Eine Woche vor dem großen UTMB-Wahnsinn richtet sich nahezu die gesamte Aufmerksamkeit der Trailrunning-Szene bereits auf Chamonix. Dabei lohnt sich an diesem Wochenende ein Blick ein paar Kilometer weiter nach Osten und Süden. Mit dem Matterhorn Ultraks Extreme in Zermatt und dem Trofeo Kima im italienischen Val Masino stehen zwei Rennen auf dem Programm, die wie kaum andere für die ursprüngliche Idee des Skyrunnings stehen.
Gletscher, ausgesetzte Grate, hochalpines Gelände, technische Passagen und beim KIMA sogar Fixseile: Die Stationen 13 und 14 der Skyrunner World Series führen die Athleten mitten hinein in die spektakuläre Bergwelt der Alpen.
Matterhorn Ultraks Extreme: 27 Kilometer hochalpines Skyrunning
Den Auftakt macht am Freitag, 21. August, das Matterhorn Ultraks Extreme in Zermatt. Um 8:00 Uhr startet das Feld an der Ultraks Plaza zu einem der anspruchsvollsten Rennen über diese Distanz.
Seit 2019 gehört das EXTREME zur Skyrunner World Series und bildet die technisch anspruchsvolle Königsdistanz des Matterhorn Ultraks. Auf lediglich 27 Kilometern sammeln die Teilnehmer 3.175 Höhenmeter – Zahlen, die bereits erahnen lassen, wie kompromisslos die Strecke angelegt ist.
Bergseen, felsige Grate und hochalpines Gelände prägen den Kurs. Dazu kommt eine Gletscherpassage unmittelbar unterhalb der unverwechselbaren Kulisse des Matterhorns. Das Resultat ist ein Rennen, bei dem klassische läuferische Fähigkeiten allein nicht ausreichen. Trittsicherheit, Erfahrung im technischen Gelände und die Fähigkeit, auch in hochalpinen Passagen schnell zu bleiben, gehören zum Gesamtpaket.
Damit bietet das Ultraks Extreme einen Vorgeschmack auf das, was nur einen Tag später im Val Masino noch einmal in einer anderen Dimension wartet.
Trofeo Kima: Die Essenz des Skyrunnings
Am Samstag, 22. August, folgt im italienischen Val Masino mit dem Trofeo Kima eines der legendärsten Rennen der gesamten Skyrunning-Szene. Der Wettbewerb wird seit 2008 im Zweijahresrhythmus ausgetragen und führt über den berühmten Sentiero Roma.
Die nackten Zahlen sind beeindruckend: 52 Kilometer, rund 4.200 Höhenmeter im Uphill und ebenso viele im Downhill sowie sieben Pässe. Der gesamte Kurs bewegt sich in hochalpinem Gelände, die sieben Übergänge liegen auf über 2.500 Metern.
Doch Zahlen erzählen beim KIMA nur einen Teil der Geschichte. Moränen, Schneefelder, ausgesetzte Grate und technisch schwierige Passagen bestimmen den Charakter des Rennens. An Schlüsselstellen sorgen Fixseile für zusätzliche Sicherheit. Genau diese Mischung macht den Trofeo Kima seit Jahrzehnten zu einem der ursprünglichsten und spektakulärsten Skyrunning-Rennen überhaupt.
Nur 400 Startplätze für eine Skyrunning-Legende
Seit 1995 ist der Trofeo Kima eine feste Größe des internationalen Skyrunnings. Obwohl das Interesse weit größer ist, dürfen aus Sicherheitsgründen lediglich 400 Athleten starten.
Der Grund liegt im Charakter der Strecke. Das anspruchsvolle Gelände, die Fixseilpassagen und die gesetzlichen Vorgaben in Italien machen eine strikte Begrenzung des Teilnehmerfeldes notwendig. Entsprechend begehrt sind die Startplätze – und entsprechend hochklassig ist traditionell das Feld. 2026 gehört der KIMA erneut zur Skyrunner World Series. Sollte das Wetter eine sichere Durchführung am Samstag unmöglich machen, ist der Sonntag als Ausweichtermin vorgesehen.
Einen dieser raren Startplätze hat xc-run.de Athletin, Nana Buhl, ergattert, die für uns von diesem Rennen berichten wird.
Kilian Jornet: „Das spektakulärste Rennen der Welt“
Kaum ein Name ist so eng mit dem Trofeo Kima verbunden wie jener von Kilian Jornet. Der viermalige Sieger bezeichnete den KIMA als „das spektakulärste Rennen der Welt“.
Eine Aussage, die angesichts des Sentiero Roma nur wenig übertrieben erscheint. Das Rennen verkörpert wie kaum ein zweites die ursprüngliche Philosophie des Skyrunnings: schnell und möglichst direkt durch technisch anspruchsvolles Hochgebirge.
Auch sportlich hat der KIMA einige der großen Namen des Sports hervorgebracht. Bei der Ausgabe 2022 gewann der Schotte Finlay Wild in 6:05:54 Stunden. Bei den Frauen setzte sich Hillary Gerardi in der damaligen Rekordzeit von 7:30:38 Stunden durch.
Zwei Rennen, die im UTMB-Hype nicht untergehen dürfen
Natürlich wird sich in den kommenden Tagen nahezu alles um Chamonix drehen. Die Startlisten sind veröffentlicht, die Favoriten werden diskutiert und spätestens mit Beginn der UTMB-Woche befindet sich die Trailrunning-Welt im Ausnahmezustand.
Doch bevor der große Zirkus beginnt, lohnt sich der Blick nach Zermatt und ins Val Masino.
Matterhorn Ultraks Extreme und Trofeo Kima stehen für eine Spielart unseres Sports, die ihren ganz eigenen Reiz besitzt: technisch, kompromisslos, hochalpin und spektakulär. Zwei Rennen, bei denen nicht die möglichst lange Distanz im Mittelpunkt steht, sondern die Fähigkeit, sich schnell und sicher durch anspruchsvollstes Gebirge zu bewegen.
Freitag Zermatt. Samstag Val Masino. Zwei Skyrunning-Klassiker – und zwei Rennen, die selbst im beginnenden UTMB-Wahnsinn definitiv nicht vergessen werden sollten.
