Pitz Alpine Glacier Trail 2020: Der Pandemie getrotzt

Pitztal Alpine Glacier Trail 2019 © Michael Förster

Die Augen der gesamten deutschsprachigen Trailrunning-Welt richteten sich dieses Wochenende ins Pitztal. Nicht nur weil bei der 8. Auflage des Pitz Alpine Glacier Trail großer Sport geboten wurde, sondern vor allem weil es sich die Veranstalter in den Kopf gesetzt hatten das Event trotz Corona und hohen Hygieneauflagen durchzuziehen. Das Event und die getroffenen Maßnahmen können somit als Blaupause für sämtliche Trailrunningsveranstaltungen der verbleibenden Saison dienen.

Große Namen im Starterfeld

Der Veranstalter hielt am bewährten Konzept fest und setzte auf sechs verschiedene Bewerbe – vom 15k Einsteigertrail bis zum 105k Ultra. Vor allem der Glacier Trail über 45 Kilometer und knapp 3000 Höhenmeter zog die Eliteläufer an und so fand man – wohl auch durch Mangel an Alternativen – eine Startliste, die sich auch vor internationalen Top-Events nicht verstecken musste: Andreas Reiterer, Flo Reichert, Martin Mattle, Hannes Namberger (noch kurzfristig auf 105k gewechselt), Sanna und Lina El Kott Helander oder Susi Lell sind nur einige von ihnen.

Großer Trailsport in beeindruckender Bergwelt

Herausragend waren dabei sicherlich die Leistungen der drei erstplatzierten Männer (Reiterer, Reichert, Roach), die sich einen heißen Tanz durch die nächtliche Pitztaler Gletscherwelt lieferten. Bärenstark auch Hannes Namberger, der die Königsdistanz in 13:38h finishte und dabei nicht nur dem Zweitplatzierten Benjamin Bublak über zwei Stunden abnahm, sondern auch schneller war als der Erstplatzierte über die 90 Kilometer. Bei den 90 Kilometern stellt sich sicherlich die Frage nach dem sportlichen Wert dieses Bewerbs. Bei nur sechs männlichen und einer weiblichen Finisherin hätte man ihn auch mit den 105k zusammenlegen können.

Auch bei den Damen waren es drei Leistungen, die besonders hervorstachen: Marie-Luise Mühlhuber verbucht über die 60k einen souveränen Seriensieg, die El Kott Helander Zwillinge gehen gemeinsam mit großem Vorsprung über die Ziellinie des Glacier Trails und die frisch gebackene Rekordhalterin auf dem Tiroler Höhenweg, Stephanie Kröll, zeigt über die 30k, dass sie nicht nur ausdauernd ist, sondern auch extrem flote Beine hat. Sie belegte nach 3:18h nicht nur den ersten Platz der Frauen, sondern auch den zweiten Rang der Gesamtwertung!

Zu den Ergebnissen

Pandemie-Erkenntnisse

Als Vorreiter in Sachen Hygienekonzept hat man es mit Sicherheit am Schwersten und diese Aufgabe haben sie im Pitztal mit Bravour gemeistert. Schlüssige Regelungen und Sicherheitskonzepte machen den Pitz Alpine trotz Corona zu einem großartigen Event. Klar entfiel das Rahmenprogramm samt Nudelparty und Foodtrucks, aber beim Sport selbst fühlte man sich im Großen und Ganzen nicht eingeschränkt. Gestartet wurde in 50er Blöcken mit Mundschutz und fester Bodenmarkierung (1,5m Abstand), bei den Überholvorgängen nahm man Rücksicht auf den Mindestabstand. Die Verpflegungsstationen funktionierten reibungslos mit kurzer Handdesinfektion (was bei klebrigen Gelfingern eh nicht schadet), eigener Getränkeabfüllung und Faltschüsseln für das Essen. Nicht nur hygienisch top, sondern auch eine Verbesserung in Sachen Nachhaltigkeit und Müllvermeidung.

So richtig gefehlt hat mir eigentlich nur das gemeinsame Chillen bei Zielverpflegung und alkoholfreiem Bier – nach getaner Arbeit und bestem Wetter – im Zielbereich.