Der Western States 100 gilt als das traditionsreichste 100-Meilen-Rennen der Welt. Bei der 53. Auflage am 27. Juni richtet sich der Blick vor allem auf das mögliche Gigantenduell zwischen Jim Walmsley und Kilian Jornet. Im Frauenrennen zählt mit Lotti Brinks auch eine deutsche Athletin zum erweiterten Favoritenkreis.
Das traditionsreichste 100-Meilen-Rennen der Welt
Wenn am Samstagmorgen in Olympic Valley der Startschuss zum Western States Endurance Run fällt, beginnt für 370 Läuferinnen und Läufer erneut eines der prestigeträchtigsten Rennen des Trailrunnings. Die 100,2 Meilen (161 Kilometer) lange Strecke nach Auburn führt über rund 5.500 Höhenmeter im Anstieg und mehr als 6.700 Höhenmeter bergab und verlangt den Athletinnen und Athleten bei oft extremer Hitze alles ab. Seit Jahrzehnten gilt der Western States 100 als eines der bedeutendsten Rennen weltweit – ein Sieg hier besitzt beinahe denselben Stellenwert wie ein Erfolg beim UTMB.
Männer: Kommt es zum Traumduell Walmsley gegen Kilian?
Die große Geschichte dieses Jahres könnte das erneute Aufeinandertreffen zweier Legenden werden. Jim Walmsley und Kilian Jornet haben den modernen Trailrunning-Sport über Jahre geprägt – nun treffen sie beim Western States erstmals seit langer Zeit wieder als ernsthafte Siegkandidaten aufeinander.
Walmsley kehrt nach seiner verletzungsbedingten Absenz im vergangenen Jahr zurück. Der vierfache Sieger (2018, 2019, 2021 und 2024) hält seit 2019 den Streckenrekord von 14:09 Stunden und besitzt drei der neun schnellsten Zeiten der Renngeschichte. Zwar wurde seine Vorbereitung erneut von Knieproblemen beeinträchtigt und er absolvierte 2026 bislang kein Rennen, doch ist der US-Amerikaner fit, führt der Weg zum Sieg traditionell über ihn.
Dem gegenüber steht Kilian Jornet. Der Spanier gewann den Western States bereits 2011 und kehrte 2025 nach 14 Jahren eindrucksvoll zurück. Mit Platz drei und der fünftschnellsten Zeit der Rennhistorie bewies er, dass er auch auf diesem schnellen Kurs weiterhin zur Weltspitze gehört. Allerdings verlief die Vorbereitung alles andere als optimal. Nach einem enttäuschenden 44. Platz beim Zegama Marathon musste Jornet wegen Knieproblemen mehrere Wochen pausieren und wird mit lediglich rund zwei Wochen Lauftraining in den Beinen an den Start gehen. Trotzdem wäre es kaum überraschend, wenn der Ausnahmeläufer erneut um den Sieg kämpft.
Zahlreiche weitere Sieganwärter
Neben Walmsley und Jornet wartet eines der besten Starterfelder der letzten Jahre. Mit Adam Peterman steht ein weiterer ehemaliger Sieger an der Startlinie. Nach schwierigen Jahren präsentierte sich der Western-States-Champion von 2022 zuletzt wieder in Bestform und gewann im Frühjahr die Canyons 100K souverän. Hayden Hawks gehört nach Platz zwei 2022 und Rang drei 2024 ebenfalls zum Favoritenkreis.
Große Aufmerksamkeit genießt außerdem Francesco Puppi. Der Italiener dominierte 2025 unter anderem den CCC und den Canyons 100K, bestreitet nun aber erstmals ein 100-Meilen-Rennen. Seine Vorbereitung wurde durch zwei Stürze inklusive eines Handgelenkbruchs erschwert, dennoch zählt er zu den gefährlichsten Herausforderern.
Hinzu kommen zahlreiche weitere Topläufer wie Jeff Mogavero, Daniel Jones, Hans Troyer, Zach Miller, Thomas Cardin, Anthony Costales oder Vincent Bouillard, sodass ein Platz auf dem Podium hart umkämpft sein dürfte.
Frauen: Titelverteidigerin Hall trifft auf starke Konkurrenz
Auch das Frauenrennen verspricht Hochspannung. Titelverteidigerin Abby Hall geht nach ihrem überzeugenden Sieg 2025 erneut als Mitfavoritin ins Rennen. Damals lief sie mit 16:37 Stunden die viertschnellste Zeit der Geschichte und konnte ihre Form in diesem Frühjahr mit einer deutlich verbesserten Leistung bei den Black Canyon 100K bestätigen.
Die zweimalige Zweitplatzierte Fu-Zhao Xiang dürfte erneut eine ihrer größten Konkurrentinnen sein. Die Chinesin lief bereits 2024 die drittschnellste Zeit der Rennhistorie und überzeugte auch im vergangenen Jahr mit einer beeindruckenden Aufholjagd auf Rang zwei. Ebenfalls zum engsten Favoritenkreis zählen Marianne Hogan, Fiona Pascall sowie Jennifer Lichter, die mit ihrem Streckenrekord bei den Black Canyon 100K eine eindrucksvolle Visitenkarte abgab und bei ihrem 100-Meilen-Debüt sofort um den Sieg mitlaufen könnte.
Lotti Brinks als deutsche Hoffnung
Aus deutscher Sicht richtet sich der Fokus klar auf Lotti Brinks. Die in Deutschland geborene und inzwischen in den USA lebende Läuferin zählt nach ihren starken Leistungen der vergangenen Monate zum erweiterten Favoritenkreis.
Bereits 2024 belegte sie beim Western States Rang 14. Seitdem hat sie jedoch einen deutlichen Leistungssprung gemacht. Beim CCC verbesserte sie sich innerhalb eines Jahres von Platz neun auf Rang sechs und sicherte sich damit ihr Golden Ticket für den diesjährigen Western States. Im April unterstrich sie ihre ausgezeichnete Form mit einem Streckenrekord bei den Gorge Waterfalls 100K, wo sie ihre eigene Bestzeit um mehr als 45 Minuten verbesserte. Ein Platz unter den besten Zehn erscheint damit absolut realistisch – und mit einem perfekten Rennen könnte sogar der Sprung in die Spitzengruppe gelingen.
Hochklassiges Rennen mit vielen offenen Fragen
Sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen verspricht der Western States 100 ein außergewöhnlich spannendes Rennen. Im Mittelpunkt steht das mögliche Duell zwischen Jim Walmsley und Kilian Jornet – vorausgesetzt, beide kommen trotz ihrer gesundheitlichen Fragezeichen ohne Rückschläge durch die 100 Meilen. Dahinter lauert eine ungewöhnlich große Zahl an Athleten mit Siegpotenzial.
Bei den Frauen treffen mit Hall, Xiang, Lichter und Hogan mehrere Sieganwärterinnen aufeinander. Aus deutscher Sicht darf man gespannt sein, wie weit Lotti Brinks in die Topplatzierungen vordringen kann. Ihre Formkurve zeigt jedenfalls klar nach oben.