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Athleten Porträt: Cristian Minoggio

Cristian Minoggio ist kein klassischer Trailrunning-Profi. Der Italiener arbeitete viele Jahre als Maurer, verdient seinen Lebensunterhalt mittlerweile als Wärter an einer hoch gelegenen Staumauer in den italienischen Alpen und entwickelte sich parallel dazu zu einem der besten Skyrunner der Welt. Mit inzwischen über 40 Jahren scheint Minoggio nun auch auf den langen Distanzen stärker denn je zu sein.

Der vorläufige Höhepunkt dieser Entwicklung: Am 28. August 2026 gewinnt Cristian Minoggio den CCC und damit eines der prestigeträchtigsten 100-Kilometer-Rennen der Welt.

Bei schwierigen, nassen Bedingungen setzte sich der Italiener auf der aufgrund des Wetters angepassten Strecke in 10:21:48 Stunden durch. Seine entscheidende Attacke setzte Minoggio auf dem Weg in Richtung Trient. Anschließend baute er seinen Vorsprung aus und ließ sich den Sieg bis Chamonix nicht mehr nehmen.

Aufgewachsen mit den Bergen

Minoggio wurde am 15. Januar 1984 geboren und stammt aus Cannobio im Piemont, unweit des Lago Maggiore. Einen großen Teil seiner Kindheit verbrachte er bei seinen Großeltern, da seine Eltern in der Schweiz arbeiteten. Über sie entwickelte er früh seine Leidenschaft für die Berge.

Sportlich dauerte es allerdings einige Zeit, bis daraus eine Karriere auf internationalem Topniveau wurde. Minoggio arbeitete insgesamt 19 Jahre als Maurer – sechs Jahre in Italien, anschließend als Grenzgänger in der Schweiz.

Kurz vor seinem 40. Geburtstag entschied er sich für einen ungewöhnlichen beruflichen Wechsel. Minoggio arbeitet seither als Wärter an der Diga del Sabbione im oberen Val Formazza, einem großen, hoch in den Bergen gelegenen Stausee. Sein Arbeitsrhythmus ist dabei ebenso außergewöhnlich wie passend zu einem Skyrunner: Eine Woche verbringt er an der Staumauer, anschließend hat er eine Woche frei.

Das Leben in den Bergen ist für Minoggio damit nicht nur sportliche Leidenschaft, sondern Alltag.

Ein echter Skyrunner

Seine größten Erfolge feierte Minoggio zunächst dort, wo die Trails besonders steil, technisch und alpin werden. Der Italiener gehört seit Jahren zu den weltweit besten Skyrunnern.

2022 und 2024 wurde Minoggio Skyrunning-Weltmeister, hinzu kommen drei Europameistertitel aus den Jahren 2019, 2023 und 2025.

Seine Stärke liegt dabei traditionell auf technisch anspruchsvollen Strecken. Steile Anstiege, schwierige Downhills und hochalpines Gelände kommen dem Italiener entgegen. Fähigkeiten, die ihn zunehmend auch bei den großen internationalen Trailrennen konkurrenzfähig machten.

2025: Beinahe-Sensation gegen Jim Walmsley

Einen seiner bis dahin größten internationalen Auftritte lieferte Minoggio 2025 beim OCC im Rahmen des UTMB Mont-Blanc.

Dabei lieferte er sich ein spektakuläres Duell mit Jim Walmsley. Minoggio gelang es auf den technischen Passagen sogar, den US-Amerikaner zu überholen. Erst auf den schnelleren, flacheren Kilometern konnte Walmsley wieder aufschließen und sich schließlich den Sieg sichern.

Minoggio erreichte nach 5:00:55 Stunden als Zweiter Chamonix. Nur wenige Wochen später bewies er bei den Weltmeisterschaften in Canfranc, dass er längst nicht mehr ausschließlich als Spezialist für kurze und extrem technische Skyraces einzustufen ist. Über den rund 80 Kilometer langen Long Trail wurde er starker Vierter.

Schritt für Schritt Richtung 100 Kilometer

In der Saison 2026 setzte Minoggio diese Entwicklung konsequent fort. Siege beim Ultra Trail del Lago di Como und beim Trail del Centenario sowie weitere starke Ergebnisse auf Distanzen jenseits der 50 Kilometer zeigten, dass seine Stärken zunehmend auch auf längeren Ultras zum Tragen kommen.

