Mentaltraining im Sport - Interview mit der Expertin Teil 2 - xc-run.de Trailrunning

Mentaltraining im Sport – Interview mit der Expertin Teil 2

18.06.2017: Sonnenuntergang mit Arber-Panorama - © Marco Felgenhauer / Woidlife Photography © Marco Felgenhauer / woidlife photography

 

Und weiter geht es mit unserem Experteninterview zum Thema Mentaltraining! Wir haben die Expertin Anja Schneider von www.sporternährungsberatung.de zum Thema Schranken im Kopf und was kann ich dagegen unternehmen gefragt!

In Teil 1 ging es darum, dass bei Problemen vor und auch während des Wettkampfes das „Ressourcen ankern“helfen kann. Mehr dazu findet ihr hier!

 

1 Muss ich das „Ressourcen ankern“ trainieren oder reicht es, wenn ich es einmal mit einem Coach mache?

Training bedeutet auch hier: ich muss es regelmäßig machen. Dann werde ich besser, bzw. dann treten auch die zu erwartenden positiven Effekte auf. Die Begründung liegt in unserem Gehirn: Genauso, wie man neue Bewegungsabläufe (z. B. Schifahren oder auch Gitarre spielen) einüben muss, weil sich dann Neuronen, also die Nervenzellen, neu verknüpfen, übt man auch die im Coaching erarbeiteten Übungen. Das Schöne ist hier: das Üben ist  sehr entspannend und bringt auch Körper und Geist nach dem Training ein bisschen runter.

2  Kann man im Vorfeld, also vor dem Wettkampf irgendwie ausprobieren ob das „Ressourcen ankern“ hilft?

Das kann man in vielen alltäglichen Situationen ausprobieren. Und: es funktioniert bei jedem!

Die meisten Menschen kennen das übrigens ohnehin: Vielleicht ist es euch auch schon mal passiert, dass ihr im Urlaub ein Lied gehört habt. Dann seid ihr wieder daheim und plötzlich läuft euer Urlaubslied im Radio. Was passiert? Mit den ersten Takten ist das Urlaubsgefühl wieder da: z. B. die Leichtigkeit, Kribbeln im Bauch, gute Laune usw. mit allem drum und dran.

Genau so funktioniert das Ressourcen ankern.

 

3 Kann ich mit mentalem Training auch bei Verletzung etwas erreichen, sprich die Sache gelassener sehen?

Natürlich kann ein Mentaltraining auch bei Verletzung unterstützen. Die Stärke sehe ich allerdings eher darin, dass man die Heilung der verletzten Stelle unterstützen kann. Hier würde ich ebenfalls eine leichte, an den Sportler und die Verletzung angepasste, Hypnoseübung empfehlen. Man weiß mittlerweile, dass die Psyche einen wesentlichen Einfluß auf den Körper nehmen kann. Diesen Effekt nutzt man hier. Dazu ist allerdings in jedem Fall ein erfahrener Coach nötig, der die Übungen in einer oder mehreren Sitzungen gemeinsam mit dem Sportler entwickelt und anpasst.

 

4 Kann ich mich zu sehr beruhigen oder aufputschen, so das ich zu ruhig werde zum laufen oder mich im Wettkampf selbst überschätze?

Ja das gibt es auch. Aber genau dafür ist ein guter Coach da: er wird während der Übung die Anweisung geben, das richtige Maß zu finden Es wäre ja doof, wenn ich meine Aufregung derart runterfahre, dass ich völlig gechillt an den Start gehe, und mir der Lauf dadurch gleichgültig ist. Oder wenn man derart übermotiviert am Start steht und dadurch zu schnell angeht.

Aufregung z. B. hat ja auch was Gutes: es hält die Spannung hoch, und die benötigt man ja auch ein Stück weit um sein Bestes zu geben.

Grundsätzlich läuft es aber natürlich besser, wenn man die Aufregung etwas unter Kontrolle bringen kann, als dass sie einem auffrißt.

 

5 Nun gibt es auch Yoga und Autogenes Training, was ist der Unterschied zum Mentaltraining?

Yoga und Autogenes Training dienen in erster Linie der Entspannung. Grundsätzlich findet man auch Entspannung im Mentaltraining, allerdings steuert man im Mentaltraining grundsätzlich  auch gezielt bestimmte Wirkungen an: man findet z. B. sinnvolle Wettkampfstrategien oder findet Lösungen für problematische Situationen. Auch arbeiten wir mit den Werten und Bedürfnissen des Coachees und beziehen somit tatsächlich den ganzen Menschen mit ein: mit seinen schönen Seiten, aber auch manchmal mit seinen Ängsten und Sorgen. Denn nur, wenn das passiert, kann ich wirklich wirkungsvoll arbeiten.
Das erfordert manchmal Mut, bei sich selber genauer hinzusehen: Was treibt mich wirklich an? Warum sind mir bestimmte Dinge wichtig? Wer bin ich eigentlich? usw.
Daran kann man schon sehen: Mentaltraining bleibt selten an der Oberfläche. Es geht manchmal sehr tief und weitreichend. Man lernt sich selbst ein Stück weit neu kennen und das ist ein spannender Prozess: sehen, welcher Mensch steckt unter der Oberfläche, wie tickt der?
Das hat Ähnlichkeit mit dem Entdecken neuer Trails: es macht Spaß und ist sehr spannend und aufregend.

 

Danke liebe Anja für das aufschlussreiche Interview! Fragen dazu dürft ihr natürlich gern in unserer Community oder als Kommentar stellen!

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