Western States 100: Bouillard und Lichter laufen zu Streckenrekorden – Lotti Brinks glänzt mit Platz fünf - xc-run.de Trailrunning

Western States 100: Bouillard und Lichter laufen zu Streckenrekorden – Lotti Brinks glänzt mit Platz fünf

Der 2026 Western States 100 hat Trailrunning-Geschichte geschrieben. Bei ungewöhnlich kühlen Bedingungen stellten sowohl Vincent Bouillard als auch Jennifer Lichter neue Streckenrekorde auf. Aus deutscher Sicht überzeugte vor allem Lotti Brinks mit einem starken fünften Platz gegen eines der hochkarätigsten Frauenfelder der Rennhistorie.

Streckenrekorde beim prestigeträchtigsten 100-Meilen-Rennen der Welt

Der Western States 100 hat seinem Ruf als eines der bedeutendsten Trailrunning-Rennen der Welt erneut alle Ehre gemacht. Die 2026er-Ausgabe entwickelte sich dank außergewöhnlich kühler Temperaturen zu einem historischen Rennen, bei dem sowohl Jennifer Lichter als auch Vincent Bouillard die bisherigen Streckenrekorde unterboten. Während Bouillard den Männerrekord von Jim Walmsley gleich um über 23 Minuten verbesserte, blieb Lichter 85 Sekunden unter der bisherigen Bestmarke von Courtney Dauwalter.

Auch aus deutscher Sicht gab es Grund zum Jubeln: HOKA-Athletin Lotti Brinks bestätigte ihre starke Form mit einem hervorragenden fünften Platz gegen eines der stärksten Frauenfelder, das der Western States 100 jemals gesehen hat.

Lichter setzt sich in hochklassigem Frauenrennen durch

Bereits in den ersten Rennkilometern zeigte sich, wie eng das Rennen verlaufen würde. Über weite Strecken lagen zahlreiche Favoritinnen nur wenige Minuten auseinander. Jennifer Lichter übernahm im anspruchsvollen Mittelteil die Führung und konnte sich insbesondere am langen Anstieg zum Devil’s Thumb entscheidend von ihrer Konkurrenz lösen.

Riley Brady hielt den Rückstand lange gering, doch Lichter ließ sich den Sieg nicht mehr nehmen und erreichte das Ziel in Auburn nach 15:28:05 Stunden. Damit unterbot sie den bisherigen Streckenrekord von Courtney Dauwalter aus dem Jahr 2023.

Hinter Brady (15:42:14 Stunden) komplettierte Marianne Hogan als Dritte das Podium.

Lotti Brinks überzeugt mit konstant starkem Rennen

Die einzige deutsche Topstarterin Lotti Brinks präsentierte sich über die gesamte Distanz äußerst konstant. Nachdem sie sich zunächst in den Top Ten hielt, arbeitete sie sich im Rennverlauf kontinuierlich nach vorne und lag zwischenzeitlich sogar aussichtsreich im Kampf um das Podium.

Am Ende erreichte die HOKA-Läuferin nach 16:04:38 Stunden einen hervorragenden fünften Platz und verbesserte sich damit deutlich gegenüber ihrem 14. Rang aus dem Jahr 2024. In einem Frauenrennen, das zahlreiche historische Bestzeiten hervorbrachte, zählt diese Leistung zum stärksten Ergebnissen einer deutschen Athletin beim Western States 100 aller Zeiten.

