Während sich beim UTMB, CCC und OCC die absolute Weltelite versammelt, steht die TDS traditionell etwas weniger im Rampenlicht – sportlich anspruchsvoll ist sie deshalb keineswegs. In der Nacht von Montag auf Dienstag wartet auf die Teilnehmer ein technisch anspruchsvoller Ultra durch das Aostatal und den Beaufortain. Aus DACH-Sicht verspricht vor allem das Frauenrennen Spannung: Mit Ida-Sophie Hegemann, Eva Maria Sperger, Sylvie Geissler und Esther Fellhofer stehen gleich mehrere Athletinnen mit Chancen auf eine vordere Platzierung am Start.
Die wilde Schwester des UTMB
Wenn am Montag, den 24. August, die UTMB-Woche endgültig Fahrt aufnimmt, gehört die Nacht der TDS. Um 23:50 Uhr fällt in Courmayeur der Startschuss. Von dort führt „Sur les Traces des Ducs de Savoie“ durch das Aostatal und über den Beaufortain in Richtung französische Alpen. Der Veranstalter gibt die aktuelle Strecke mit rund 150 Kilometern und 9.500 Höhenmetern an, die maximale Laufzeit beträgt 44:55 Stunden.
Die TDS gilt seit Jahren als die wilde und technisch anspruchsvolle Alternative zum klassischen UTMB. Statt auf weiten Teilen der bekannten Mont-Blanc-Runde führt die Strecke durch deutlich abgelegenere Regionen. Zu den markanten Passagen zählen unter anderem der Pas d’Outray sowie die Trails rund um Hauteluce im Beaufortain.
Gerade die Kombination aus Distanz, fast 10.000 Höhenmetern und technisch anspruchsvollem Gelände macht die TDS zu einem Rennen, bei dem reine Laufstärke alleine kaum ausreicht. Erfahrung, Renneinteilung und die Fähigkeit, auch nach vielen Stunden auf schwierigem Untergrund konzentriert zu bleiben, dürften entscheidend werden.
Ein Elitefeld ohne die ganz großen Namen
Ehrlicherweise muss man feststellen, dass das Leistungsniveau der TDS 2026 deutlich unter dem der drei Hauptrennen UTMB, CCC und OCC liegt. Das ist wenig überraschend, schließlich konzentriert sich die internationale Spitze auf die Finals der UTMB World Series.
Bei den Frauen fehlt die ganz große Favoritin. Keine der gemeldeten Läuferinnen erreicht im 100M Index die Marke von 800 Punkten. Ragna Debats liegt hier mit 752 Punkten vorne, gefolgt von Johanna Antila und Alyssa Clark. Anna Tarasova bringt dagegen mit 804 Punkten den höchsten allgemeinen UTMB Index des Frauenfeldes mit.
Ähnlich offen erscheint die Situation bei den Männern. Tyler Green ist mit einem 100M Index von 893 Punkten einer der stärksten ausgewiesenen Ultraläufer im Feld, während Louison Coiffet mit einem allgemeinen UTMB Index von 947 Punkten den höchsten Wert der gesamten Startliste besitzt.
Die fehlenden Superstars müssen dabei keineswegs ein Nachteil für das Rennen sein. Im Gegenteil: Die Ausgangslage ist schwer vorherzusagen und bietet einer ganzen Reihe von Athleten die Möglichkeit, auf einer der größten Bühnen des Trailrunnings um den Sieg mitzulaufen.
Ida-Sophie Hegemann hat mit der TDS noch eine Rechnung offen
Aus deutscher Sicht fällt der Blick im Frauenrennen unweigerlich auf Ida-Sophie Hegemann. Die Athletin von The North Face gehört grundsätzlich zu den stärksten Läuferinnen im Feld und dürfte bei einem guten Rennverlauf um die vorderen Positionen kämpfen.
Mit der TDS hat Hegemann zudem noch eine Rechnung offen. Mehrmals versuchte sie sich bereits an diesem Rennen, musste ihre Starts jedoch verletzungsbedingt vorzeitig beenden. Entsprechend groß dürfte die Motivation sein, die TDS dieses Mal nicht nur erfolgreich zu finishen, sondern ihr tatsächliches Leistungsvermögen auf dieser Strecke zu zeigen.
Dass ihr die Kombination aus langen Distanzen und technisch anspruchsvollem Gelände grundsätzlich liegt, steht außer Frage. Bei 150 Kilometern und mehr als 9.000 Höhenmetern zählt allerdings vor allem eines: gesund und mit genügend Reserven durch die entscheidende zweite Rennhälfte zu kommen.
