Ben Dhiman und Blandine L’Hirondel heißen die Sieger des UTMB 2026. Während Dhiman seine selbstbewusste Ansage aus dem Vorfeld wahr machte und als erster Mann beim UTMB unter 19 Stunden blieb, schrieb auch L’Hirondel Geschichte: Die Französin gewann in 21:54:49 Stunden und durchbrach als erste Frau die 22-Stunden-Marke. Zuvor sorgte ein schwerer Sturz im letzten Downhill allerdings noch einmal für eine Schrecksekunde. Hannes Namberger komplettierte aus deutscher Sicht ein außergewöhnlich schnelles Rennen als Sechster in 19:13:51 Stunden.
Dhiman liefert nach großer Ansage
Ben Dhiman hatte sich im Vorfeld weit aus dem Fenster gelehnt. Nach Rang zwei im vergangenen Jahr gab er unmissverständlich zu Protokoll, dass für ihn beim UTMB 2026 nur der Sieg zählt. Und genau danach sah sein Rennen spätestens ab der zweiten Hälfte aus. Bereits in Champex-Lac hatte sich Dhiman deutlich von seinen Verfolgern abgesetzt und kontrollierte das Rennen anschließend von vorne. Der Vorsprung wuchs zwischenzeitlich auf eine komfortable Größe, während sich hinter ihm der Kampf um die weiteren Podestplätze zuspitzte.
Nach 18:16:29 Stunden erreichte Dhiman schließlich Chamonix. Baptiste Chassagne folgte als Zweiter in 18:47:38 Stunden und hatte damit mehr als eine halbe Stunde Rückstand. Caleb Olson komplettierte das Podium nach 18:48:24 Stunden. Dhiman machte damit aus einer offensiven Ansage einen souveränen Sieg.
Schrecksekunde bei Kilometer 160
Ganz ohne Drama ging es für den späteren Sieger allerdings nicht ins Ziel. Rund um Kilometer 160 kam Dhiman zu Sturz und blieb zunächst kurz benommen liegen. Für einen Moment war unklar, ob der bis dahin überlegene Spitzenreiter das Rennen überhaupt fortsetzen konnte. Doch Dhiman rappelte sich wieder auf, fand zurück in seinen Rhythmus und brachte den Sieg letztlich sicher nach Chamonix. Gerade angesichts des großen Vorsprungs änderte der Zwischenfall nichts mehr am Ausgang des Rennens – dennoch war es eine Szene, die zeigte, wie schnell sich selbst auf den letzten Kilometern eines UTMB noch alles verändern kann.
Historisches Tempo: Die komplette Top 10 unter 20 Stunden
Nicht nur Dhimans Siegerzeit verdeutlicht, wie schnell der UTMB 2026 war. Sämtliche Männer der Top 10 blieben unter der Marke von 20 Stunden.
Virgile Moriset wurde in 19:00:23 Stunden Vierter, Joaquín López folgte in 19:06:48 Stunden auf Rang fünf. Hannes Namberger belegte nach 19:13:51 Stunden Platz sechs. Dahinter folgten Gautier Bonnecarrere in 19:23:16 Stunden, Antoine Charvolin in 19:40:33 Stunden und Yannick Noël in 19:51:42 Stunden. Jean-Philippe Tschumi machte als Zehnter in 19:58:24 Stunden die Sub-20-Top-10 perfekt.
Natürlich müssen diese Zeiten aufgrund der in diesem Jahr veränderten Streckenführung entsprechend eingeordnet werden. Die Leistungsdichte an der Spitze bleibt dennoch bemerkenswert.
Namberger: Platz sechs – mit richtig starker Zeit
Aus deutscher Sicht lag der Fokus einmal mehr auf Hannes Namberger. Der Dynafit-Athlet erreichte Chamonix nach 19:13:51 Stunden auf Rang sechs. Wer Namberger im Vorfeld und in den vergangenen Jahren verfolgt hat, weiß allerdings, dass für ihn nicht ausschließlich die Platzierung zählt. Hannes hat immer auch die Uhr und seine eigene Leistung im Blick. Und genau deshalb ist diese Zeit ein echtes Pfund.
