Trailrunner im Interview: Daniela Oemus vor dem Start beim RennsteigTRAIL

Daniela Oemus beim OCC 2022 © Philipp Reiter

Daniela Oemus hat den Sieg bei der Golden Trail National Series 2022 fest im Blick. Die Thüringerin reist nach ihren Erfolgen im Pitz- und im Zillertal am Samstag als Gesamtführende zum RennsteigTRAIL nach Masserberg. Für die frischgebackene Mutter zweier Töchter bietet sich nun sogar die Chance auf einen Startplatz beim Madeira Ocean Trails Finale im Oktober auf der zu Portugal gehörenden Insel im Atlantik.

Interview: Daniela Oemus

Daniela Oemus, du reist am kommenden Wochenende als Gesamtführende der Golden Trail National Series 2022 nach Masserberg. Wie sind deine Erwartungen vor dem großen Finale beim RennsteigTRAIL?

Daniela Oemus: (schmunzelt) Naja, wenn man vor dem letzten Rennen vorne mit dabei ist, dann will man die Serie am Ende natürlich auch gewinnen. Und ich bin durchaus zuversichtlich, dass mir das gelingen kann – zumal ich die aktuell Zweitplatzierte, die Belgierin Charlotte Moerman, Anfang September bei den Mayrhofen Ultraks im Zillertal schon einmal geschlagen habe.

Einen Monat vor deinem Sieg beim Ultraks-Klassiker „MUZ 30“ bist du auch beim P30 Taschachferner Gletscher-Trail im Pitztal auf Platz eins gelaufen und hast dort die Drei- Stunden-Marke nur haarscharf verpasst. Bist du mit deiner Saison zufrieden?

Auf jeden Fall! Gerade, wenn man bedenkt, dass ich erst seit April wieder im Training bin, lief es bislang doch wirklich sehr gut für mich. Wobei man auch ganz klar sagen muss, dass meine Saison noch längst nicht vorbei ist. Ende Oktober will ich unbedingt beim Madeira Ocean Trails Finale an den Start gehen, bevor ich im November dann aller Voraussicht nach meine Saisonpause machen werde.

33,6 Kilometer und 1.217 Höhenmeter stehen jetzt noch zwischen dir und dem großen Ziel Madeira. Hast du dich schon ein wenig mit dem RennsteigTRAIL vertraut machen können?

Tatsächlich habe ich mir in der letzten Woche die Strecke vor Ort einmal genauer angesehen. Anders als bei vielen Läufen in den Alpen ist es gemessen an den Höhenmetern ein vergleichsweise flacher Kurs. Allerdings geht es nicht klassisch einmal hoch und einmal runter, sondern gerade die vielen kleineren Anstiege sind mitunter ziemlich tückisch. Insgesamt aber denke ich, dass mir die Strecke entgegenkommt – zumal das Gelände dem vor meiner Haustür ganz ähnlich ist. Ich denke, ich bin bereit – und die Vorfreude auf meinen ersten RennsteigTRAIL ist riesengroß. Auch meine Familie ist mit dabei: wir haben eine nette, kleine Unterkunft in Friedrichshöhe gefunden. Ich bin sicher, das wird ein tolles Wochenende!

Von Friedrichshöhe ist es nicht allzu weit bis nach Neuhaus am Rennweg. Sehen wir dich sozusagen zum Auslaufen dann auch am Sonntag beim 31. Rennsteig-Herbstlauf?

(grinst) Nein, das muss dann wahrscheinlich nicht unbedingt sein. Am Sonntagmorgen lassen wir es nach einem Wettkampf ganz gerne etwas ruhiger angehen. Aber ich freue mich schon sehr darauf, die Läufer unterwegs anzufeuern. Von Neuhaus nach Masserberg bin ich beim Rennsteig-Staffellauf schon zweimal gelaufen – eine sehr schöne Strecke.

Und wie stehen die Chancen für den 13. Mai 2023? Kannst du dir vorstellen, im Jubiläumsjahr noch einmal beim GutsMuths-Rennsteiglauf an den Start zu gehen?

Auf jeden Fall! Wenn ich gut drauf bin, dann laufe ich noch einmal den Supermarathon. Aller guten Dinge sind schließlich drei…

Du sagst es! Zweimal – 2016 und 2018 – haben wir dich im schönsten Ziel der Welt schon ganz oben auf dem Siegertreppchen gesehen. Seit vier Jahren hältst du mit 05:50:22 Stunden den offiziellen Streckenrekord auf dem „langen Kanten“ beim GutsMuths-Rennsteiglauf. Dein größter Erfolg?

(überlegt) Natürlich denke ich immer wieder sehr gerne an dieses Rennen zurück. Und überhaupt ist der Rennsteiglauf mit seinem einzigartigen Flair immer wieder ein tolles Erlebnis. Ich war ja auch schon dreimal beim Halbmarathon sowie 2017 beim Marathon mit dabei und bin mehr als nur ein bisschen stolz darauf, dass ich es am Rennsteig bislang immer unter die ersten Drei geschafft habe. Es mag deshalb vielleicht zunächst etwas seltsam klingen, aber meinen vierten Platz beim Marathon du Mont Blanc im Rahmen der Golden Trail World Series 2021 würde ich trotzdem höher gewichten. Ich habe zwar auch in den Alpen schon den einen oder anderen Lauf gewonnen, aber das Rennen am Mont Blanc ist traditionell noch einmal eine ganz andere Hausnummer und hat zudem ein wesentlich stärker besetztes Teilnehmerfeld mit vielen internationalen Spitzenläufern. Weil meine Vorbereitung im letzten Jahr nicht ganz ideal gewesen ist, geht dort in Zukunft vielleicht sogar noch ein bisschen mehr.

Als inzwischen zweifache Mutter ist dein Pensum umso bemerkenswerter. Wie schaffst du es, die Familie, die Arbeit und den Sport unter einen Hut zu bringen?

(lacht) Momentan habe ich sogar noch relativ viel Zeit. Ich bin ja praktisch von der ersten Elternzeit in die nächste Schwangerschaft gerutscht – meine beiden Töchter sind jetzt zweieinhalb und ein halbes Jahr alt. Und da ich im Klinikum in Gera tätig bin, standen in der Zwischenzeit die Corona-Vorgaben meinem Wunsch, wieder arbeiten zu gehen, entgegen. Ich habe mir außerdem nicht sagen lassen, dass die Elternzeit nur zum Babysitten da ist, sondern versucht, diese Zeit auch bestmöglich für den Sport zu nutzen. Zuhause bin ich unter der Woche viel mit dem Kinderwagen-Jogger unterwegs gewesen und am Wochenende ging es für uns als Familie oft in die Berge. Das hat super gepasst. Im November fange ich dann aber tatsächlich wieder an zu arbeiten und mein Mann übernimmt den zweiten Teil der Elternzeit – daher laufen meine Wettkampfplanungen für das nächste Jahr derzeit noch unter Vorbehalt.

Das Gespräch führte Thomas Waap für den GutsMuths-Rennsteiglauf