Monte Rosa Skymarathon: Vorbereitung auf das höchste Skyrace Europas

Laufbandtraining mit Höhengenerator im KINEMA: Vorbereitung auf den Monte Rosa Skymarathon © Benedikt Seidl

Eva Sperger, Johannes Schmid und Markus Mingo starten beim höchsten Skyrace Europas: Dem Monte Rosa Skymarathon. Ein Rennen auf über 4500m im hochalpinen Gelände ist natürlich etwas ganz Besonderes. Besondere Ereignisse bedürfen natürlich auch besonderen Maßnahmen. Markus Mingo über seine Vorbereitungen auf das höchste Rennen seines Lebens..

„Monte Rosa Skymarathon?“ „Klar, machen wir!“

Alles Begann mit einer E-Mail – vielmehr einem Halbsatz in einer Email: Johannes: „Monte Rosa Skymarathon?“ „Klar, machen wir!“ war meine ebenso knappe Antwort. Dieses legendäre Rennen über den Gipfel des Monte Rosa (4.554m) gilt als Geburtsstunde des Skyrunning und steht seit seiner Wiederbelebung im letzten Jahr ganz oben auf meiner persönlichen „bucket list“. Auf insgesamt 35 Kilometern geht es vom italienischen Bergdorf Alagna (Region Piemont) von 1192m über dem Meeresspiegel über Moränen, Schneefelder und Gletscher bis auf eine Höhe von 4554m – dem Gipfel des Monte Rosa – und zurück. Dabei wollte ich es eigentlich machen wie immer: Hinfahren, schnellstmöglich hochlaufen, noch viel schneller wieder runter, Siegerehrung, heim. Im Gepäck einen großartigen Wochenendausflug und ein unvergessliches Abenteuer in den Bergen.

„Mir wurde mulmig“

Je näher der Termin rückte und je mehr ich mich mit dem Rennen beschäftigte, umso klarer wurde mir, dass die gewohnte Herangehensweise ein kleines bisschen unbedarft war: Zugelassen wurden die Teams nur nach Bewerbung und Nachweis einschlägiger alpiner Erfahrung. Laufen in Seilschaft als Zweierteam, Grödel in der Pflichtausrüstung, Klettergurt und ein strenges Auswahlverfahren der zugelassenen Athleten waren obligatorisch. Mein Seilpartner Johannes beschäftigte sich zusammen mit Eva Sperger bereits seit Wochen mit dem perfekten Akklimatisierungsprogramm und bereitete sich akribisch auf dieses Spektakel vor. Kurz gesagt: Mir wurde mulmig!

Rettung in der Hölle

Der Schlüssel bei Rennen in dieser Höhe liegt in der Akklimatisation, aber was hatte ich für Alternativen? Höhentrainingslager in Kenia? Mit Arbeit und Familie nicht vereinbar! Hochgebirgstour im Vorfeld? Zu kurz um effektiv zu sein! Wie Johannes und Eva das Institut für Höhentraining in München nutzten? Zu zeitaufwendig und zu teuer! Die Lösung fand ich in der Sportschule KINEMA im Bayerischen Wald, nur 15 Autominuten von meinem Wohnsitz in Bad Kötzting entfernt. Was bei uns in erster Linie als Fitnessstudio für Extremgewichtsheber bekannt ist, bietet auf den zweiten Blick modernste Trainingsmöglichkeiten für Sportler aller Kategorien. Auf der Höllhöhe mitten im Bayerischen Wald hatte Inhaber Sepp Maurer ein Hightech Studio hingestellt, mit dem er unzähligen Athleten zu Höchstleistungen im Kraft- und Ausdauersport verhalf. Der Kontakt war schnell hergestellt, behandelte doch mein Schwiegervater ihn und seine Schwergewichtsathleten seit Jahren mit erfolgreicher Chirotherapie. Und dann kam das, was den Bayerischen Wald so schön und wohl noch ein Stückchen lebenswerter macht als andere Regionen der Welt:

„Servus Werner, klar kann i deim Schwiegersohn helfen – schick na vorbei!“

Bei uns macht jeder das was er gut und gerne tut und man hilft sich gegenseitig. Dr. Paula rückt den Steinhebern und Boxern die Wirbel zurecht, Sepp Maurer stellt modernste Geräte zur Verfügung und erstellt mir ein kompetentes Höhentrainingskonzept und ich renne schnellstmöglich die Berge rauf und runter und versuche ein paar fehlerfreie Zeilen darüber zu schreiben.