Top 10 Frauen

Platz Athletin Zeit
1 Jennifer Lichter (USA) 15:28:05
2 Riley Brady (USA) 15:42:14
3 Marianne Hogan (CAN) 15:51:44
4 Caitlin Fielder (NZL) 15:57:09
5 Lotti Brinks (GER) 16:04:38
6 Tara Dower (USA) 16:13:07
7 Fu-Zhao Xiang (CHN) 16:25:59
8 Fiona Pascall (GBR) 16:32:05
9 Hậu Hà (VIE) 16:40:38
10 Hannah Allgood (USA) 16:45:56

Bouillard krönt furiose Aufholjagd mit Rekordlauf

Bei den Männern entwickelte sich zunächst das erwartete Duell zwischen Jim Walmsley und Kilian Jornet. Allerdings verlief das Rennen für beide Ausnahmeathleten enttäuschend. Jornet musste bereits bei Meile 38 aussteigen, während Titelverteidiger Walmsley später ebenfalls das Rennen vorzeitig beendete.

Stattdessen prägten Hans Troyer und Francesco Puppi lange Zeit das Geschehen an der Spitze. Troyer führte das Rennen bis weit über die Hälfte der Distanz an und lag zeitweise sogar deutlich unter Rekordkurs.

Doch im letzten Renndrittel drehte Vincent Bouillard auf. Der UTMB-Sieger von 2024 arbeitete sich kontinuierlich nach vorne, fing zunächst Ryan Montgomery und schließlich auch Francesco Puppi ab. Zehn Meilen vor dem Ziel übernahm der Franzose endgültig die Führung und lief souverän zum Sieg.

Mit einer Endzeit von 13:46:15 Stunden pulverisierte Bouillard den bisherigen Streckenrekord von Jim Walmsley aus dem Jahr 2019 um mehr als 23 Minuten. Puppi belegte bei seinem 100-Meilen-Debüt in starken 13:51:08 Stunden Rang zwei, Ryan Montgomery folgte in 13:53:55 Stunden auf Platz drei. Bemerkenswert: Auch Thomas Cardin als Vierter blieb noch unter dem alten Streckenrekord.

Top 10 Männer

Platz Athlet Zeit
1 Vincent Bouillard (FRA) 13:46:15
2 Francesco Puppi (ITA) 13:51:08
3 Ryan Montgomery (USA) 13:53:55
4 Thomas Cardin (FRA) 14:07:58
5 Zach Miller (USA) 14:20:09
6 Adam Peterman (USA) 14:26:11
7 Jeff Mogavero (USA) 14:38:36
8 Canyon Woodward (USA) 14:45:24
9 Will Murray (USA) 15:23:12
10 Hiroki Kai (JPN) 15:26:34

Walmsley und Jornet bleiben ohne Chance auf den Sieg

Mit besonderer Spannung war das erneute Aufeinandertreffen von Jim Walmsley und Kilian Jornet erwartet worden. Doch das mit Spannung erwartete Duell kam nie richtig zustande. Jornet hielt sich zunächst in der erweiterten Spitzengruppe, verlor jedoch nach rund 50 Kilometern zunehmend den Anschluss und musste das Rennen schließlich bei Meile 38 vorzeitig beenden. Auch Titelverteidiger Walmsley zeigte zwischenzeitlich seine Klasse und arbeitete sich sogar bis an die Spitze vor, fiel im weiteren Rennverlauf jedoch zurück. Nach einem kurzen Stopp an der Verpflegungsstation in Michigan Bluff setzte der US-Amerikaner das Rennen zwar zunächst fort, stieg später aber ebenfalls in Foresthill aus. Damit mussten beide Topfavoriten ihren Traum vom Sieg vorzeitig begraben.

Außergewöhnliche Bedingungen sorgen für historische Zeiten

Mit Temperaturen von lediglich rund 23 Grad Celsius im Ziel herrschten die kühlsten Bedingungen seit vielen Jahren. Statt der sonst üblichen Hitze konnten die Athletinnen und Athleten ein deutlich höheres Tempo anschlagen. Das spiegelte sich eindrucksvoll in den Ergebnislisten wider: Gleich vier Männer blieben unter dem bisherigen Streckenrekord, während auch bei den Frauen zahlreiche Zeiten zu den schnellsten der Rennhistorie gehören.

Die mobile Version verlassen
Die mobile Version verlassen