Trailpreview: Pitz Alpine Glacier Trail, Chiemgauer 100, Tromsǿ Skyrace, Dirndltal Extrem

Tromsø Skyrace, Norway, 2018. © David Gonthier / SWS

Viele Trailrunner werden nächstes Wochenende im Pitztal zu finden sein, da diese Veranstaltung auf dem bestehen Weg dahin ist, Kult zu werden. Diesen Status hat der Chiemgau 100 trotz seiner Überschaubarkeit längst erreicht. Und noch ein Lauf mit Kult-Status steht auf dem Programm – das Tromso Skyrace!

Pitz Alpine Glacier Trail 2019

Dieser Event ist bereits seit Wochen ausverkauft. Ein paar Restkarten sind zwar immer wieder in der Börse zu verkaufen, aber Hoffnungen auf einen Start würde ich mir jetzt nicht mehr machen. Die Höhenlage des Rennens, die anspruchsvollen Strecken und nicht zuletzt die Streckenführung an sich, die die Läufer immer wieder am Austragungsort vorbeiführt, tragen dazu bei, dass sich der PAGT zu einem Publikums- und Athletenliebling entwickelt hat.

Herzstück dieser Veranstaltung ist der P105, der mit seinen 106 km und 6.100 HM von den Läufern einiges abverlangt. Leider kam und wird es auch in Zukunft unvermeidlich sein, aufgrund besonderer Witterungseinflüsse die Strecke zu verkürzen oder zu entschärfen. Gerade in dieser Höhenlage ist das Wetter oftmals unberechenbar.

Der Start erfolgt am Samstag um 03:30 Uhr, so dass der erste Teilabschnitt noch in der Nacht gelaufen wird. Die Königsdisziplin ist Kleeblattartig aufgebaut, so dass die Läufer bis zu viermal während des Rennens durch Mandarfen laufen und von den sportbegeisterten Zuschauern gefeiert werden können. Alle Läufer die bereits 90 km absolviert haben, können sich spontan für einen Abbruch des Laufes entscheiden, da diese in eine separate Wertung P90 aufgenommen werden. Höchster Punkt dieser Strecke ist die Mittagskogel- Scharte, die auf einer Höhe von 3.070 m ü.NN liegt. Auch ein Gletscher auf dem Weg zur Braunschweiger Hütte muss überquert werden. Neben allen Herausforderungen die das Hochgebirge mit sich bringt, lebt der P105 unter anderem von fünf sehr kräftezerrenden Anstiegen. Los geht es bereits nach dem Start, da es auf den ersten sechs Kilometern von Mandarfen (1670 m) direkt empor zur Mittagskogel Scharte (3070 m) geht. Noch vor der nun folgenden Gletscherquerung kann man die bereits jetzt schon verbrannten Körner bei der auf 2.800 m hoch gelegenen Verpflegungsstelle wieder auffrischen. Nach dem nun folgenden Downhill läuft man wieder durch Mandarfen und darf sich auf den Anstieg zur Sunna Alm freuen. Dieser mittlere Teilabschnitt verläuft in einem Wechsel zwischen An- und Abstieg und erfordert die Konzentrationsfähigkeit der Läufer. Nach einem weiteren Durchlaufen von Mandarfen wartet nun der zweithöchste Anstieg zur Kauergrathütte auf 2.817 m ü.NN. Zu diesem Zeitpunkt haben die Läufer circa die Hälfte der Strecke hinter sich gebracht und auch der folgende lange Downhill wurde von den Organisatoren als gefährlicher Abschnitt gekennzeichnet. Ist dieser erst einmal erledigt, kann man sich in Mandarfen wieder stärken, ehe es mit dem nächsten Streckenabschnitt an der Tiefental Alm vorbei, weitergeht. Nach insgesamt 90 km befinden wir uns wieder an der Verpflegungsstelle in Mandarfen. Für alle Läufer die an dieser Stelle nicht den Joker ziehen und aussteigen, geht es nun noch zur Sunna Alm auf 2.300 m hoch. Dieser Abstecher hat eine Streckenlänge von 16 km nach einer kurzen Downhillpassage können sich die Läufer auf das Ziel freuen. Für das Finish dieser Tortur werden fünf UTMB Punkte zugesprochen. Bereits zweimal konnte diesen Lauf der Österreicher Gerald Fister für sich entscheiden. Wir dürfen gespannt sein, wer sich dieses Jahr die Krone des Pitztals aufsetzen darf.

Der P90 wird ebenfalls am Samstag um 03:30 Uhr gestartet und ist bis zur bereits angesprochenen 90 km Markierung im Ort Mandarfen identisch mit der Strecke des P105. Viel bleibt den Läufern durch diese Verkürzung allerdings nicht erspart, da diese Distanz immerhin noch 5.400 Höhenmeter im Anstieg aufweist. Für diese kürzere Strecke erhalten alle Finisher vier UTMB Punkte.

