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Rosengarten Sky Marathon 2026 – Mit Magenrebellion, Adrenalin und einer offenen Rechnung

Ein umgeknicktes Sprunggelenk, über 20 Kilometer Magenchaos und ein dramatischer Führungswechsel kurz vor dem Ziel: Beim Rosengarten Sky Marathon 2026 war der zweite Platz am Ende weit mehr wert als jede Platzierung vermuten lässt – und hinterließ eine offene Rechnung. Susi Reichert berichtet vom Rosengarten Sky Marathon 2026:

Entspannt ins Rennwochenende

Susi Reichert entspannt im Ziel

Dieses Jahr begann das Rosengarten-Wochenende deutlich entspannter als noch vor zwei Jahren. Bereits am Freitagabend konnte ich anreisen, in Ruhe meine Startunterlagen abholen und ohne Hektik in den Renntag starten. Eine Kleinigkeit vielleicht – aber genau solche entspannten Stunden vor einem langen Wettkampf weiß ich inzwischen sehr zu schätzen.

Am Samstag fiel dann um 7 Uhr der Startschuss für den Rosengarten Sky Marathon über 46 Kilometer und rund 3.000 Höhenmeter. Mit dabei war mein bester Kumpel, der mich entlang der Strecke anfeuerte, mit Getränken versorgte und einfach da war. Gemeinsam machen Wettkämpfe einfach doppelt so viel Spaß.

Gutes Gefühl – mit einem kleinen Fragezeichen

Vor dem Start fühlte ich mich richtig gut. Die Beine waren locker und ich hatte ein gutes Gefühl. Nur ein Gedanke ließ mich nicht ganz los: mein Sprunggelenk. Nach der Operation im vergangenen November ist der Knöchel noch immer nicht hundertprozentig stabil. Und wer den Rosengarten kennt, weiß: Technisch wird hier nichts geschenkt. Geröll, Steine und Stolperfallen warten praktisch hinter jeder Kurve – besonders auf 46 Kilometern, wenn die Konzentration irgendwann nachlässt.

Es war bereits mein fünfter Start im Rosengarten. Dreimal war ich die 36-Kilometer-Strecke gelaufen, vor zwei Jahren zum ersten Mal die 46 Kilometer. Der große Vorteil: Ich kenne nahezu jeden Streckenabschnitt und wusste ziemlich genau, wo ich Kräfte sparen und wo ich Gas geben kann.

Früh an der Spitze

Die Läuferinnen und Läufer der 36- und 46-Kilometer-Strecken starteten gemeinsam. Entsprechend unübersichtlich war das Feld. Ich blieb ruhig, lief mein Tempo und fand schnell meinen Rhythmus. Nach etwa 15 Minuten lag ich bereits an der Spitze meines Rennens.

Zwei starke Läuferinnen der kürzeren Strecke überholten mich zwar, schauten kurz auf meine Startnummer, bemerkten, dass ich die 46 Kilometer lief – und man konnte sie förmlich erleichtert aufatmen hören.

Das Rennen lief richtig gut. Ich fühlte mich stark, die Beine arbeiteten perfekt und auch die Verpflegung funktionierte nach Plan.

Der Schreckmoment bei Kilometer 17

Bis Kilometer 17.

An einer engen Passage wollte mich ein Läufer überholen. Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit, ein Stein zu viel – und ich knickte mit dem operierten rechten Fuß um. Ich blieb vor Schmerzen liegen und dachte nur:

War’s das jetzt? Ist wieder etwas gerissen?

Der Läufer blieb sofort stehen und fragte, ob ich Hilfe brauche. Ich lehnte dankend ab. Aufgeben war in diesem Moment einfach keine Option. Also vorsichtig aufstehen, langsam anlaufen und schauen, was passiert.

Zum Glück ließ der Schmerz nach einigen Minuten etwas nach. Mein Ziel war zunächst die nächste Verpflegungsstelle, die nur noch etwa zwei Kilometer entfernt war. Ich blieb in Bewegung und hoffte, dass sich der Fuß wieder beruhigen würde.

Das tat er tatsächlich.

Als der Magen rebellierte

Doch dafür meldete sich wenig später mein Magen. Vermutlich war es die Mischung aus den Schmerzen, der Aufregung, der prallen Sonne auf den langen, schattenlosen Anstiegen und der Cola, die ich an der Verpflegung getrunken hatte. Jedenfalls begann mein Bauch seinen ganz persönlichen Protestmarsch.

Mit jedem Auf und Ab schien alles im Bauch einmal kräftig durchgeschüttelt zu werden. Mir wurde schlecht. Essen? Unvorstellbar. Schon der Gedanke an einen Keks war eine Zumutung. Also stellte ich die Verpflegung komplett ein. Es ging nur noch Wasser – Schluck für Schluck.

Die nächsten rund 22 Kilometer wurden zu einem echten Geduldsspiel.

