Mit einer herausragenden Leistung hat Hanna Gröber bei den European Athletics Off-Road Running Championships in Ljubljana-Kamnik den Titel im Up-and-Downhill-Berglauf gewonnen. Wenig später sorgte Spaniens Jan Torrella für den ersten spanischen Einzeltitel der Titelkämpfe und krönte sich zum Europameister bei den Männern.
Gröber läuft der Konkurrenz davon
Die deutsche Bergläuferin setzte sich über die 13 Kilometer lange Strecke in 1:09:41 Stunden souverän durch. Silber gewann die Britin Nancy Scott in 1:11:07 Stunden vor der Französin Nelie Clément (1:11:14 Stunden).
Nach zwei Tagen mit Regen und schwierigen Bedingungen zeigte sich das Wetter am Sonntag deutlich freundlicher – und Gröber nutzte die Chance eindrucksvoll. Bereits am ersten langen Anstieg übernahm sie die Führung und setzte sich von ihren stärksten Konkurrentinnen ab.
„In diesem Moment wusste ich, dass es mein Rennen werden könnte“,
sagte die Deutsche nach ihrem Triumph.
Ab Kilometer sechs erhöhte sie das Tempo weiter und erreichte den letzten Gipfel mit deutlichem Vorsprung. Auf den technisch anspruchsvollen Abstiegen spielte sie anschließend ihre größte Stärke aus.
„Downhill-Laufen ist meine Superkraft. Eigentlich weiß ich gar nicht warum, aber ich bin darin sehr gut“,
erklärte Gröber.
Im Ziel betrug ihr Vorsprung auf Scott komfortable 1:26 Minuten. „Es ist ein Traum, der wahr geworden ist. Ich wusste, dass es bei den warmen und feuchten Bedingungen ein hartes Rennen werden würde – aber genau solche Bedingungen mag ich.“
Perfekte Vorbereitung als Erfolgsfaktor
Eine Woche vor den Meisterschaften hatte Gröber die Strecke gemeinsam mit einer Freundin besichtigt und insbesondere die Abstiege genau analysiert.
„Ich habe die Downhill-Passagen vorher angeschaut. Deshalb wusste ich, dass ich bis zum Schluss konzentriert bleiben musste.“
Mit jedem Zwischenstand wuchs ihr Selbstvertrauen. „Wenn man hört, dass der Vorsprung immer größer wird, pusht das die eigene Leistung noch einmal.“
Nancy Scott verteidigte auf den letzten Kilometern erfolgreich Rang zwei gegen die heranstürmende Nelie Clément, die nach Bronze im Uphill-Rennen ihre zweite Einzelmedaille bei diesen Europameisterschaften gewann.
Im Mannschaftswettbewerb setzte sich die Schweiz denkbar knapp vor Spanien durch. Beide Teams kamen auf 27 Punkte, doch die Schweizerinnen gewannen dank der besseren Platzierung ihrer dritten Wertungsläuferin. Bronze ging an Großbritannien.
Torrella zündet die Gold-Attacke bergab
Auch im Männerrennen fiel die Entscheidung auf den letzten Downhill-Passagen. Der Spanier Jan Torrella lief ein taktisch kluges Rennen und hielt sich auf den ersten Kilometern bewusst zurück.
Während der Schweizer Dominik Rolli und der Schwede Petter Engdahl von Beginn an das Tempo bestimmten, arbeitete sich Torrella Schritt für Schritt nach vorne.
„Der Beginn war sehr schnell, ich lag zunächst nur auf Rang 20. Am Berg konnte ich mich dann Position für Position verbessern und schließlich zur Spitze aufschließen“, erklärte der Spanier.
Nach dem letzten steilen Anstieg startete er seine entscheidende Attacke.
„Oben hatte ich noch so viel Kraft übrig. Da habe ich mir gesagt: Jetzt alles oder nichts.“
Mit einem furiosen Schlussabstieg setzte er sich von seinen Rivalen ab und gewann nach 13 Kilometern in 1:00:09 Stunden die Goldmedaille.
„Ich kann es immer noch nicht glauben. Ich habe so hart gepusht, dass ich im Ziel keine Energie mehr in den Beinen hatte. Aber die Zuschauer haben mir zusätzliche Kraft gegeben.“
Rolli und Engdahl komplettieren das Podium
Silber sicherte sich Dominik Rolli in 1:01:03 Stunden. Der Schweizer musste anerkennen, dass Torrella auf den Abstiegen der Stärkste war.
„Jan war bergab der Schnellste von uns drei, aber ich bin sehr glücklich über Silber“, sagte Rolli.
Bronze gewann Petter Engdahl in 1:01:48 Stunden. Der Schwede brach kurz nach dem Zieleinlauf aufgrund der Hitze erschöpft zusammen und musste medizinisch versorgt werden.
„Ich habe mich komplett überhitzt, aber inzwischen geht es mir wieder gut“, erklärte Engdahl später. „Ich hätte vor dem Rennen mehr Hitzetraining machen sollen. Wir Skandinavier sind solche Bedingungen einfach nicht gewohnt.“
Trotz aller Schwierigkeiten verteidigte er seinen Podestplatz erfolgreich gegen den viertplatzierten Italiener Cesare Maestri.
„Als ich merkte, dass ich Jan und Dominik nicht mehr folgen konnte, musste ich einfach nur noch kämpfen und ins Ziel kommen. Hinter mir waren schließlich auch noch Läufer.“
Italien gewinnt Teamgold
Während Maestri die Einzelmedaille knapp verpasste, führte er Italien zum Mannschaftstitel. Alle drei italienischen Wertungsläufer platzierten sich unter den besten sieben Athleten.
Silber ging an die Schweiz, Bronze an Spanien.
