Patrick Kipngeno bleibt bei der Golden Trail World Series in Asien eine Klasse für sich. Beim Jinshanling Great Wall Trail Race feierte der Kenianer seinen sechsten Sieg im sechsten GTWS-Rennen auf asiatischem Boden. Bei den Frauen sorgte Ruth Gitonga mit einer starken Aufholjagd für ihren ersten Sieg in der Golden Trail World Series. Gleichzeitig spitzt sich der Kampf um die Gesamtwertung vor dem großen Finale in Südkorea weiter zu.
Spektakulärer Schauplatz auf der Chinesischen Mauer
Das Jinshanling Great Wall Trail Race bildete den siebten und letzten regulären Stopp der Golden Trail World Series 2026 vor dem Grand Final im südkoreanischen Muju. Die Strecke führte über einen der spektakulärsten und am besten erhaltenen Abschnitte der Chinesischen Mauer in den Yan Mountains, gut zwei Stunden von Peking entfernt.
Auf lediglich 24 Kilometern warteten satte 1.889 Höhenmeter. Mehr als 1.000 steile Stufen, teilweise mit Steigungen von über 35 Prozent, wechselten sich mit trockenem, sandigem und technisch anspruchsvollem Terrain ab. Lange Erholungsphasen? Fehlanzeige. Statt eines einzelnen langen Anstiegs verlangte der Kurs mit seinem ständigen Auf und Ab den Athleten alles ab.
Kiriago sammelt Bonuspunkte – Hadorn macht Druck
Im Männerrennen bestimmte zunächst nicht Patrick Kipngeno das Geschehen. Philemon Kiriago setzte auf den Wertungssegmenten Akzente und sicherte sich sowohl den Uphill- als auch den Sprint-Segment-Sieg. Auf den technischen Downhills zeigte dagegen einmal mehr Joey Hadorn seine Klasse und setzte sich zwischenzeitlich an die Spitze.
Auch Michael Selelo mischte vorne mit, während Kiriago und Kipngeno zunächst Geduld bewiesen und zeitweise rund zwei Minuten hinter den Führenden lagen. Erst nach dem Verlassen der Chinesischen Mauer schmolzen die Abstände.
Nach dem Downhill-Segment bei Kilometer 15,8 betrug der Rückstand nur noch rund 30 Sekunden. Die schnellste Zeit auf diesem Abschnitt ging allerdings an Anders Kjaerevic, der die 1,3 Kilometer mit durchschnittlich 17,9 Prozent Gefälle in 4:24 Minuten absolvierte.
Kipngeno schlägt im Finale zu
Auf den letzten Kilometern schlossen Kiriago und Kipngeno schließlich zur Spitze auf. Dann zeigte sich ein ähnliches Bild wie eine Woche zuvor beim Myoko Trail in Japan: Kipngeno hatte sich seine Kräfte am besten eingeteilt.
Als es noch einmal bergauf ging, setzte der Kenianer die entscheidende Attacke. Kiriago konnte nicht mehr folgen und Kipngeno lief ungefährdet seinem nächsten Erfolg entgegen.
Nach 2:12:30 Stunden überquerte Kipngeno die Ziellinie und verbesserte seine Vorjahreszeit um 30 Sekunden. Nach seinem Erfolg beim Four Sisters Mountain Trail 2024 sowie seinen Siegen an der Great Wall 2025 und 2026 bleibt seine Bilanz in Asien makellos.
Top 3 Männer:
- Patrick Kipngeno – 2:12:30 h
- Philemon Kiriago – +1:54 min
- Joey Hadorn – +3:12 min
Bemerkenswert: Damit standen exakt dieselben drei Athleten auf dem Podium wie im Vorjahr.
Groeber führt – Gitonga wartet ab
Bei den Frauen entwickelte sich zunächst ein Duell zwischen der deutschen Myoko-Siegerin Hanna Groeber und Caroline Kimutai. Groeber setzte auf der Chinesischen Mauer die Bestzeiten und gewann sowohl das Uphill-Segment in 10:47 Minuten als auch den Sprint-Abschnitt in 11:13 Minuten.
Ruth Gitonga hielt sich zunächst zurück und lag zeitweise rund zwei Minuten hinter dem Führungsduo.
Dann nahm das Rennen eine unglückliche Wendung: Groeber stürzte in der zweiten Rennhälfte schwer und verletzte sich am Arm. Trotzdem setzte sie das Rennen fort. Im Ziel wurde laut Veranstalter eine kleine Fraktur im Bereich des Handgelenks festgestellt.
Gitonga dreht das Rennen
Gitonga nutzte ihre Chance. Anders als eine Woche zuvor in Myoko, als sie nach einem starken Beginn im Finale zurückgefallen war, hatte sie diesmal ihre Kräfte perfekt eingeteilt.
Zunächst schloss sie zu Kimutai auf und ließ die Kenianerin an den Anstiegen hinter sich. Anschließend holte sie auch die angeschlagene Groeber ein und zog auf den letzten Kilometern vorbei.
Nach 2:39:47 Stunden feierte Ruth Gitonga ihren ersten Sieg in der Golden Trail World Series. Groeber kämpfte sich trotz ihrer Verletzung noch auf einen starken zweiten Platz ins Ziel, Caroline Kimutai wurde Dritte.
Top 3 Frauen:
- Ruth Gitonga – 2:39:47 h
- Hanna Groeber – +1:26 min
- Caroline Kimutai – +3:45 min
Kiriago führt vor Kipngeno
Mit seinem zweiten Platz und den gesammelten Bonuspunkten festigte Philemon Kiriago seine Führung in der Gesamtwertung. Der Kenianer reist mit 870 Punkten zum Finale nach Südkorea. Patrick Kipngeno folgt nach seinem zweiten Sieg innerhalb einer Woche mit 830 Punkten auf Rang zwei. Elhousine Elazzaoui liegt mit 824 Punkten auf Platz drei.
Bei den Frauen bleibt Madalina Florea, die die Asien-Rennen krankheitsbedingt verpasste, mit 872 Punkten an der Spitze. Caroline Kimutai hat den Rückstand auf 66 Punkte verkürzt, während Ruth Gitonga nach ihrem ersten GTWS-Sieg mit 766 Punkten auf Rang drei liegt.
In der Teamwertung steht der Titel dagegen bereits fest: Salomon sicherte sich dank der starken Ergebnisse in China den Gesamtsieg.
Großes Finale in Südkorea
Nun richtet sich der Blick nach Südkorea. Erstmals wird dort das Grand Final der Golden Trail World Series ausgetragen. Beim Muju Trail wartet noch einmal eine echte Herausforderung: 25,6 Kilometer und 2.294 Höhenmeter machen den Finalkurs zu einem der härtesten in der bisherigen Geschichte der Serie.
Bis zu 300 Punkte sowie zusätzliche Segmentpunkte werden vergeben. Das Frauenrennen steigt am 24. Oktober, die Männer beschließen die GTWS-Saison 2026 am 25. Oktober.
Damit ist vor dem Finale angerichtet: Kiriago, Kipngeno und Elazzaoui liegen bei den Männern eng beisammen, während bei den Frauen Florea ihren Vorsprung gegen Kimutai und Gitonga verteidigen muss.