Trailrunning

ZUT 2026 im Krisenmodus: Zahlreiche Streckenänderungen und erste Sieger

Wenige Stunden vor dem Start des Salomon Zugspitz Ultratrail powered by Ledlenser 2026 herrscht bei vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern Ernüchterung. Aufgrund der angekündigten Hitze, Gewitter und Blitzschlaggefahr haben die Veranstalter zahlreiche und teils gravierende Änderungen an den Strecken vorgenommen. Dass Sicherheit oberste Priorität haben muss, steht außer Frage. Dennoch werfen Umfang und Zeitpunkt der Anpassungen Fragen auf – insbesondere bei einer Veranstaltung, die in diesem Jahr erstmals unter dem Dach der UTMB World Series und damit unter der Regie der Ironman Group stattfindet.

Aus dem 100-Meilen-Rennen wird ein 100-Kilometer-Lauf

Am stärksten betroffen ist das Prestigeprojekt des Events: der ZUT100. Deutschlands einziges alpines 100-Meilen-Rennen sollte ursprünglich über 164 Kilometer und mehr als 8.300 Höhenmeter führen. Nun bleibt davon nur noch ein Schatten übrig. Die Strecke wurde auf 107 Kilometer und 5.280 Höhenmeter reduziert.

Besonders bitter: Das Rennen verliert dadurch nicht nur rund ein Drittel seiner Distanz, sondern auch seinen Status als 100-Meilen-Wettbewerb. Für den UTMB Index wird das Rennen nun lediglich als 100K-Lauf gewertet. Athletinnen und Athleten, die gezielt auf die Qualifikation für die UTMB Finals oder einen offiziellen 100-Miles-Finish hingearbeitet haben, stehen damit mit leeren Händen da.

Tobias Fritz gewinnt den verkürzten ZUT100

Während die Diskussionen um die kurzfristigen Änderungen weiterlaufen, wurden auf den Trails bereits die ersten sportlichen Ergebnisse geschrieben. Den auf 107,5 Kilometer und 5.559 Höhenmeter verkürzten ZUT100 gewann Tobias Fritz von der LG Staffelsee Murnau in 12:04:35 Stunden. Der Deutsche setzte sich deutlich vor Moritz Dammann (12:51:22 Stunden) und dem Schweizer Yurick Aregger (12:58:18 Stunden) durch.

Die weiteren Plätze in den Top Fünf belegten Janosh Baumgartner aus der Schweiz (13:15:42 Stunden) sowie Frederik Henes (13:33:11 Stunden).

Bei den Frauen feierte Joanna Tallmann vom Team Falke einen überzeugenden Sieg. Nach 14:26:28 Stunden erreichte sie als Gesamtzwölfte das Ziel und verwies Pia von Keutz (16:03:41 Stunden) sowie Clara Schütte (16:05:03 Stunden) auf die weiteren Podestplätze. Komplettiert wurden die Top Fünf durch die US-Amerikanerin Jillian Rodriguez und die Schweizerin Ruth Huber.

Alle Ergebnisse

 

Ultra Trail und Ehrwald Trail verschmelzen

Auch der Ultra Trail und der Ehrwald Trail wurden massiv verändert. Beide Wettbewerbe werden nun auf 74 Kilometer und 3.000 Höhenmeter verkürzt. Gleichzeitig wurden die Starts nach Leutasch verlegt und deutlich vorgezogen. Shuttle-Logistik, neue Zeitpläne und geänderte Rennabläufe mussten kurzfristig organisiert werden.

Beim Leutasch Trail blieb die Distanz zwar weitgehend erhalten, allerdings wurden ebenfalls Streckenabschnitte angepasst und die Startzeit nach vorne verlegt, um die Läufer früher durch exponierte Bergpassagen zu bringen.

Sicherheit ist alternativlos – aber warum kommt die Kommunikation so spät?

Die Begründung des Veranstalters ist nachvollziehbar. Die Wetterprognosen sagen Temperaturen von über 30 Grad, eine instabile Gewitterlage sowie erhöhte Blitzschlaggefahr in den Hochlagen voraus. Gemeinsam mit GeoSphere Austria, Bergrettung und medizinischen Teams habe man daher entschieden, die Exposition der Teilnehmer zu reduzieren.