Zwei Tage später sitze ich bei Sepp in der Sportschule KINEMA auf der Couch und er erläutert mir die Vorteile des Höhentrainings (siehe Artikel „Warum Höhentraining?“) und die Möglichkeiten, die er mir bieten kann: Höhenkammer, Höhengenerator und Höhenzelt für zu Hause. Wir entscheiden uns für eine Kombination aus sportartspezifischem Training mit Höhengenerator und zusätzlich eine Woche Höhenzelt. Das bedeutet für mich, dass ich zweimal die Woche eine Stunde auf dem Laufband trainiere und dabei über eine Atemmaske an den Höhengenerator angeschlossen bin. So laufe ich auf einer künstlich erzeugten Höhe von 4000m und versuche den Körper an die veränderte Belastung zu gewöhnen. Zusätzlich schlafe ich eine Woche vor dem Wettkampf im Höhenzelt, um über Nacht bestmöglich zu akklimatisieren. Zusätzlich verordnet mir Sepp in meinem rundum sorglos Paket noch einige Einheiten bei seiner „besten Physiotherapeutin“ um meine Muskeln und Sehnen nach der harten Belastung wieder ins Lot zu bringen.

Laufbandtraining

Gleich beim ersten Termin staune ich nicht schlecht: Vor mir steht ein h/p/cosmos an welchem der Höhengenerator samt benötigtem Equipment bereits aufgebaut sind. „Mitten im Woid“ wo es weder Handynetz noch wirklich Internet gibt, steht ein Laufband, wie ich es bisher nur von Leistungstests an der Bundeswehruniversität in München kannte. Für Nicht-Insider: Während Laufbänder für den Hausgebrauch meist bei 12km/h kapitulieren und hochwertige Produkte wie man sie aus dem Fitnessstudio kennt, bei mächtig viel Geschepper bis 20km/h gehen, packt diese Prachtstück 40km/h und Steigungen bis 20%. Kurz gesagt: Darauf könnte man Pferde müde laufen – es sollte also auch für einen Mingo reichen. Ich starte auf einer Höhe von 3500m und steigere mich auf 4000m. Dabei merke ich schnell: Die Herzfrequenz ist deutlich schneller als sonst und auch das Atmen geht zäher. Die Sauerstoffsättigung sinkt von knapp 100 % auf etwa 70 % und ich versuche im 10-Minuten-Wechsel bei etwa 12 – 15 % Steigung flott zu gehen (6-7 km/h) um daraufhin ohne Steigung locker zu Laufen (10 – 12km/h). Nach einer Stunde bin ich ganz schön bedient – einen Durchschnittspuls von 150 habe ich sonst nur bei Tempoläufen. Trotzdem bin ich erleichtert und zufrieden. Mir wurde „in der Höhe“ nicht schlecht oder schwindlig und auch die Sauerstoffsättigung nahm in der Erholungsphase schnell wieder zu. Eine anschließende, fast magische physiotherapeutische Behandlung rundet den ersten Besuch ab. Läuft!

Höhenzelt

Wohin mit dem Höhenzelt und wie baut man das Ding eigentlich auf? Diese beiden Fragen beschäftigten mich anfangs mehr als die Wirkung oder die optimale Höhe dieser sehr speziellen Trainingsmethode. Ich kann das Zelt erst abends aufbauen, weil sonst meine beiden Jungs „mitcampen“ wollen. Schlafzimmer kommt nicht in Frage, weil wir am Ende der Nacht meist zu viert im Ehebett liegen und der Höhengenerator ist zu laut um ihn in der Nähe der Kinderzimmer zu platzieren. Bleibt für den leidgeprüften Papa und sein Zelt eigentlich nur die Terrasse. Den teuren Generator lasse ich in der Küche stehen und leite den Schlauch über die Tür nach draußen ins Zelt. So hält sich zumindest der Lärmpegel in Grenzen. Auf diese Weise versuche ich die erste Hälfte der Nacht „auf 3000m“ im Zelt zu schlafen und krieche anschließend ins Ehebett. Eigentlich krank – aber eine Woche in den Ferien kann ich das schon mal machen – wenn`s hilft 😊.

Wettkampfplanung

Kommendes Wochenende geht es also zum Monte Rosa Skyrace und damit starte ich auch voll in die Wettkampfsaison 2019. Ich hoffe, dass sich das Höhentraining positiv auf meine Leistung auswirkt und so werde im Anschluss auch gleich einige Rennen, wie den Gletscher Ultramarathon im Ötztal (60k, 4000hm, 06. Juli), den Pröllertrail (35k, 1500hm, 20. Juli) oder den Großglockner Ultratrail (30k, 1500hm, 27. Juli) absolvieren. Da ich seit 2019 für das internationale GORE Team starte, ist ein Erscheinen beim Transalpine Run fast Pflicht. Hier werde ich aber die Lightversion des RUN2 (nur die beiden ersten Etappen) wählen. Im Herbst der Arberland Ultratrail und als Abschluss würde ich bei einem Rennen auf internationalem Niveau nochmal gerne zeigen, was ich kann. Was und wo steht noch in den Sternen. Mit der guten Vorbereitung läuft es dann hoffentlich wie meistens: Hinfahren, schnell rauf, noch schneller wieder runter, Siegerehrung, heim!

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