Immer wieder musste ich anhalten, mich am Wegesrand zusammenkauern und hoffen, dass die Übelkeit etwas nachließ. Wertvolle Minuten verstrichen – und trotzdem lief ich immer weiter. Der einzige Gedanke, der mich durch dieses Rennen trug, war: Ich bin Erste. Solange mich niemand überholt, mache ich weiter.

Also lief ich weiter.

Erst ab Kilometer 36 wurde der Magen langsam wieder friedlicher und ich konnte endlich wieder mein eigentliches Tempo aufnehmen.

Plötzlich wurde es noch einmal spannend

An der vorletzten Verpflegung fiel dann ein Satz, der meinen Puls schlagartig steigen ließ:

„Die zweite Frau kommt auch bald.“

Na super.

Also wieder Gas geben. Je schneller ich lief, desto stärker kam die Übelkeit zurück. Trotzdem versuchte ich alles.

An der letzten Verpflegung beruhigten mich mehrere Helfer. Die zweite Frau sei noch weit entfernt. Ich müsse mir keine Sorgen machen.

Also beschloss ich, den letzten Downhill kontrolliert ins Ziel zu bringen. Vier Kilometer noch.

Etwa zwei Kilometer vor dem Ziel wartete mein Kumpel auf mich und lief die letzten Meter mit. Zu diesem Zeitpunkt sah alles nach dem Sieg aus. Ich war überzeugt, den Vorsprung ins Ziel bringen zu können.

Bis plötzlich hinter einer Kurve …

… die zweite Frau auftauchte.

Und zwar direkt hinter mir.

Sie hatte den Rückstand komplett aufgeholt und zog mit einem Wahnsinnstempo vorbei. Ich versuchte noch mitzugehen – keine Chance. Meine Körner waren aufgebraucht. Trotz des erneuten Adrenalinkicks konnte ich diese letzte Verfolgungsjagd nicht mehr gewinnen.

30 Sekunden hinter Regina Spieß überquerte ich als Gesamtzweite die Ziellinie.

Enttäuschung – und dann doch Stolz

AK Podium der Damen beim Rosengarten Skymarathon 2026

Im ersten Moment war ich unglaublich enttäuscht. So kurz vor dem Ziel noch überholt zu werden, tut einfach weh.

Doch nachdem ich kurz durchgeatmet hatte, wurde mir klar, was da eigentlich passiert war: über 20 Kilometer Magenchaos. Ein umgeknickter Fuß. Ein innerer Kampf gegen das Aufgeben. Und trotzdem Gesamtplatz zwei. Außerdem war ich rund sechs Minuten schneller als bei meinem ersten Start über die 46 Kilometer vor zwei Jahren.

Während andere im Ziel Parmesan, Wassermelone und die legendäre Zielverpflegung genossen, saß ich lieber mit den Beinen im eiskalten Brunnen direkt neben dem Ziel. Essen? Keine Chance. Mein Magen war noch immer im Streik.

Dafür kam ich mit einigen Einheimischen ins Gespräch, die mir herzlich gratulierten und großen Respekt für das Rennen aussprachen. Das tat richtig gut.

Alle Ergebnisse

Ein Rennen mit ganz besonderer Atmosphäre

Etwas ungewohnt verlief anschließend die Siegerehrung. Nicht die Gesamtplätze eins bis drei wurden geehrt, sondern ausschließlich die Siegerinnen und Sieger sowie die Altersklassen der verschiedenen Distanzen. Neu dabei war übrigens ein 16-Kilometer-Lauf, der auf große Begeisterung stieß.

Was den Rosengarten für mich aber jedes Jahr aufs Neue besonders macht, ist nicht nur die spektakuläre Strecke. Es ist die Atmosphäre. Man spürt an jeder Ecke, mit wie viel Herzblut dieses Rennen organisiert wird. Gefühlt hilft das ganze Dorf mit, damit sich die Läuferinnen und Läufer willkommen fühlen und einen unvergesslichen Tag erleben dürfen.

Von den freundlichen Helfern an den Verpflegungsstellen über die Zuschauer bis hin zur Organisation – überall wird man mit einem Lächeln empfangen. Genau diese Herzlichkeit macht den Rosengarten Sky Marathon für mich zu einem der schönsten Bergläufe überhaupt.

Die Rechnung bleibt offen

Nach einer kalten Dusche ging es langsam besser. Erst sechs Stunden nach dem Rennen meldete sich mein Hunger überhaupt wieder.

Am Ende fuhr ich mit einem leicht angeschlagenen Sprunggelenk, einem riesigen Preispaket voller Südtiroler Spezialitäten, Äpfel, Müsli, einem neuen Rucksack, vielen schönen Erinnerungen – und einem zweiten Platz – nach Hause.

Vor zwei Jahren wurde es bei meinem ersten Start über die 46 Kilometer Platz drei.

Dieses Jahr Platz zwei.

Die Rechnung ist also eigentlich ganz einfach.

Lieber Rosengarten – ich komme wieder.

Text und Bilder: Susi Reichert