Fragezeichen hinter Eva Maria Sperger
Mit Eva Maria Sperger steht eine zweite deutsche Athletin am Start, die in Normalform ebenfalls weit vorne landen kann. Die erfahrene Salomon-Läuferin bringt genau jene Eigenschaften mit, die bei der TDS gefragt sind: Erfahrung auf langen Distanzen, Stärke im alpinen Gelände und die nötige Geduld für Rennen, die sich erst nach vielen Stunden entscheiden.
Hinter ihrer aktuellen Form steht allerdings ein kleines Fragezeichen. Verletzungsbedingt war Sperger zuletzt nur bei vergleichsweise wenigen Wettkämpfen zu sehen. Wie gut sie ihre Form abseits der Rennen aufbauen konnte und wie belastbar sie über die lange TDS-Distanz bereits wieder ist, wird sich vermutlich erst im Rennverlauf zeigen.
Sollte sie gesund und in guter Verfassung an der Startlinie stehen, gehört sie dennoch zu den Athletinnen, die man im Kampf um die Spitzenpositionen auf der Rechnung haben sollte.
Weitere DACH-Chancen mit Geissler und Fellhofer
Das deutsche Aufgebot beschränkt sich nicht auf Hegemann und Sperger. Mit Sylvie Geissler vom Craft Elite Run Team Germany steht eine weitere interessante Läuferin auf der Elite-Startliste. Sie zählt auf dem Papier zwar nicht zum engsten Favoritenkreis, besitzt bei einem Rennen dieser Länge aber durchaus Möglichkeiten, sich weit vorne zu platzieren.
Für Österreich geht Esther Fellhofer vom ASICS Trail Team ins Rennen. Auch sie bewegt sich leistungsmäßig in einem Bereich, der bei einem optimalen Rennverlauf eine starke Platzierung ermöglicht. Gerade weil das Feld keine alles überragende Favoritin besitzt, könnten sich im Laufe der vielen Rennstunden Möglichkeiten ergeben.
Debats führt ein ausgeglichenes Frauenfeld an
International gehört Ragna Debats zu den bekanntesten Namen der Startliste. Die Niederländerin bringt reichlich Erfahrung mit und dürfte zu den Kandidatinnen auf den Sieg zählen. Mit Johanna Antila aus Finnland und der US-Amerikanerin Alyssa Clark stehen zwei weitere starke Ultraläuferinnen am Start.
Dazu kommen unter anderem Sarah Vieuille aus Frankreich, Lea Mulligan aus den USA, Aurore Dacier, Alice Meignié und Annie Hughes. Auch Anna Tarasova ist aufgrund ihrer bisherigen Leistungen zu beachten.
Eine klare Favoritin drängt sich allerdings nicht auf. Genau das könnte für ein interessantes Rennen sorgen, in dem sich die Kräfteverhältnisse erst nach vielen Stunden herauskristallisieren.
Tyler Green gegen eine starke französische Fraktion
Bei den Männern gehört Tyler Green zu den prominentesten Namen. Der US-Amerikaner bringt reichlich Erfahrung auf langen Distanzen mit und dürfte bei einem problemlosen Rennverlauf weit vorne zu erwarten sein.
Große Konkurrenz kommt beim TDS traditionell aus Frankreich. Louison Coiffet besitzt den höchsten UTMB Index des gesamten Feldes und bringt enorme läuferische Qualität mit. Remy Brassac, Paul Creuzet, Fabien Feutrier und Nicolas Court sorgen zusätzlich für eine starke französische Fraktion.
Interessant sind außerdem Clovis Chaverot, der Italiener Gionata Cogliati und der Norweger Stian Dahl Sommerseth. Mit Scotty Hawker steht zudem ein äußerst erfahrener Neuseeländer auf der Startliste, der weiß, wie man lange und schwierige Ultras einteilt.
Eine große Chance auf einer der wichtigsten Bühnen
Die TDS 2026 besitzt vielleicht nicht das spektakulärste Elitefeld der UTMB-Woche. Dafür könnte sie eines der offensten Rennen bieten. Die Strecke ist schwer genug, um Ranglisten und Favoritenrollen schnell bedeutungslos werden zu lassen. Auf 150,5 Kilometern mit 9.305 Höhenmetern werden ohnehin andere Qualitäten entscheidend.
Aus DACH-Sicht macht vor allem das Frauenrennen neugierig. Ida-Sophie Hegemann möchte endlich ihre offene Rechnung mit der TDS begleichen. Eva Maria Sperger besitzt die Erfahrung für ein Topresultat, muss nach ihrer verletzungsbedingt wettkampfarmen Zeit aber zunächst zeigen, wo sie aktuell steht. Dahinter lauern mit Sylvie Geissler und Esther Fellhofer weitere starke Athletinnen.
Es ist damit vielleicht nicht das hochkarätigste Rennen der Woche – aber eines, bei dem vor dem Start besonders viele Fragen offen sind. Und genau das könnte die TDS 2026 ausgesprochen spannend machen.