Wenn in den Alpen vielerorts noch Schnee liegt, eröffnet die UTMB World Series traditionell ihre europäische Saison in der Toskana: Der Chianti Ultratrail ist längst mehr als ein Frühjahrsrennen – er ist ein erster Formtest für die internationale Trail-Elite.
Die Strecke führt in einer Schleife durch die typischen Hügel des Chianti – Weinberge, Zypressenalleen, mittelalterliche Dörfer. Technisch ist der Kurs weniger extrem als alpine Klassiker, dafür aber schnell, laufbar und tückisch wellig. Genau das macht ihn attraktiv für leistungsstarke Allrounder. Als UTMB World Series Event geht es zudem um viel: Die Top 3 qualifizieren sich direkt für das UTMB-Finale in Chamonix.
Rennbericht – Chianti Ultratrail (73,9 km / ~2900 hm)
Die 73,9-Kilometer-Distanz des Chianti Ultratrails – eine von mehreren angebotenen Strecken des Events – stellte mit knapp 2900 Höhenmetern die Königsdistanz dar und verlangte den Athletinnen und Athleten alles ab. Der Charakter der Strecke prägte das Renngeschehen deutlich: Während die ersten 40 Kilometer durch das Chianti-Gebiet schnelles Laufen erlaubten, sorgte der lange Anstieg bis Kilometer 60 für die entscheidenden Unterschiede. Die anschließenden Downhills Richtung Volpaia und zurück ins Ziel forderten zusätzlich technische Fähigkeiten und Konzentration.
Dominanter Sieg bei den Männern
Von Beginn an wurde ein hohes Tempo angeschlagen. Andrzej Witek setzte sich früh an die Spitze und zeigte ein kontrolliertes, starkes Rennen. Vor allem auf den ersten, gut laufbaren Kilometern durch die Weinberge konnte er Zeit gutmachen, bevor er auch im selektiven Anstieg Richtung San Michele seine Führung behauptete. Nach 73,9 Kilometern erreichte er das Ziel in Radda in Chianti nach 5:39:16 Stunden als klarer Sieger.
Dahinter entwickelte sich ein enger Kampf um die Podestplätze:
- Guillaume Tiphene belegte in 5:47:11 Stunden Rang zwei
- Alessandro Affolati folgte kurz dahinter in 5:48:42 Stunden auf Platz drei
Auch die Verfolger mit Davide Cheraz und Ramon Manetsch zeigten starke Leistungen und blieben unter der 6-Stunden-Marke.
Frauenrennen: Starkes Finish von Kristinsdóttir
Im Frauenrennen über die 73,9 Kilometer setzte sich Elísa Kristinsdóttir souverän durch. Die Isländerin gewann in 6:22:31 Stunden und zeigte insbesondere im zweiten, anspruchsvollen Streckenteil ihre Stärke.
Auf den weiteren Plätzen folgten:
- Judith Wyder – 6:31:48 Stunden
- Hannah Derksen – 6:46:11 Stunden
- Barbora Závodník – 7:07:38 Stunden
- Aurora Bosia – 7:34:46 Stunden
Deutsche Läuferinnen mit soliden Ergebnissen
Mit Carina Helmreich lief eine deutsche Athletin auf Rang sechs und erreichte das Ziel nach 7:41:12 Stunden. Sie zeigte ein konstantes Rennen und behauptete sich im erweiterten Spitzenfeld.
Ebenfalls in den Top 10 platzierte sich Delia Binninger, die in 7:59:26 Stunden Neunte wurde. Damit rundete sie ein starkes deutsches Ergebnis bei den Frauen ab.
120 km – Ultra Trail Chianti Castles
Die Königsdistanz über 120 Kilometer und rund 5200 Höhenmeter führte die Athletinnen und Athleten auf eine spektakuläre Runde durch das Chianti-Gebiet. Nach einem vergleichsweise flüssigen Beginn durch die Weinberge folgte im zweiten Teil der Strecke der entscheidende Abschnitt mit langen, kräftezehrenden Anstiegen auf Monte Luco und Monte San Michele.
Ein besonderes Highlight: Insgesamt 25 Burgen der historischen „Lega del Chianti“ säumten die Strecke und machten das Rennen auch landschaftlich einzigartig.
Cardin gewinnt – Reiterer behauptet Platz zwei
Thomas Cardin lieferte ein herausragendes Rennen und gewann in 9:58:38 Stunden.
Dahinter entwickelte sich ein enger Kampf um Rang zwei, den Andreas Reiterer letztlich für sich entschied. Er erreichte das Ziel in 10:06:16 Stunden, nur knapp vor Vincent Bouillard (10:06:52 Stunden).
Die weiteren Top-Platzierungen:
- Tobias Geiser – 10:21:35 Stunden
- Baptiste Coatantiec – 10:49:17 Stunden
- Jeff Mogavero – 10:55:24 Stunden
Dauwalter setzt sich durch
Im Frauenrennen zeigte Courtney Dauwalter einmal mehr ihre Klasse. Sie lief lange Zeit auf Rang drei, arbeitete sich im Rennverlauf nach vorne und sicherte sich den Sieg in 11:31:55 Stunden.
Das Podium komplettierten:
- Yngvild Kaspersen – 11:33:34 Stunden
- Rachel Entrekin – 11:38:13 Stunden
Alle drei Läuferinnen lieferten sich bis in die späten Rennphasen ein enges Rennen.
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