Die nächstkürzere Strecke ist der P60, der mit 3 UTMB Punkten belohnt wird. Da dieser Lauf streckentechnisch die ersten 62 Kilometer des P105 beinhaltet, werden auch diese Starter um 03:30 Uhr auf die anstrengende und durchaus anspruchsvolle lange Reise geschickt. Mittagskogel mit anschließender Gletscherquerung, das Taschahaus und der Mittelbergsee sind nur vier Highlights die diese Strecke beinhalten. 4.000 Höhenmeter sind dabei im Anstieg zu bewältigen.

Die beiden möglichen P45 Distanzen könnten nicht unterschiedlicher sein. Zum einen gibt es den P45 Glacier, der um 05:00 Uhr gestartet wird. Wie bei den längeren Strecken führt auch dieser zur Mittagskogel-Scharte und über den Gletscher hinweg. Nach dem Brauschweiger Haus geht es über einen sehr steilen Anstieg zurück nach Mandarfen, ehe nun der zweite und in diesem Falle letzte Streckenabschnitt auf die Läufer wartet. Am Rifflsee vorbei geht es nun den Fuldaer Höhenweg entlang bis zum Taschachhaus und versetzt die Läufer mit dem Panorama auf die Pitztaler Gletscherwelt in Staunen. Diese Strecke entführt die Läufer mit seinen 2.800 HM die Läufer in die eisige Welt des Hochgebirges. Für den P45 Glacier werden den Finishern drei UTMB Punkte gut geschrieben.

Der P45 Rifflsee verläuft zu Beginn am Rifflsee vorbei und führt direkt auf dem Fuldaer Höhenweg empor zum Taschachhaus. Nach einem imposanten Downhill nach Mandarfen geht es nun ein zweites Mal zum Rifflsee, der dieses Mal umrundet wird. Über den Zirbensteig gelangen die Läufer im Anschluss daran zurück in den Zielbereich. Da dieser Kurs rund 400 Höhenmeter weniger beinhaltet, gibt es in diesem Fall nur 2 UTMB- Punkte. Als weitere Distanzen stehen der P30 zum Taschachhaus und der P15 Zirbensteigtrail zur Auswahl.

 

Chiemgauer 100

 Zum 15 mal findet mittlerweile der Chiemgauer 100 statt. Sucht man im Internet Informationen über diese Traditionsveranstaltung, dann stellt man sehr schnell fest, dass die Organisatoren auf pompöse Auftritte und große Werbemaßnahmen verzichten. Und das brauchen sie auch nicht. Weit über die Grenzen Bayerns hinaus ist dieser Lauf bekannt und beliebt. Die einfache und liebevolle Organisation könnte man unter dem Namen „back tot he roots“ beschreiben und erinnert ein bisschen an die großen amerikanischen Läufe.

Vielleicht macht gerade diese Einfachheit den Charme der Veranstaltung aus. Es werden eine 100 Meilen, eine 100 Kilometer und neu im Programm eine 75 Kilometer Distanz angeboten. Start- und Zielbereich befinden sich in der Chiemgau Arena in Ruhpolding. Auf der 100 Meilen Strecke muss man einen positiven Höhenunterschied von 7.500 HM überwinden. Für diese kräftezerrende Strecke haben die Läufer höchstens 34 Stunden Zeit. Die Betonung liegt hierbei auf „höchstens“, da die Starter den Beginn des Laufes ab Freitag, 14:00 Uhr im Stundentakt frei wählen können. Der Streckenrekord liegt bei den Männern bei 21:19 h und bei den Damen bei 27:33 h. Die Organisatoren machen aber in ihrer Ausschreibung darauf aufmerksam, dass bei 100 Meiler auf den ersten 75 km nur ein begrenztes Angebot von Verpflegungsstellen vorhanden ist. Das ist unter anderem darin begründet, dass der 100 km Lauf die eigentliche Hauptveranstaltung des Chiemgauer 100 ist. Bei einem Zeitlimit von 19 h sind hier 4.700 HM zu überwinden. Der Start erfolgt am Samstag um 05:00 Uhr, so dass in die beginnende Morgendämmerung hineingelaufen werden kann und man diese Strecke bei guter Laufleistung noch vor Anbruch der Dunkelheit erledigen kann. Die neue 75 km Strecke verfügt über 3.900 HM und verzichtet im Groben auf die ersten 25 km der ursprünglichen 100 km Strecke. Der Chiemgauer 100 umfasst die Bereiche rund um Inzell und Ruhpolding bis in das Gebiet beim Hochfelln und spielt sich auf einer regelmäßigen Höhenlage zwischen 700 m und 1.400 m ab.

