Katharina Hartmuth sorgt beim TOR330 – Tor des Géants für die nächste außergewöhnliche Vorstellung. Die deutsche Titelverteidigerin dominiert nicht nur das Frauenrennen, sondern liegt nach rund 190 Kilometern sensationell auf Rang drei der Gesamtwertung. Gleichzeitig ist sie deutlich schneller unterwegs als bei ihrem Streckenrekord aus dem Jahr 2024. An der Spitze liefert sich Jiaju Zhao mit Jonathan Schindler einen packenden Kampf.
Hartmuth auf historischem Kurs
Was Katharina Hartmuth derzeit beim TOR330 – Tor des Géants zeigt, sprengt selbst für dieses außergewöhnliche Rennen die üblichen Maßstäbe. Die Siegerin von 2024 führt das Frauenrennen souverän an und mischt gleichzeitig ganz vorne im Gesamtklassement mit.
In Pontboset lag Hartmuth auf Rang drei overall – und lediglich fünf Minuten hinter dem zweitplatzierten Jonathan Schindler. Noch beeindruckender ist der Vergleich mit ihrem eigenen Rekordrennen: In Sassa war die Deutsche rund drei Stunden schneller als bei ihrem Sieg 2024.
Damit jagt Hartmuth gleich zwei historische Ziele: ihren zweiten Sieg beim TOR330 und einen Platz auf dem Gesamtpodium. Laut Veranstalter ist es noch keiner Frau gelungen, beim Tor des Géants unter die ersten drei der Gesamtwertung zu laufen.
Pasta, ein paar Minuten Schlaf – und weiter
Wie schmal der Grat zwischen maximaler Leistung und notwendiger Erholung bei einem Rennen dieser Dimension ist, zeigte sich an der Life Base in Donnas. Hartmuth gönnte sich dort ihre obligatorische Portion Pasta und anschließend einige Minuten Schlaf – den Kopf auf den Tisch gelegt. Wegen der Feuchtigkeit an den Füßen diskutierte sie zudem mit ihrem Betreuer über einen Sockenwechsel.
Dann ging es weiter. Mehr als 150 Kilometer lagen zu diesem Zeitpunkt bereits hinter ihr – und dennoch befand sie sich mitten im Kampf mit der absoluten Weltspitze der Männer.
Jiaju Zhao jagt den Streckenrekord
An der Spitze des Männerfeldes bestimmt Jiaju Zhao weiterhin das Tempo. Der Chinese absolvierte die komplette erste Nacht ohne Schlaf und erreichte gemeinsam mit Jonathan Schindler kurz nach 2 Uhr die Life Base in Cogne. Beide hielten sich dort nur kurz auf, ehe Zhao das Tempo erhöhte.
Donnas erreichte er um 8:35 Uhr und verließ die Station bereits zwölf Minuten später. In Pontboset hatte er seinen Vorsprung auf Schindler auf fast 1:40 Stunden ausgebaut und lag nahezu eine Stunde vor dem Rekordsplit von Victor Richard aus dem Vorjahr.
Doch Schindler kämpfte sich zurück. Am Rifugio Barma betrug der Abstand noch 45 Minuten, am Colle della Vecchia nach 184 Kilometern sogar nur noch 27 Minuten. Zhao konnte im anschließenden Downhill wieder etwas Boden gutmachen und lag bei La Gruba nach rund 190 Kilometern 33 Minuten vorne.
Die zweite Nacht dürfte nun entscheidend werden.
Zhang Zweite – enger Kampf um Rang drei der Frauen
Hinter der überragenden Hartmuth ist das Frauenrennen deutlich enger. Huiping Zhang erreichte Donnas um 14:21 Uhr als Zweite. Dahinter kämpfen Claire Bannwarth und Manuela Vilaseca um den dritten Platz. In Pontboset trennte die beiden lediglich eine Minute.
Vor allem Vilaseca arbeitete sich im Rennverlauf weit nach vorne und überholte unter anderem Mika Thewes sowie Sabrina Verjee.
Zahlreiche Favoriten bereits ausgeschieden
Der TOR330 fordert unterdessen seinen Tribut. Die erste Nacht und der zweite Renntag sorgten für eine ganze Reihe prominenter Ausfälle. Der Österreicher Florian Grasel musste bereits in Rhêmes aufgeben.
Auch Simone Corsini, Avery Collins, Kim Collison, Aleš Frlic und Christian Meier sind nicht mehr im Rennen. Corsini wurde erneut von Knieproblemen gestoppt, die bereits zu seinem Aus beim UTMB geführt hatten.
Bei den Frauen traf es mit Lisa Borzani eine der erfolgreichsten Athletinnen der TOR-Geschichte. Die Siegerin von 2016 und 2017 sowie Zweite des Vorjahres musste in Cogne aufgrund von Magenproblemen aufgeben. Auch Sabrina Verjee, TOR330-Siegerin von 2022 und 2024 Zweite hinter Hartmuth, beendete ihr Rennen in Champorcher.
TOR450: Franco Collé dominiert weiter
Beim TOR450 – Tor des Glaciers bleibt Franco Collé das Maß der Dinge. Der Lokalmatador erreichte am vierten Renntag um 17 Uhr die Life Base in Gressoney und gönnte sich dort eine rund einstündige Pause.
François Devaux liegt bereits mehr als fünf Stunden zurück. Dahinter folgen Alessandro Roncato sowie Volker Fohrmeister und Jean Claude Letellier.
Bei den Frauen führt Kaitlin Allen vor Amy Sproston. Der Abstand betrug am Rifugio Alpe Bonze rund eineinhalb Stunden. Dahinter folgen Céline Rouquié, Sarah Hansel und Ievgeniia Trygub. Noch 16 Frauen befinden sich im Rennen.
TOR130 startet am Dienstagabend
Während sich TOR330 und TOR450 langsam ihrer entscheidenden Phase nähern, beginnt das nächste Rennen der TORX-Woche. Am Dienstag um 21 Uhr startet in Gressoney-Saint-Jean der TOR130 – Tot Dret.
Rund 500 Läufer nehmen die 130 Kilometer und 12.000 Höhenmeter bis Courmayeur in Angriff. Die maximale Laufzeit beträgt lediglich 44 Stunden – entsprechend hoch ist traditionell die Ausfallquote.
Besonders spannend: Mit Victor Richard steht der TOR330-Sieger und Streckenrekordhalter des Vorjahres am Start. Nach ITRA-Index zählen außerdem Li Ke, Francesco Cucco und Yann Bessard zu den stärksten Athleten. Bei den Frauen führen Stephanie Howe, Olga Łyjak, Marine Charnet und Lara Emmrich die Liste der Favoritinnen an.
Die Streckenrekorde stammen aus dem Jahr 2024: Gionata Cogliati benötigte 21:10:09 Stunden, Fabiola Conti 22:53:24 Stunden.
