Trailrunning

Golden Trail World Series: Trailrunning auf der Chinesischen Mauer

Geschichte trifft Trailrunning: Am 27. September macht die Golden Trail World Series beim Jinshanling Great Wall Trail Race Station. 23 Kilometer, 1.667 Höhenmeter und unzählige Stufen auf einem der berühmtesten Bauwerke der Welt warten auf die internationale Trailrunning-Elite. Gleichzeitig geht es um die letzten wertvollen Punkte vor dem großen Saisonfinale in Südkorea.

Ein Rennen, das wohl jeder Trailrunner einmal laufen möchte

Es gibt Rennen, bei denen der sportliche Wettkampf beinahe mit der Kulisse um Aufmerksamkeit konkurriert. Das Jinshanling Great Wall Trail Race gehört zweifellos dazu. Am 27. September kehrt die Golden Trail World Series (GTWS) an die Chinesische Mauer zurück und schickt einige der besten Trailrunner der Welt über eines der berühmtesten Bauwerke der Menschheitsgeschichte.

Nur eine Woche nach dem Myoko Trail in Japan setzt die GTWS damit ihre Asienreise fort. Gleichzeitig bekommt das Rennen eine besondere sportliche Bedeutung: Jinshanling ist die letzte Möglichkeit, noch einmal wertvolle Punkte für die Gesamtwertung zu sammeln, bevor beim Muju Trail Grand Finale in Südkorea die Saisonentscheidung fällt.

23 Kilometer, 1.667 Höhenmeter – und jede Menge Stufen

Auf dem Papier wirken 23 Kilometer zunächst überschaubar. Die 1.667 Höhenmeter verraten jedoch bereits, dass Jinshanling mit einem klassischen schnellen Short-Trail nur wenig gemeinsam hat.

Der Rundkurs führt über einige der am besten erhaltenen Abschnitte der Chinesischen Mauer aus der Ming-Dynastie. Steile und unregelmäßige Steintreppen verbinden die zahlreichen Wachtürme miteinander und verlangen Kraft, Konzentration und einen permanenten Wechsel des Laufrhythmus.

Nach den Passagen auf der Mauer führt die Strecke hinein in die Yan Mountains. Dort warten schmale Trails, Bergrücken sowie zahlreiche kurze und explosive Anstiege. Ein ständiges Auf und Ab, bei dem sich laufbare Passagen und technische Abschnitte abwechseln.

Gerade diese Kombination macht Jinshanling zu einem der ungewöhnlichsten Rennen im Kalender der Golden Trail World Series.

Vom Frühling in den chinesischen Herbst

Das Jinshanling Great Wall Trail Race wurde erst 2023 ins Leben gerufen. Bereits zwei Jahre später folgte die Aufnahme in die Golden Trail World Series. Nachdem das Rennen 2025 noch im April ausgetragen wurde, zieht es für die Ausgabe 2026 in den Herbst.

Damit dürfte sich auch das Erscheinungsbild des Rennens deutlich verändern. Rund um die jahrhundertealten Befestigungsanlagen färben sich die Wälder zu dieser Jahreszeit in Gold-, Rot- und Bernsteintöne. Spektakuläre Bilder scheinen damit beinahe garantiert.

Die Veranstalter sehen gerade in der Verbindung von Geschichte und modernem Trailrunning den besonderen Charakter ihres Rennens. Die Athleten kämpfen nicht nur gegen Höhenmeter, Treppen und die Konkurrenz, sondern bewegen sich gleichzeitig durch eine Landschaft, die seit Jahrhunderten chinesische Geschichte prägt.

Kipngeno und Kimutai schrieben 2025 die erste GTWS-Geschichte

Bei der Premiere innerhalb der Golden Trail World Series im vergangenen Jahr präsentierte sich Jinshanling noch von einer ganz anderen Seite. Hitze sowie trockene und staubige Bedingungen machten das Rennen zusätzlich anspruchsvoll.

Bei den Männern setzte sich Patrick Kipngeno durch. Bei den Frauen feierte Caroline Kimutai den Sieg. Fast ebenso viel Aufmerksamkeit wie die sportlichen Leistungen erhielten anschließend die Bilder des Rennens: Die weltbesten Trailrunner auf den steilen Stufen und zwischen den Wachtürmen der Chinesischen Mauer lieferten einige der außergewöhnlichsten Aufnahmen der gesamten GTWS-Saison.

2026 folgt nun die zweite Auflage unter dem Dach der Golden Trail World Series.

China wird für die GTWS immer wichtiger

Die Golden Trail World Series gastiert mittlerweile im dritten Jahr in Folge in China. 2024 wurde das Land mit dem Four Sisters Mountain Trail erstmals Teil des internationalen Kalenders, 2025 folgte Jinshanling.

Dahinter steckt auch die enorme Entwicklung des Trailrunnings in China. Immer mehr Läufer entdecken die Berge und den Outdoorsport, gleichzeitig wächst die Zahl professionell organisierter Rennen.

China nimmt innerhalb des GTWS-Systems inzwischen eine besondere Stellung ein. Neben einer nationalen Meisterschaft gibt es eine komplette Golden Trail National Series mit vier Rennen und einem Grand Final. Die jeweils besten zwei Männer und Frauen der Gesamtwertung sowie die besten U23-Athleten erhalten ein Golden Ticket und damit die direkte Qualifikation für das internationale GTWS Grand Finale.

Jinshanling soll dabei nicht nur ein internationales Spitzenrennen sein, sondern gleichzeitig chinesische Landschaft, Geschichte und Kultur für Trailrunner aus aller Welt erlebbar machen.

Rekordpreisgeld und letzte Punkte vor dem Finale

Sportlich könnte die Ausgabe 2026 besonders interessant werden. Jinshanling bildet den letzten regulären Stopp vor dem Muju Trail Grand Finale in Südkorea. Für Athleten, die sich in der Gesamtwertung noch verbessern oder ihre Ausgangslage für das Finale optimieren wollen, wird jeder Platz wichtig.

Zusätzlichen Stellenwert erhalten die asiatischen Rennen durch das deutlich gestiegene Preisgeld. Für die beiden Rennen unmittelbar vor dem Grand Finale wurde jeweils ein Rekordpreisgeld von insgesamt 40.800 Euro ausgeschrieben. Die besten zehn Männer und Frauen werden berücksichtigt, die Sieger erhalten jeweils 6.000 Euro.

Damit verbindet Jinshanling 2026 drei Dinge, die ein außergewöhnliches Trailrennen ausmachen: ein hochklassiges Elitefeld, sportliche Bedeutung für die Meisterschaft – und eine Strecke, wie es sie wohl kein zweites Mal gibt.

Am 27. September heißt es also wieder: Trailrunning auf der Chinesischen Mauer.