Im Trailrunning wird Leistung traditionell getrennt nach Geschlecht bewertet. Doch neue datenbasierte Ansätze stellen diese Sichtweise zunehmend infrage. Eine im Mai 2025 veröffentlichte Analyse von Distances+ auf Basis einer von den Data Scientists von Enduraw entwickelten Normalisierungsmethode zeigt eindrucksvoll: Courtney Dauwalter ist – gemessen an korrigierten Leistungsdaten – der beste Trailrunner der Welt, unabhängig vom Geschlecht.
Wie funktioniert die Leistungs-Korrektur?
Die von Distances+ vorgestellte Methode verfolgt ein klares Ziel: Athletinnen und Athleten geschlechterübergreifend vergleichbar zu machen. Dafür werden bestehende Leistungsindizes wie ITRA- und UTMB-Ratings statistisch neu bewertet („korrigiert“), um strukturelle Unterschiede zwischen Männer- und Frauenfeldern auszugleichen.
Das Ergebnis ist ein korrigierter Performance-Index, der zeigt, wie stark eine Leistung im jeweiligen Wettbewerbsumfeld tatsächlich ist – und nicht nur innerhalb einer Geschlechterkategorie.
Courtney Dauwalter vor Walmsley und Jornet
Wendet man diese Normalisierung international an, ergibt sich ein bemerkenswertes Bild:
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Courtney Dauwalter
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ITRA: 855 → korrigiert 967
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UTMB: 846 → korrigiert 968
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(Anmerkung: Umrechnung erfolgte im November 2025)
Damit liegt die US-Amerikanerin vor Trailrunning-Größen wie Jim Walmsley (960 ITRA-Punkte) und Kilian Jornet (945 ITRA-Punkte). In dieser datenbasierten Betrachtung ist Courtney Dauwalter aktuell die leistungsstärkste Trailläuferin – und mehr noch: die leistungsstärkste Trailathletin weltweit.
Ein starkes Signal für den Elite-Frauentrail
Ein zentrales Ziel dieser Neubewertung ist es, den Elite-Frauentrail sichtbar zu stärken. Teams müssen für das vierteljährlich aktualisierte Ranking mindestens eine Athletin unter ihren fünf gewerteten Läufern haben. Leistung soll zählen – nicht das Geschlecht.
Warum Courtney Dauwalter diese Diskussion verkörpert
Courtney Dauwalter steht wie kaum eine andere Athletin für mentale Stärke, Ausdauer und Konstanz auf höchstem Niveau. Siege bei ikonischen Rennen, Dominanz über extreme Distanzen und nun auch die Bestätigung durch datenbasierte Analysen machen klar:
Courtney ist nicht nur die beste Frau der Welt – Courtney ist die Beste der Welt.
Courtney Dauwalter im Porträt

Ich bin selbst ein riesiger Fan von Courtney, aber die Formulierungen im Text sind dann irgendwie schon etwas irreführend. Ein geschlechterunabhängiger Vergleich würde bedeuten, dass alle Personen an der gleichen Startlinie stehen und die Person, die zuerst über die Ziellinie läuft die stärkste/beste ist. Eben unabhängig vom Geschlecht.
Hier wird versucht die Dominanz von Courtney abzubilden, indem man ihr einen fiktiven „Männerindex“ zuweist. Der Vergleich soll also nicht „strukturelle Unterschiede“ im Frauenfeld berücksichtigen, sondern vielmehr unbestreitbare unterschiedliche körperliche Voraussetzungen von Männern und Frauen herausrechnen, um die Leistungen direkt vergleichen zu können. Quasi soll das gute alte „Welche-Leistung-ist-höher-einzuschätzen“-Spiel, das bei jeder Trail-Performance-of-the-Year-Wahl passiert objektiviert und messbar gemacht werden.
Das ist meiner Meinung nach genau so sinnlos wie den Score von Remis VK-Weltrekord mit Jims Score für den OCC oder die LongTrail WM ins Verhältnis zu setzen. Man sollte die Grenzen dieser Scoring-Modelle akzeptieren und nicht versuchen, sie über die Maße zu belasten. Nimmt man Toves WM-Score und rechnet ihn nach diesem Modell auf den Männer-Index um, käme wahrscheinlich ein Wert von über 1000 raus.
Frauen wie Courtney, Katie, Ruth und nun wahrscheinlich auch Tove sind (noch) Ausnahmeathletinnen im Frauenfeld, erhalten deshalb im Vergleich zum restlichen Feld sehr hohe Scores und werden deshalb bei einer Angleichung und Umrechnung, wie hier geschehen, höher eingestuft als Athleten wie Jim, Caleb, Tom etc. Die genannten sind zwar ebenfalls Top-Athleten, aber in der Männerspitze liegt das Feld schon noch um einiges enger beieinander und der prozentuale Zeitunterschied zwischen Platz 1 und 10 ist bei den meisten Rennen wesentlich geringer als in den Frauen Top 10.
Letztlich bleibt es uns Fans überlassen zu werten, welche Leistung für uns die beeindruckendste ist. Ich für meinen Teil kann in meinem „Mount Rushmore of Trailrunning“ Kilian neben Courtney und Jim neben Katie oder Ruth haben. Das Geschlecht ist da für mich komplett nebensächlich und ich glaube man tut den Damen auch keinen Gefallen damit, ihre Leistungen immer mit den Männern vergleichen zu wollen.
Cooler Artikel zum Anregen einer Diskussion jedenfalls, servus!