Daran gibt es grundsätzlich wenig zu kritisieren. Niemand möchte Bilder von Trailrunnern auf ausgesetzten Graten während eines Gewitters sehen. Und spätestens seit den tragischen Ereignissen bei verschiedenen Bergsportveranstaltungen in den vergangenen Jahren ist klar, dass Sicherheitsentscheidungen im Zweifel Vorrang haben müssen.

Doch die Diskussion beginnt an anderer Stelle.

Bereits im Vorfeld des ZUT hatte die neue Organisation unter Ironman mit erheblichen Problemen bei der Anmeldung für Kritik gesorgt. Lange Warteschlangen, technische Schwierigkeiten und eine Kommunikation, die viele Teilnehmer als unzureichend empfanden, hatten Vertrauen gekostet. Nun folgen erneut kurzfristige Anpassungen, die zwar wetterbedingt sind, aber für viele Athleten das Gefühl verstärken dürften, dass Planungssicherheit und Transparenz nicht die Stärken der neuen Veranstalter sind.

Wie viel Produkt bleibt nach den Kürzungen übrig?

Gerade beim ZUT100 stellt sich eine unbequeme Frage: Was genau haben die Teilnehmer eigentlich gekauft? Wer sich für ein alpines 100-Meilen-Rennen anmeldet, investiert oft monatelange Vorbereitung, mehrere hundert Euro Startgeld, Reisekosten und Unterkunft. Am Ende erhält er nun einen 107-Kilometer-Lauf, der in einer anderen Kategorie gewertet wird.

Natürlich können Veranstalter das Wetter nicht beeinflussen. Doch aus Sicht der Teilnehmer ist die Enttäuschung verständlich. Zwischen einem 164-Kilometer-Rennen mit 8.300 Höhenmetern und einem 107-Kilometer-Lauf mit 5.280 Höhenmetern liegen nicht nur Zahlen, sondern völlig unterschiedliche sportliche Herausforderungen.

Sollte es eine teilweise Rückerstattung geben?

Die provokante Frage liegt daher auf der Hand: Sollten betroffene Läufer einen Teil ihres Startgeldes zurückerhalten?

Rechtlich dürfte das schwierig sein. In den Teilnahmebedingungen der meisten Trailrunning-Veranstaltungen sind wetterbedingte Streckenänderungen ausdrücklich vorgesehen. Der Veranstalter erfüllt seine Leistung grundsätzlich weiterhin durch die Durchführung eines Rennens.

Moralisch ist die Diskussion jedoch berechtigt.

Wenn ein Rennen mehr als ein Drittel seiner Distanz verliert und gleichzeitig seine sportliche Klassifizierung geändert wird, könnte man argumentieren, dass Teilnehmer nicht mehr exakt das Produkt erhalten, für das sie bezahlt haben. Eine teilweise Gutschrift, ein Rabatt für kommende Veranstaltungen oder eine andere Form der Kompensation wären zumindest ein Signal an die Community.

Gerade für die Ironman Group, die sich in ihrem ersten Jahr als ZUT-Veranstalter ohnehin erst Vertrauen erarbeiten muss, würde eine solche Geste möglicherweise viel Goodwill erzeugen.

Ein schwieriger Start für die neue Ära

Am Ende bleibt festzuhalten: Die Sicherheitsentscheidungen erscheinen angesichts der Wetterlage nachvollziehbar und verantwortungsvoll. Niemand sollte Veranstaltern vorwerfen, Risiken in alpinem Gelände ernst zu nehmen.

Dennoch zeigt das Wochenende exemplarisch die Herausforderungen, vor denen die neue ZUT-Organisation steht. Nach den Diskussionen rund um den Anmeldeprozess folgt nun die nächste Belastungsprobe. Viele Teilnehmer werden Verständnis für die Wetteranpassungen haben. Ob sie auch Verständnis dafür haben, dass aus einem 100-Meilen-Rennen kurzfristig ein 107-Kilometer-Lauf wird, steht auf einem anderen Blatt.

Für die Ironman Group beginnt die UTMB-Ära an der Zugspitze damit deutlich holpriger, als man es sich vermutlich erhofft hatte. Und die wichtigste Aufgabe wird nach diesem Wochenende nicht die Vergabe von Running Stones sein – sondern das Zurückgewinnen von Vertrauen.