Die Decathlon-Marke Kiprun nennt den Kipsummit Race einen Supershoe und ist damit weit außerhalb des gewohnten Discounter-Terrains unterwegs. Was kann der Kipsummit Race wirklich? Und ist der Preis günstig für einen Carbon-Racer, oder teuer für einen Discounter-Schuh? Wir haben uns das genauer angesehen.
Mit Kiprun wollen Decathlon ganz offensichtlich raus aus dem Discount-Sektor und rein ins große Spielfeld. Nicht nur, dass der Schuh mit einer eigens patentierten Karbonplatte ins Rennen geht – auch beim Schaft betont man das patentierte Angebot, das leicht und trotzdem widerstandsfähig sein soll. Race-Tauglichkeit soll durch die Fastech+ Technologie gesichert werden, die Energierückgabe und Dämpfung auf höchstem Niveau bringen soll. Gepaart mit 6mm-Drop und 4-mm-Stollen auf der Vibram-Sohle könnte ein wirklich starker Schuh am Start sein.
Erster Eindruck
Knallebunt kommt der Schuh aus dem Karton und ist genau so eng, wie schon der Kiprun Race Ultra 2 (hier der Test). Ohne Schuhlöffel kommt man nicht rein, fühlt sich dann im Schuh aber überraschend geborgen. Im Gegensatz zum Kiprun Race Ultra 2 ist die Schnürung kein Schnellschnürsystem, sondern eine klassische, weit nach oben gezogene Schnürung. Eine Um-Schnürung ohne letztes Loch ist aufgrund der Sockenkonstruktion leider nicht möglich.
Schon beim ersten Lauf drücken Karbonplatte und SCF-Schaum stark nach vorne. Der Schuh treibt an und legt auf Schotterwegen und leichten Waldwegen eine starke Performance hin. Hier erinnert der Kipsummit Race nicht nur optisch an einen Performance-Straßenschuh – was in Sachen Tempo durchaus als Lob gemeint ist.
Auf Trails umschließt das Außenmaterial den Fuß sehr ordentlich und schafft Vertrauen. Auch die Wendigkeit lässt für einen Karbonschuh erstmal wenig Wünsche offen, auch wenn man mit dem Drop von 37,5 auf 31,5 mm relativ hoch steht. Allerdings kratzte beim Testen eine der beiden Sockenkonstruktionen mit der hinten angesetzt Naht auf der Achillessehne. Es wird der große Negativpunkt des Schuhs.
Laufeigenschaften
Wettkampffähig für lange, laufbare Trail-Ultras soll der Kipsummit Race sein. Teilweise stimmt das auch. Der Schuh macht Spaß, ist schnell und kann Offroad. Das Gewicht von nur 290 Gramm bei Schuhgröße 46 unterstützt die Leichtfüßigkeit. Die Vibramsohle und die keilförmigen Stollen performen auch bei leichtem Matsch und Feuchtigkeit zuverlässig, bis die nur 4mm flachen Stollen dann irgendwann nicht mehr greifen. Auf technischen Trails ist die Karbonplatte allerdings zu starr und die Protektion der Zehenbox zu gering. Aber da soll der Schuh ja auch nicht hin. Er fühlt sich dort zuhause, wo durch Wald und Wiesen gelaufen wird, über Hügel und laufbare Mittelgebirgs-Trails.
Für Geländeläufe bis zum Halbmarathon ist der Schuh eine Bank. Auf Distanzen bis zum Marathon wird das Fußbett aber irgendwann recht hart. Wer einen Ultra darin laufen möchte, sollte sich deshalb vorher mit dem Laufgefühl vertraut machen. Dabei wird dann auch auffallen, ob die eigene Physiognomie mit der Sockenkonstruktion harmoniert. Beim Testen gab es keinerlei Probleme auf der einen Seite, allerdings schon nach 5km blutigen Abrieb auf der Achillessehne der anderen Seite. Dass das Material so starr ist und die Naht auch noch genau auf der Sehne liegt, darf einfach nicht sein. Das Problem ließ sich notdürftig mit einer doppelt gelegten, also umgekrempelten Socke kaschieren – aber zu solchen Methoden greift man eigentlich im Wettkampf, wenn nichts anderes mehr geht.
Wer mit dem Schaft gut klar kommt, wird mit dem Kiprun Kipsummit Race einen Schuh finden, der für rund 200 EUR ordentlich Tempo in den Wettkampf bringt. Ein Supershoe ist er nicht, aber eine preisliche Kampfansage im Karbonsegment.
Zielgruppe und Einsatzbereich
Wer es nicht einsieht, für einen Carbon-Racer weit über 200 EUR auszugeben, sollte den Kiprun Kipsummit Race ausprobieren. Der Schuh empfiehlt sich für schnelle Läufe zwischen Halbmarathon und Marathon. Trotz der engen Passung kommen auch mittelbreite Füße gut zurecht – wenn sie erstmal im Schuh sind.
XC-RUN.DE Einschätzung
Der Einstieg von Decathlon im Premium-Segment verlief bisher nur mäßig überzeugend. Das ändert der Kipsummit Race, der vieles richtig macht. Dem selbsternannten Supershoe fehlt zwar noch der letzte Schliff, aber einen kompetitiven, trail-fähigen Karbonschuh für rund 200 EUR anzubieten, ist eine Ansage. Trotzdem muss der Hinweis wiederholt werden, dass die Sockenkonstruktion am Schaft zu Problemen führen kann und unbedingt vor einem längeren Einsatz getestet werden sollte.
Der Schuh ist in den Farben Vanillegelb und Anisgrün erhältlich. Vielleicht kommt da ja noch etwas gedeckteres in Zukunft…
Weitere Informationen
Übersicht der Trailschuhe 2025
Technische Daten
| Hersteller: | Kiprun |
| Einsatzgebiet: | Tempo, Allrounder |
| Preis: | 199.99 € |
| Sprengung: | 6 mm |
| Gewicht: | 290 g |
| Schnürsystem: | Schuhbänder |
| Fußtyp: | normal |
| Körpergewicht: | leicht, mittel |
| Dämpfung: | mittel |
| Gelände: | Schotter, Waldboden |
| Modelljahr: | 2026 |
| Protektion: | moderat |
Testergebnis
| Verarbeitung | |
| Schnürung | |
| Protektion | |
| Grip | |
| Lauffreude | |
| Fersenhalt | |
| Gesamtnote | |
| Dem selbsternannten Supershoe fehlt zwar noch der letzte Schliff, aber einen kompetitiven, trail-fähigen Karbonschuh für rund 200 EUR anzubieten, ist eine Ansage. | |

