Der OCC 2026 lieferte genau das Spektakel, das sich die Trailrunning-Fans vom ersten großen Finale der UTMB-Woche erhofft hatten. Frédéric Tranchand setzte seine beeindruckende Siegesserie auf der Marathondistanz fort und gewann souverän in Chamonix. Bei den Frauen entschieden dagegen unglaubliche drei Sekunden über den Sieg. Aus deutscher Sicht überzeugten vor allem Daniela Oemus und Kim Schreiber mit den Plätzen zehn und zwölf. Laura Hottenrott lag lange aussichtsreich im Rennen, musste den OCC jedoch vorzeitig beenden. Bei den Männern sorgten Dominik Hohenleitner und vor allem Triathlon-Legende Jan Frodeno für starke Resultate.
Frédéric Tranchand: Weltmeister, Europameister, OCC-Sieger
Wer aktuell wissen möchte, wer der wohl stärkste Trailrunner der Welt auf Distanzen rund um den Marathon ist, kommt an Frédéric Tranchand kaum vorbei. Der Franzose setzte beim OCC seine beeindruckende Serie fort und gewann die 61,4 Kilometer mit 3.342 Höhenmetern in 5:10:08 Stunden.
Tranchands Bilanz der vergangenen beiden Jahre liest sich außergewöhnlich: 2025 wurde er in Canfranc französischer Meister und anschließend Weltmeister im Short Trail über 44,4 Kilometer und rund 3.500 Höhenmeter. Im Juni 2026 folgte bei den Off-Road-Europameisterschaften in Slowenien der Europameistertitel über 53 Kilometer. Auch beim OCC ließ der 38-Jährige keinen Zweifel daran, wer an diesem Tag der stärkste Läufer war. Nashon Kiplimo aus Kenia hielt den Rückstand mit 5:14:37 Stunden zwar in Grenzen, konnte Tranchand aber nicht mehr gefährden. Rang drei ging an den Spanier Miguel Benitez in 5:17:43 Stunden. Dahinter folgten Sylvain Cachard und Alain Santamaria Blanco.
Herzschlagfinale: Drei Sekunden entscheiden den OCC
Was sich bei den Frauen auf den letzten Metern in Chamonix abspielte, dürfte als eines der dramatischsten Finals in die Geschichte des OCC eingehen. Nach mehr als sechs Stunden Renndauer lagen Lauren Gregory und Naomi Lang praktisch gleichauf.
Am Ende musste tatsächlich der Zielsprint entscheiden: Die US-Amerikanerin Gregory rettete in 6:08:07 Stunden gerade einmal drei Sekunden Vorsprung auf die Britin Lang ins Ziel. Nach 61,4 Kilometern und mehr als 3.300 Höhenmetern hätte der Abstand kaum kleiner sein können.
Auch dahinter blieb es hochklassig. Sara Alonso komplettierte in 6:09:11 Stunden das Podium und lag damit nur 64 Sekunden hinter der Siegerin. Makena Morley wurde Vierte, Ida Amelie Robsahm Fünfte. Europameisterin Judith Wyder musste sich diesmal mit Rang sechs begnügen.
Laura Hottenrott lange beste Deutsche – dann das Aus
Aus deutscher Sicht richteten sich im Vorfeld viele Augen auf Laura Hottenrott die ihren Start lange mit einem Fragezeichen versah. Die Silbermedaillengewinnerin der diesjährigen Europameisterschaften im Uphill gehörte zu den deutschen Starterinnen mit dem größten Potential und bestätigte zunächst die Erwartungen.
Hottenrott war über weite Strecken die bestplatzierte Deutsche und lag aussichtsreich im Rennen. Doch der OCC endete für sie vorzeitig nach gut 40 Kilometern in Vallorcine das sie nach 3:59:01 Stunden erreichte. Damit war der Weg frei für zwei andere deutsche Läuferinnen, die einen hervorragenden Tag erwischten.
Daniela Oemus, Kim Schreiber und Isabell Speer glänzen
Daniela Oemus lieferte eine der stärksten Leistungen einer deutschsprachigen Sportlerin. Die Team-ACG-Athletin erreichte Chamonix nach 6:40:18 Stunden und belegte damit einen hervorragenden zehnten Platz bei den Frauen.
Nur knapp vier Minuten später folgte bereits Kim Schreiber. Sie benötigte 6:44:01 Stunden und lief auf Rang zwölf. Zwei deutsche Läuferinnen innerhalb der Top 12 eines derart stark besetzten OCC sind ein echtes Ausrufezeichen.
Auch aus österreichischer Sicht gab es Grund zur Freude: Isabell Speer komplettierte das starke DACH-Ergebnis. Die Salomon-Athletin erreichte Chamonix nach 6:51:07 Stunden und belegte damit einen ausgezeichneten 17. Platz bei den Frauen. Damit schafften es gleich drei Läuferinnen aus Deutschland und Österreich unter Top 20.
Dominik Hohenleitner bester Deutscher
Auch bei den deutschen Männern gab es ein starkes Ergebnis: Dominik Hohenleitner erreichte das Ziel nach 5:53:08 Stunden und belegte damit Rang 25 im Gesamtklassement beziehungsweise Rang 25 bei den Männern. Angesichts des enorm starken internationalen Feldes ist auch dieses Ergebnis hoch einzuschätzen. Hohenleitner blieb als einziger Deutscher unter sechs Stunden und setzte sich deutlich an die Spitze der deutschen Männerwertung. Hinter den Erwartungen deutlich zurück blieb Sven Koch, der nach 6:49:33 Stunden in Chamonix einlief.
Jan Frodeno: Triathlon-Legende wird zweitbester Deutscher
Eine Sondergeschichte des OCC schrieb Jan Frodeno. Der Olympiasieger und dreimalige Ironman-Weltmeister ist längst kein professioneller Triathlet mehr – dass der 45-Jährige allerdings auch im internationalen Trailrunning bestehen kann, stellte er in Chamonix eindrucksvoll unter Beweis.
Frodeno erreichte nach 6:31:55 Stunden das Ziel und wurde 52. Mann sowie 58. im Gesamtklassement. Noch bemerkenswerter: Damit war Frodeno hinter Dominik Hohenleitner der zweitbeste deutsche Mann beim OCC 2026. In seiner Altersklasse 45–49 bedeutete die Leistung sogar Platz eins.
OCC 2026 – Top 5 Männer
- Frédéric Tranchand (FRA) – 5:10:08 h
- Nashon Kiplimo (KEN) – 5:14:37 h
- Miguel Benitez (ESP) – 5:17:43 h
- Sylvain Cachard (FRA) – 5:21:35 h
- Alain Santamaria Blanco (ESP) – 5:28:24 h
OCC 2026 – Top 5 Frauen
- Lauren Gregory (USA) – 6:08:07 h
- Naomi Lang (GBR) – 6:08:10 h
- Sara Alonso (ESP) – 6:09:11 h
- Makena Morley (USA) – 6:16:37 h
- Ida Amelie Robsahm (NOR) – 6:27:34 h
Der OCC machte damit eindrucksvoll den Auftakt zu den großen Finals der UTMB-Woche. Während Tranchand seine derzeitige Ausnahmestellung auf der Short-Trail-Distanz untermauerte, sorgten Gregory und Lang mit ihrem Drei-Sekunden-Krimi für ein Finish, das in Erinnerung bleiben wird. Und auch aus deutscher Sicht gab es trotz des Ausfalls von Laura Hottenrott mit Oemus, Schreiber, Hohenleitner und Frodeno einiges zu feiern.
