Preview CCC 2026: Offenes Rennen um den Sieg – starke deutsche Frauen greifen die Top 10 an - xc-run.de Trailrunning

Preview CCC 2026: Offenes Rennen um den Sieg – starke deutsche Frauen greifen die Top 10 an

Am Freitag wartet mit dem CCC die nächste große Entscheidung beim UTMB Mont-Blanc 2026. Über 101 Kilometer und 6.050 Höhenmeter führt die 100K-Finalstrecke von Courmayeur über Champex-Lac nach Chamonix. Während die beiden deutschen Elite-Männer Patrick Ehrenthaler und Janosch Kowalczyk ihre Starts absagen mussten, ist Deutschland bei den Frauen gleich mit mehreren aussichtsreichen Athletinnen vertreten. An der Spitze verspricht das ungewöhnlich offene Feld einen spannenden Kampf um den Sieg.

CCC: Der große 100K-Klassiker von Courmayeur nach Chamonix

Start: Freitag, 28. August 2026, ab 9:00 Uhr in Courmayeur
Distanz: 101 km | 6.050 hm+

Längst ist der CCC aus dem Schatten seiner großen Schwester UTMB herausgetreten. Das Rennen von Courmayeur über Champex-Lac nach Chamonix bildet das Finale der 100K-Kategorie der UTMB World Series und gehört zu den prestigeträchtigsten Trailrennen dieser Distanz. Am Freitagmorgen um 9:00 Uhr fällt in Courmayeur der Startschuss für die 101 Kilometer und 6.050 Höhenmeter.

Die Strecke folgt im Wesentlichen der zweiten Hälfte des UTMB-Kurses. Von Courmayeur geht es zunächst hinauf in Richtung Bertone und Arnouvaz, ehe mit dem Grand Col Ferret der Übergang in die Schweiz wartet. Über La Fouly und Champex-Lac führt die Strecke weiter nach Trient. Nach Vallorcine und dem Wechsel nach Frankreich wartet die letzte entscheidende Phase Richtung Chamonix. Gerade auf den letzten 30 Kilometern wurde der CCC in der Vergangenheit immer wieder komplett auf den Kopf gestellt.

Männer: Minoggio und Roubiol führen ein extrem ausgeglichenes Feld an

Anders als in manchem Jahr fehlt 2026 vielleicht der eine alles überstrahlende Superstar. An Qualität mangelt es dem Männerfeld deshalb allerdings keineswegs. Auf dem Papier führen Cristian Minoggio und Benjamin Roubiol mit einem 100K-Index von jeweils 943 das Feld an. Dahinter folgen unter anderem Guangfu Meng, Andrzej Witek, Daniel Jones, Adam Peterman, Peter Fraňo, Nadir Maguet, Eli Hemming und Thomas Cardin.

Besonders interessant ist Cristian Minoggio. Der Italiener sorgte beim OCC 2025 für eine der spektakulärsten Geschichten der gesamten UTMB-Woche. In der Schlussphase übernahm er sogar die Führung vor Jim Walmsley und sah bereits wie der mögliche Sensationssieger aus. Erst wenige Kilometer vor Chamonix holte Walmsley ihn wieder ein. Nach 61 Kilometern trennten beide im Ziel gerade einmal 20 Sekunden: Walmsley gewann in 5:00:35 Stunden vor Minoggio in 5:00:55 Stunden.

Dass Minoggio auch die längere Distanz liegt, bewies er nur einen Monat später bei den Weltmeisterschaften 2025 in Canfranc. Über 81 Kilometer und mehr als 5.400 Höhenmeter wurde er Vierter – erneut hinter Weltmeister Jim Walmsley.

Mit Benjamin Roubiol steht ihm einer der erfolgreichsten Long-Trail-Läufer der vergangenen Jahre gegenüber. Der Franzose wurde 2023 in Innsbruck Weltmeister auf der Langdistanz und holte 2025 in Canfranc hinter Walmsley gemeinsam mit Louison Coiffet WM-Silber. Dazwischen wurde er 2024 zudem Vize-Europameister.

Doch die Favoritenliste endet dort noch lange nicht. Andrzej Witek stand beim OCC 2025 als Dritter auf dem Podium, Daniel Jones bringt ebenso enormes Tempo mit wie Eli Hemming, während Adam Peterman spätestens seit seinem Sieg beim Western States 2022 zu den bekannten Namen der internationalen Ultraszene gehört. Dazu kommen mit Nadir Maguet, Peter Fraňo, Guangfu Meng oder Thomas Cardin weitere Läufer, denen an einem guten Tag der Sprung ganz nach vorne zuzutrauen ist. Gerade weil der klare Topfavorit fehlt, könnte der CCC 2026 eines der offensten Rennen der vergangenen Jahre werden.

Deutsches Männer-Duo muss passen

Aus deutscher Sicht gibt es dagegen bereits vor dem Start schlechte Nachrichten. Patrick Ehrenthaler und Janosch Kowalczyk, die beiden deutschen Läufer im Elitefeld, mussten ihre geplanten Starts beim CCC absagen. Damit fehlt Deutschland bei den Männern in der erweiterten internationalen Spitze.

Besonders schade ist das auch mit Blick auf Kowalczyk, der mit einem 100K-Index von 862 im Elitefeld geführt wurde. Die deutschen Hoffnungen auf eine vordere Platzierung ruhen damit beim CCC vor allem auf den Frauen.

