Mountain Attack 2026: Vom Trailrunner zum Skimountaineerer - xc-run.de Trailrunning

Mountain Attack 2026: Vom Trailrunner zum Skimountaineerer

Die Mountain Attack in Saalbach-Hinterglemm ist längst mehr als ein Skitourenrennen. Was 1999 mit rund 300 Pionieren begann, gilt heute als eines der Highlights des Tourenskisports im DACH-Raum mit auch in der Trailszene bekannten Siegern wie Kilian Jornet, Jacob Hermann oder Christian Hoffmann.
Bei der 28. Auflage standen Athletinnen und Athleten aus über 20 Nationen am Start – ein hochkarätiges Feld aus Profis, ambitionierten Amateuren und Wahnsinnigen wie mir: Trailrunner ohne Skimo-Wettkampferfahrung.

Als mein Studienfreund Christoph mir erzählte, er habe einen Startplatz gewonnen und „bräuchte noch einen Mann für die Staffel“, wusste ich:

Das wird entweder großartig – oder richtig fies.

Vorgeschichte: Warum ich bei der Mountain Attack gelandet bin

Christoph ist der Mann für die guten Ideen. Mit ihm bin ich schon mit dem Mountainbike durch die Karpaten bis in die Ukraine gefahren, habe am Reschensee Kitesurfen gelernt und den Trialp absolviert – Skitour, Laufen, Fliegen.

Überrascht war ich also nicht, als er mit der Mountain-Attack-Idee um die Ecke kam. Zusammen mit ihm und Flori bildeten wir ein Dreierteam für die Marathon-Staffel.

Nervosität, Skistiefel und 160 Puls

Freitag, 16:00 Uhr, Dorfplatz Saalbach. Startschuss. Gänsehaut. LED-Wall, Musik, Sprecherstimmen, Stirnlampen, Adrenalin. Und ich stehe da, ungewohnt nervös, in Skistiefeln, mit Skiern in der Hand, und frage mich ernsthaft, warum ich meine Komfortzone nicht einfach irgendwo in einem warmen Café gelassen habe.

Die ersten 500 Meter führen zu Fuß durch Saalbach. Skistiefel, Asphalt, Tempo. Puls jenseits von gut und böse. Dann der erste Wechsel: Ski anziehen. Rennmodus.

Mein Problem: Ich habe das noch nie mit 160 Puls gemacht.

Ich verliere Minuten und werde von hinten regelrecht überrannt als ich vergeblich versuche die Stiefel in die kleinen Pins der Bindung einzufädeln. Als ich endlich drin bin, geht es nach wenigen Metern Eingewöhnung auf brettharter Piste mit bis zu 70 % Steigung nach oben. Neben mir rutschen Athleten weg, stürzen, hinterlassen eine Schneise der Verwüstung. Skier, Stöcke, Körper – wer Pech hat im Weg zu stehen hat kaum Chancen auszuweichen.

Ein Freund hatte mir noch den Tipp gegeben:

„Nimm Harscheisen mit.“

Bester Tipp meines Lebens. Ich komme halbwegs sicher diese Wand hoch – bis mir jemand über die Bindung läuft. Klick. Ich stehe plötzlich ohne Ski da. Im Steilhang. Bindung verbogen. Stiefel draußen. Fluchen. Ratlosigkeit.

Ich schlage mich zum Pistenrand, schnalle auch den zweiten Ski ab und stapfe mit Skiern in der Hand nach oben. Gedankenkarussell:

Ist die Bindung gebrochen? Wie soll ich da runterfahren? Schicke ich die Ski mit der Gondel ins Tal? Laufe ich einfach zur Staffelübergabe? Ist das überhaupt erlaubt?

Das erste Steilstück überstanden. Neuer Versuch. Ski dran. Es hält. Langsam. Vorsichtig. Und plötzlich: Rhythmus. Laufen. Atmen. Schritt für Schritt überhole ich von hinten. Es fängt an Spaß zu machen.

Abendrot, Westgipfel und Stolz

Nach gut 1000 Höhenmeter erreiche ich den Schattberggipfel. Die Harscheisen kommen runter, kurze Abfahrt Richtung Westgipfel. Ich hebe den Kopf.Abendrot. Saalbach-Hinterglemm unter mir. Berge, Licht, Stille im Lärm des Rennens.

Zum ersten Mal an diesem Tag bin ich nicht nur beschäftigt mit Technik, Puls und Panik – sondern stolz. Stolz darauf, mich auf etwas völlig Neues eingelassen zu haben. Stolz darauf, hier zu sein.

Die letzten 100 Höhenmeter zum Gipfel. Ohne Harscheisen müssen die Ski erneut runter. Und ich mache das, was ich am besten kann: laufen. Auf zwei Beinen Richtung Schattberg-Westgipfel.

Die Abfahrt – Respekt und Überraschung

Dann der Teil, vor dem ich am meisten Respekt hatte: Die Abfahrt. Dunkel. Vereist. 1.000 Höhenmeter ins Tal.

Und was soll ich sagen:

Nicht elegant. Nicht schnell. Aber erstaunlich souverän.

Kurve für Kurve wächst das Vertrauen. Und unten, in Saalbach, übergebe ich nach 1:20 Stunden den Transponder an Flori. Erleichterung. Euphorie. Grinsen.

Geiler Scheiß, dieses Skimo.

Und ein Gedanke lässt mich nicht los: Ich wäre gerne noch weitergelaufen.

Staffel, Nachwuchs und ein Blick nach vorn

Unser Team: Christoph, Flori und ich. Christoph und Flori betreuen beim SC Traunstein eine Kinder- und Jugendgruppe und bringen den Kids Skimountaineering näher. Mit dabei war auch Xaver, Floris 13-jähriger Sohn. Locker lief er beim Warm-Up neben mir her, später bewältigte er mit Christoph den dritten Teil der Staffel. Brutal. Wie fit diese Kids schon sind. Und wie selbstverständlich sie sich in dieser Welt bewegen, die für mich gerade erst begonnen hat.

Fazit

Die Mountain Attack war für mich kein gewöhnliches Rennen. Sie war eine Erfahrung. Ein Härtetest. Ein Blick über den Tellerrand.

Für mich war es der Schritt vom Trailrunner zum Skimountaineerer. Mit Fehlern. Mit Chaos. Mit verbogenen Bindungen. Aber auch mit Abendrot, Stolz und dieser leisen Gewissheit:

Das war nicht mein letzter Skimo-Wettkampf.

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