Philemon Kiriago und Mădălina Florea gewinnen die 53. Ausgabe von Sierre-Zinal. Während Kiriago mit seinem dritten Triumph endgültig zum Dominator des Schweizer Klassikers wird, setzt Florea ihre beeindruckende Saison mit dem nächsten großen Sieg fort. Aus deutscher Sicht sorgen Hanna Gröber und Laura Hottenrott mit zwei Top-10-Platzierungen für ein Ausrufezeichen.
Ein würdiges Rennen in der „Kathedrale des Trailrunnings“
31 Kilometer, rund 2.200 Höhenmeter und eine Geschichte, die bis ins Jahr 1974 zurückreicht: Sierre-Zinal gehört zu den Rennen, bei denen ein Sieg weit über die Punkte für die Golden Trail World Series hinausgeht. Bei der 53. Ausgabe des „Race of the Five 4,000-Metre Peaks“ lieferten sich die besten Berg- und Trailläufer der Welt erneut hochklassige Duelle auf dem traditionsreichen Weg von Sierre nach Zinal.
Am Ende setzten sich zwei Athleten durch, die bereits vor dem Rennen ganz oben auf der Favoritenliste standen: Philemon Kiriago aus Kenia und Mădălina Florea aus Rumänien. Während Kiriago seinen dritten Sieg beim Schweizer Klassiker feierte, krönte Florea ihre bislang herausragende Saison mit einem der prestigeträchtigsten Erfolge im internationalen Trailrunning.
Frauen: Florea setzt ihren Siegeszug fort
Mădălina Florea (Team Scott) ist derzeit nur schwer zu schlagen. Nach ihren Erfolgen beim Québec Mega Trail und nur eine Woche zuvor beim Salomon Pitz Alpine Glacier Trail gewann die Rumänin nun auch Sierre-Zinal. Dabei entwickelte sich an der Spitze ein äußerst enges Rennen. Florea erreichte Ponchette nach 58:18 Minuten nahezu zeitgleich mit Titelverteidigerin Caroline Kimutai, die dort lediglich zwei Sekunden hinter ihr lag. Auch Morven Goodrum war mit 57:36 Minuten zu diesem Zeitpunkt sogar noch schneller unterwegs.
Auf den folgenden schnellen und laufbaren Kilometern spielte Florea jedoch ihre derzeit beeindruckende Mischung aus Ausdauer, Geschwindigkeit und Downhill-Stärke aus. Nach 2:55:46,1 Stunden erreichte sie als Siegerin Zinal. Gerade einmal 45,8 Sekunden später folgte Caroline Kimutai (Salomon) in 2:56:31,9 Stunden. Die Britin Morven Goodrum bestätigte ihre starke Leistung und komplettierte in 2:57:15,8 Stunden mit 1:29 Minuten Rückstand das Podium. Damit blieben gleich sechs Athletinnen unter der Drei-Stunden-Marke.
Goodrum überrascht – Liaci und Brinkman in den Top Five
Hinter dem Spitzentrio zeigte Oria Liaci einmal mehr, dass ihr das spezielle Profil von Sierre-Zinal hervorragend liegt. Die Schweizerin belegte in 2:58:38,2 Stunden wie bereits im Vorjahr Rang vier. Nur knapp dahinter folgte die Niederländerin Nienke Brinkman. Nach mehreren schwierigen Jahren und einer Rückkehr nach langen Verletzungsproblemen gelang ihr mit Platz fünf in 2:58:55,1 Stunden ein weiteres starkes Ergebnis. Anna Gibson aus den USA machte die Gruppe der Athletinnen unter drei Stunden komplett und wurde in 2:59:22,7 Stunden Sechste. Ruth Gitonga, eine Woche zuvor noch Zweite hinter Florea beim Pitz Alpine Glacier Trail, musste sich diesmal mit Rang sieben begnügen.
Hanna Gröber und Laura Hottenrott glänzen in Weltklassefeld
Aus deutscher Sicht wurde Sierre-Zinal 2026 zu einem bemerkenswert erfolgreichen Rennen. Mit Hanna Gröber und Laura Hottenrott schafften gleich zwei deutsche Läuferinnen den Sprung in die Top Ten – und das in einem Frauenfeld, das kaum stärker hätte besetzt sein können.
Besonders stark präsentierte sich Hanna Gröber. Die deutsche Europameisterin im Up & Down erreichte nach 3:02:03,4 Stunden den achten Gesamtrang. Damit bestätigte sie ihre hervorragende Saison und zeigte erneut, dass sie mittlerweile auch gegen die absolute internationale Spitze bestehen kann. Nur 9,1 Sekunden hinter Gröber erreichte die junge Kenianerin Miriam Chepkirui das Ziel.
Auch Laura Hottenrott (Asics Trail) lieferte ein starkes Rennen. Die deutsche Marathon-Olympiateilnehmerin überquerte nach 3:03:32,1 Stunden als Zehnte die Ziellinie und sorgte damit für die zweite deutsche Top-10-Platzierung. Die Dimension dieser beiden Leistungen zeigt ein Blick auf die Namen direkt dahinter: Sara Alonso, Dritte bei Zegama-Aizkorri 2026 und eine der weltbesten Trailrunnerinnen, musste sich mit Rang elf begnügen. Noch überraschender war das Abschneiden von Maude Mathys. Die vierfache Sierre-Zinal-Siegerin und Streckenrekordhalterin kam diesmal in 3:04:07,1 Stunden nicht über Platz zwölf hinaus.