Frauen: Jennifer Lichter ist Favoritin – aber gleich drei ehemalige UTMB-Siegerinnen lauern

Auf dem Papier geht Jennifer Lichter als Nummer eins ins Rennen. Die US-Amerikanerin besitzt mit 850 den höchsten 100K-Index des gemeldeten Frauenfeldes. Ein Selbstläufer dürfte der CCC für sie aber keineswegs werden. Hinter ihr stehen gleich mehrere Läuferinnen, die rund um den Mont Blanc bereits bewiesen haben, dass sie große Rennen gewinnen können.

Allen voran Miao Yao. Die Chinesin gewann bereits 2018 den CCC und kehrte in den vergangenen Jahren äußerst erfolgreich auf die kürzere OCC-Distanz zurück. 2024 gewann sie den OCC, 2025 wurde sie nach der nachträglichen Disqualifikation der zunächst Erstplatzierten erneut als Siegerin geführt. Damit hat Yao inzwischen drei Siege bei den großen UTMB-Rennen in ihrer Vita.

Auch Yngvild Kaspersen weiß exakt, wie man von Courmayeur nach Chamonix gewinnt. Die Norwegerin triumphierte beim CCC 2023 in 11:51:22 Stunden. Nach ihrem DNF beim Western States Ende Juni steht allerdings ein kleines Fragezeichen hinter ihrer aktuellen Form über 100 Kilometer.

Die dritte ehemalige Siegerin im Bunde ist Toni McCann. Die Südafrikanerin gewann den CCC 2024 und unterstrich erst Ende Mai 2026 mit ihrem Sieg über die 100 Kilometer der MaXi-Race rund um den Lac d’Annecy, dass sie auf der langen Distanz hervorragend zurechtkommt.

Lichter mag damit anhand des Index die Frau sein, an der sich die Konkurrenz orientieren muss. Mit Yao, Kaspersen und McCann stehen ihr jedoch drei Athletinnen gegenüber, die beim UTMB Mont-Blanc bereits große Siege gefeiert haben. Dazu kommen Caitlin Fielder, Honoka Akiyama, Fabiola Conti, Emily Hawgood oder Theres Leboeuf. Die Voraussetzungen für ein äußerst offenes Frauenrennen könnten kaum besser sein.

Starkes deutsches Frauen-Quartett mit Top-20-Chancen

Erfreulich stark präsentiert sich das deutsche Elitefeld bei den Frauen. Gleich mehrere Athletinnen dürfen sich realistische Chancen auf einen Platz zwischen den Top 10 und Top 20 ausrechnen.

Nach UTMB Index am höchsten eingestuft ist Juliane Rössler mit einem 100K-Wert von 734. Praktisch auf Augenhöhe folgt Lena Laukner mit 732. Laukner hat ihre Klasse in dieser Saison bereits eindrucksvoll bewiesen und gewann beim Zugspitz Ultratrail die 44-Kilometer-Distanz. Der Schritt auf die 100 Kilometer des CCC ist allerdings eine völlig andere Aufgabe.

Nur wenig dahinter folgt Miria Meinheit mit einem Index von 722. Auch sie bewegt sich damit in einem Bereich, in dem bei einem optimalen Rennverlauf eine Platzierung weit vorne möglich ist. Komplettiert wird das starke deutsche Aufgebot durch Sonja Kinna. Ihr aktueller 100K-Index liegt zwar bei 703, der Gesamtindex von 736 zeigt aber ebenfalls ihr Potenzial.

Gemessen an der reinen Papierform wären Platzierungen zwischen zehn und 20 für die deutschen Frauen bereits starke Ergebnisse. Doch gerade über 101 Kilometer haben Indizes nur begrenzte Aussagekraft. Renneinteilung, Ernährung, Wetter und die Fähigkeit, nach Champex und Trient noch einmal zuzulegen, entscheiden beim CCC häufig mehr als die Ausgangsposition auf der Favoritenliste. Läuft alles zusammen, ist deshalb auch eine Überraschung in Richtung Top 10 nicht ausgeschlossen.

Ein Rennen ohne klare Hierarchie

Genau darin liegt 2026 der besondere Reiz des CCC. Bei den Männern treffen mit Minoggio und Roubiol zwei Athleten aufeinander, die 2025 bei Weltmeisterschaft und OCC unmittelbar hinter Jim Walmsley zur absoluten Weltspitze gehörten. Dahinter ist die Leistungsdichte enorm. Bei den Frauen bekommt die nominelle Favoritin Jennifer Lichter Konkurrenz von drei Athletinnen, die bereits wissen, wie sich ein großer Sieg in Chamonix anfühlt.

Und aus deutscher Sicht lohnt sich vor allem der Blick auf Rössler, Laukner, Meinheit und Kinna. Nach den Absagen von Patrick Ehrenthaler und Janosch Kowalczyk sind es die deutschen Frauen, die beim 100K-Finale für die Akzente sorgen könnten.

Der Start erfolgt am Freitag, 28. August, um 9:00 Uhr in Courmayeur. Die ersten Männer werden laut offiziellem Programm gegen 19:00 Uhr, die erste Frau gegen 20:45 Uhr in Chamonix erwartet.

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