19 Stunden und 13 Minuten für 173,6 Kilometer und rund 9.700 Höhenmeter sind eine herausragende Leistung. Auch wenn die Strecke in diesem Jahr leicht verändert wurde und sich Zeiten deshalb nur eingeschränkt mit früheren Austragungen vergleichen lassen, unterstreicht dieses Ergebnis einmal mehr Nambergers Weltklasse über lange alpine Ultras. Trotzdem bleibt ein kleiner Wermutstropfen: Ein Podestplatz wäre nach seiner starken Saison und Rang vier beim UTMB 2024 natürlich schön gewesen.
Andreas Rieder stark auf Rang 14
Ebenfalls stark präsentierte sich Andreas Rieder. Der Österreicher lief nach 20:33:24 Stunden auf Rang 14 und sorgte damit für ein weiteres Topresultat aus dem deutschsprachigen Raum.
Nicht für alle bekannten deutschen Starter verlief das Rennen nach Wunsch. Marcel Geissler beendete seinen UTMB in Courmayeur nach 81,3 Kilometern, Markus Meinke stieg nach Lac Combal bei Kilometer 67,8 aus und für Marcel Kirchhoff war in Les Chapieux nach 52,2 Kilometern Schluss. Auch Manuel Hartweg musste das Rennen vorzeitig beenden.
L’Hirondel dominiert das Frauenrennen
Nachdem Courtney Dauwalter bereits nach rund 70 Kilometern ausgestiegen war, entwickelte sich das Frauenrennen immer stärker zu einer Demonstration von Blandine L’Hirondel. Die Französin übernahm die Führung und gab sie auf dem Weg zurück nach Chamonix nicht mehr ab. In La Fouly lag sie bereits deutlich vorne, auch auf den letzten großen Anstiegen ließ sie keine Schwäche erkennen. Dann aber wurde es doch noch einmal dramatisch.
Schwerer Sturz im letzten Downhill
Im letzten Downhill Richtung Chamonix kam L’Hirondel schwer zu Sturz. Eine Szene, die die Fangemeinde für einen Moment den Atem anhalten ließ. Doch die Französin konnte weitermachen. Nach fast 22 Stunden Rennzeit, mehr als 170 Kilometern und einer kompletten Nacht rund um den Mont Blanc ließ sie sich auch von diesem Zwischenfall nicht mehr stoppen. Um 17:43 Uhr erreichte L’Hirondel schließlich Chamonix. Die Uhr blieb bei 21:54:49 Stunden stehen.
Erste Frau unter 22 Stunden
Damit setzte L’Hirondel eine historische Marke: Als erste Frau beim UTMB blieb sie unter 22 Stunden. Rachel Entrekin erreichte Chamonix nach 22:15:54 Stunden auf Rang zwei. Nur 1:34 Minuten später folgte Emily Schmitz in 22:17:28 Stunden als Dritte. Careth Arnold belegte in 23:05:20 Stunden Rang vier. Bemerkenswert ist dabei auch die Gesamtplatzierung der Siegerin: L’Hirondel belegte im gesamten Feld Rang 26.
L’Hirondel komplettiert das Triple
Mit ihrem Sieg trägt sich Blandine L’Hirondel noch auf eine weitere Weise in die Geschichtsbücher des UTMB Mont-Blanc ein. 2021 gewann sie den OCC, ein Jahr später folgte der Triumph beim CCC. Nun steht auch der Sieg beim großen UTMB in ihrer Vita. Damit hat L’Hirondel alle drei Finals gewonnen.
Das Kunststück gelang erst im vergangenen Jahr Ruth Croft. Die Neuseeländerin hatte zuvor den OCC 2018 und den CCC 2015 gewonnen und komplettierte ihre Sammlung 2025 mit dem Sieg beim UTMB. Nun folgt ihr L’Hirondel – und das ausgerechnet mit einer historischen Zeit.
Zwei Sieger, zwei historische Zeitmarken
So endet der sportliche Höhepunkt der UTMB-Woche mit zwei außergewöhnlichen Siegerzeiten. Ben Dhiman hatte vor dem Start erklärt, dass für ihn nur der Sieg zählt. 18:16:29 Stunden später hatte er Wort gehalten und als erster Mann die 19-Stunden-Marke durchbrochen. Blandine L’Hirondel benötigte 21:54:49 Stunden und blieb als erste Frau unter 22 Stunden. Dazu komplettierte sie nach ihren Erfolgen bei OCC und CCC das große UTMB-Triple. Beide mussten auf den letzten Kilometern noch eine Schrecksekunde nach einem Sturz überstehen. Beide standen wieder auf. Und beide liefen anschließend als Sieger nach Chamonix.