Damit ließen sowohl Gröber als auch Hottenrott zwei der prominentesten Namen des internationalen Trailrunnings hinter sich.
Top 10 Frauen
- Mădălina Florea (ROU/Team Scott) – 2:55:46,1 h
- Caroline Kimutai (KEN/Salomon) – 2:56:31,9 h
- Morven Goodrum (GBR) – 2:57:15,8 h
- Oria Liaci (SUI/Brooks) – 2:58:38,2 h
- Nienke Brinkman (NED/ACG) – 2:58:55,1 h
- Anna Gibson (USA/Brooks) – 2:59:22,7 h
- Ruth Gitonga (KEN/Run2Gether On Trail) – 3:00:11,5 h
- Hanna Gröber (GER) – 3:02:03,4 h
- Miriam Chepkirui (KEN) – 3:02:12,5 h
- Laura Hottenrott (GER/Asics Trail) – 3:03:32,1 h
Männer: Kiriago wird seinem Favoritenstatus gerecht
Bei den Männern setzte sich einmal mehr der Spezialist für Sierre-Zinal durch. Philemon Kiriago (Run2Gether On Trail) gewann nach 2023 und 2025 zum dritten Mal den traditionsreichen Klassiker. Und der Kenianer tat dies in einer beeindruckenden Zeit. Nach 2:26:24,0 Stunden überquerte Kiriago die Ziellinie und blieb damit nur 50 Sekunden über dem 2024 von Kilian Jornet aufgestellten Streckenrekord von 2:25:34 Stunden.
Dabei hatte zunächst sein Teamkollege Patrick Kipngeno am Berg das Tempo bestimmt. Ponchette erreichte Kipngeno bereits nach 50:04,1 Minuten, während Kiriago zu diesem Zeitpunkt mit 50:48,7 Minuten noch rund 45 Sekunden zurücklag. Doch Sierre-Zinal wird nicht allein am ersten Anstieg gewonnen. Auf den schnellen Höhenwegen und im entscheidenden Downhill Richtung Zinal drehte Kiriago das Rennen. Kipngeno hielt dagegen, konnte seinen Teamkollegen letztlich aber nicht mehr stoppen. Nach einem hochklassigen Duell trennten die beiden im Ziel lediglich 32,3 Sekunden.
Elazzaoui fehlt in den Topplatzierungen
Hinter der kenianischen Phalanx sorgte Jacob Adkin für ein starkes europäisches Ergebnis. Der Brite war bereits in Ponchette nach 49:46 Minuten der Schnellste des gesamten Spitzenfeldes und hatte den ersten langen Anstieg entsprechend offensiv gestaltet. Auf den folgenden Kilometern musste er die drei Run2Gether-Athleten jedoch passieren lassen.
In 2:30:49,6 Stunden belegte Adkin dennoch einen hervorragenden vierten Platz. Nur neun Sekunden dahinter wurde Timothy Kibett Fünfter. Christian Allen aus den USA folgte auf Rang sechs vor Paul Machoka. Mit Jonathan Camilo Castillo Sáenz, Richard Omaya Atuya und Brayan Rodríguez Flores komplettierten drei weitere Athleten innerhalb von lediglich 41 Sekunden die Plätze acht bis zehn. Die enorme Leistungsdichte zeigte sich auch dahinter: Alain Santamaría wurde Elfter, Sylvain Cachard Zwölfter und Zegama-Zweiter Daniel Pattis musste sich diesmal mit Platz 13 zufriedengeben.
Eine der auffälligsten Geschichten des Männerrennens ist gleichzeitig ein Name, der in der Spitzengruppe der Ergebnisliste fehlt: Elhousine Elazzaoui. Der Marokkaner war als Gesamtführender der Golden Trail World Series und mit drei Saisonsiegen – bei Zegama-Aizkorri, Ledro Sky Trentino und nur eine Woche zuvor beim Pitz Alpine Glacier Trail – nach Sierre-Zinal gereist. In den von uns vorliegenden Top-Ergebnissen taucht er jedoch nicht auf. Damit konnte er seine starke Form diesmal nicht in ein Spitzenergebnis beim Schweizer Klassiker umsetzen.
Bei den deutschen Männern war Julius Ott am weitesten vorne zu finden. Der für hpc-trimaster / runninGraz startende Deutsche erreichte das Ziel nach 2:43:32,9 Stunden.
Top 10 Männer
- Philemon Kiriago (KEN/Run2Gether On Trail) – 2:26:24,0 h
- Patrick Kipngeno (KEN/Run2Gether On Trail) – 2:26:56,3 h
- Michael Selelo Saoli (KEN/Run2Gether On Trail) – 2:29:36,3 h
- Jacob Adkin (GBR/New Balance) – 2:30:49,6 h
- Timothy Kibett (KEN/Salomon) – 2:30:58,8 h
- Christian Allen (USA/Nike ACG) – 2:31:14,0 h
- Paul Machoka (KEN) – 2:31:55,3 h
- Jonathan Camilo Castillo Sáenz – 2:31:58,6 h
- Richard Omaya Atuya (KEN/Run2Gether On Trail) – 2:32:05,0 h
- Brayan Rodríguez Flores – 2:32:30,8 h
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