 

Tromsǿ Skyrace

Wenn ein Wettkampf von einem Trailrunner geplant wurde, dann ist das meistens ein Garant für eine gut organisierte Veranstaltung. In diesem speziellen Fall kann man davon ausgehen, dass der Name für Qualität steht. Das am Wochenende stattfindende Tromsǿ Skyrace wurde von Emelie Forsberg und Kilian Jornet gemeinsam ins Leben gerufen. Angeboten werden vier unterschiedliche Distanzen. Aushängeschild ist dabei das Hamperokken Skyrace, das fester Bestandteil der Migu Run Skyrunner World Series ist und die Elite der Skyrunner magisch anzieht. Streckenrekordhalter auf der 57 km langen Strecke langen Strecke ist der Brite Jonathan Albon in einer Zeit von 7:00:01 h aus dem Jahr 2017. Neben vielen anderen steht auch Albon dieses Jahr wieder an der Startlinie und versucht seinen eigenen Rekord zu überflügeln. Dieses Kunststück versucht auch die US- Amerikanerin Hillary Gerardi, die den Rekord der Frauen im letzten Jahr in einer Zeit von 8:14:09 h aufstellte. Durch die besondere Lage am Meer und einer damit verbundenen Starthöhe von annähernd „0“ m ist die scheinbar niedrige Seehöhe der beiden Berge kein Hindernis um im Laufe des Rennens auf einen gewaltigen Gesamtanstieg von 4.800 HM zu kommen. Trotz der geringen Höhe ist diese Strecke auf keinen Fall zu unterschätzen. Der Untergrund ist steinig verblockt und selbst für erfahrene Läufer auf einem hoch technischen Kurs schwierig zu bewältigen. In diesem Gelände drohen weitere Gefahren durch Steinschlag, fehlende Orientierungsmöglichkeiten aufgrund niedrig stehender Wolken und die latente Gefahr von den engen, steilen Trails abzurutschen. Dieser Lauf ist nur für erfahrene Läufer zu empfehlen.

Die nächste Distanz ist das 32 km lange Tromsdalstind Skyrace. Diese Strecke ist zwar um 25 km kürzer und verfügt nur über 2.000 HM, stellt aber eine ähnlich hohe physische und psychische Belastung dar. Der Start erfolgt ebens im Hafenbereich der Stadt Tromso und führt im Anschluss auf den von Ferne sichtbaren Tromsdalstind der mit seinen 1.238 m nur das Niveau eines Mittelgebirges erreicht. Aber auch hier steckt der Teufel im Detail und die technische Schwierigkeit auf dem Trail.

Natürlich kommt auch diese Veranstaltung nicht ohne einen Vertikal Kilometer aus. Dieser findet bereits im Vorfeld am Donnerstag Abend um 18:00 Uhr statt. Der Name „Sea to Summit Blamann Vertical“ sagt eigentlich bereits alles Wissenswerte über diesen Lauf aus. Auf dieser 2,5 km langen Strecke müssen 1.044 Höhenmeter überwunden werden. Dies entspricht einer durchschnittlichen Steigung von über 20 %. Bei diesem Lauf gibt es sogar eine Cut-Off-Zeit. Wer die ersten 500m nicht in einer Zeit von unter 45 min geschafft hat, der wird aus dem Rennen genommen. Das erscheint Euch als einfach? Fahrt nach Tromso, testet es aus und berichtet bei uns über dieses Rennen!

Dirndltal Extrem

Mit dem Dirndltal Extrem steht am nächsten Wochenende eine weitere Ü100- Veranstaltung auf dem Programm. Dreh- und Angelpunkt ist dabei das Pielachtal im Mostviertel in Niederösterreich. Diese Gegend ist geprägt durch eine wellige Hügellandschaft die sich im Höhenbereich zwischen 200 und 1.200 m befindet. Start- und Zielbereich befindet sich in Ober- Grafendorf. Von hier aus werden die Läufer am Sonntag um 06:00 Uhr auf die Strecke geschickt. Die längste Distanz ist die 111 km lange Runde, bei der durch viele einzelne knackige Anstiege insgesamt 5.000 HM bewältigt werden müssen. Hierbei besteht auch die Möglichkeit diese Strecke als 4- Staffel zu laufen. Eine weitere Alternative dazu ist der Extrem ½ bei dem 51 km und 2.100 Höhenmeter überwunden werden müssen. Start für diese kürzere Strecke ist in Schwarzenbach an der Pielach. Für die lange Strecke besteht ein Zeitlimit von 26 h und für die Kurzstrecke von 15 h.

Christian Mayer