel. Damit sammelte das deutsche Team wichtige internationale Erfahrung auf einem hochklassig besetzten Meisterschaftskurs, auch wenn die Spitzenplätze diesmal außer Reichweite blieben.
Frankreich und Schweiz gewinnen die Teamwertungen
Neben den Einzeltiteln gingen auch die Mannschaftssiege an die erfolgreichsten Nationen des Tages. Frankreich gewann die Männer-Teamwertung vor Polen und Spanien. Bei den Frauen sicherte sich die Schweiz dank des Sieges von Judith Wyder den Mannschaftstitel vor Frankreich und Spanien.
Für Frankreich war es bereits die dritte Goldmedaille der Titelkämpfe in Slowenien und ein weiterer Beleg für die derzeitige Stärke der „Bleus“ im europäischen Off-Road-Sport.
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