Beim 90K des Marathon du Mont-Blanc belegte er Rang drei. Beim Monte Rosa WalserWaeg über 82 Kilometer und rund 6.300 Höhenmeter folgte im Juli der zweite Platz.

Dabei blieb Minoggio seinen Wurzeln treu. Bei der traditionsreichen Skymarathon Sentiero 4 Luglio gewann er 2026 bereits zum vierten Mal. Genau auf dieser Strecke hatte er rund zwei Jahrzehnte zuvor seine Begeisterung für diesen Sport entdeckt.

Der logische nächste Schritt wartete Ende August: CCC.

CCC 2026: Der größte Sieg seiner Karriere

Beim CCC 2026 gehörte Minoggio aufgrund seiner bisherigen Saison und seines zweiten Platzes beim OCC des Vorjahres zum erweiterten Favoritenkreis. Was folgte, war allerdings mehr als nur eine weitere starke Platzierung.

Regen und schwierige Bedingungen prägten das Rennen von Courmayeur über Champex-Lac nach Chamonix. Wegen des Wetters wurde auch die Strecke angepasst, unter anderem entfiel der abschließende Anstieg nach La Flégère.

Minoggio ließ sich davon nicht beeindrucken. Zunächst kontrollierte er das Rennen und blieb im Kampf um die Spitze geduldig. Zwischen Champex-Lac und Trient erhöhte der Italiener schließlich den Druck. Auf dem Weg nach Trient setzte er sich von seinen Konkurrenten ab, ehe er insbesondere im Downhill Richtung Vallorcine seine Stärke ausspielte.

Nach 10:21:48 Stunden erreichte Cristian Minoggio als Sieger Chamonix.

Europameister, zweimal Weltmeister im Skyrunning, 2025 Zweiter beim OCC – und nun CCC-Champion 2026.

Steckbrief

Vorname: Cristian
Name: Minoggio
Nationalität: Italien
Geburtsdatum: 15. Januar 1984
Geburtsort: Cannobio, Italien
Region: Piemont
Team: KAILAS FUGA TEAM
Beruf: Wärter an der Diga del Sabbione, zuvor Maurer
UTMB Index vor dem CCC 2026: 944

Ausgewählte Erfolge

  • 1. Platz CCC 2026 – 10:21:48 h
  • 2. Platz Monte Rosa WalserWaeg 82K 2026
  • 3. Platz 90K du Mont-Blanc 2026
  • 1. Platz Skymarathon Sentiero 4 Luglio 2026
  • 1. Platz Trail del Centenario 2026
  • 1. Platz Ultra Trail del Lago di Como 2026
  • 4. Platz Long Trail Weltmeisterschaft Canfranc 2025
  • 2. Platz OCC 2025 – 5:00:55 h
  • 1. Platz Monte Rosa WalserWaeg 2025
  • Skyrunning-Weltmeister 2022 und 2024
  • Skyrunning-Europameister 2019, 2023 und 2025

Später Höhepunkt einer außergewöhnlichen Karriere

Cristian Minoggio zeigt eindrucksvoll, dass eine Karriere im Trailrunning nicht zwangsläufig mit Mitte 20 ihren Höhepunkt erreichen muss. Mit 42 Jahren hat der Italiener beim CCC den vielleicht größten Sieg seiner bisherigen Laufbahn gefeiert.

Dabei ist es gerade sein ungewöhnlicher Weg, der Minoggio zu einer der interessantesten Persönlichkeiten der Szene macht. Jahrelang arbeitete er auf Baustellen, heute verbringt er einen Teil seines Berufslebens abgeschieden an einer Staumauer in den Bergen. Dazwischen trainiert er auf jenen steilen und technischen Trails, auf denen er sich zu einem der besten Skyrunner seiner Generation entwickelt hat.

Der Sieg beim CCC 2026 zeigt nun endgültig: Aus dem Spezialisten für die extremen Rennen zwischen Himmel und Erde ist ein Weltklasse-Ultraläufer geworden.

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