Das Kleinwalsertal in Vorarlberg: Saftiges Grün, entspannte Menschen – und verdächtig steile Anstiege. Seit Jahren eilt der Walser Trail Challenge der Ruf voraus, ein hart technisches Brett zu sein, bei dem schlechtes Wetter schon fast zum Programm gehört. Zum 10. Geburtstag bestätigt sich das erneut. Bis auf das Wetter.
Der Aufstieg am frühen Morgen ist rutschig. In der Nacht auf Sonntag hat es geregnet, die ausgewaschenen Steine des engen Pfads sind wie eingeseift. Kein Meter wird uns im Aufstieg geschenkt, der selbst an ebenen Stellen verblockt ist. Endlich dran gewöhnt stehe ich irgendwann auf dem Grat am Grünhorn – von anderen Läuferinnen oder Läufern ist nichts zu sehen. Nur der schmale Grat, mitten in den Wolken, feuchter Stein und keine Ahnung, wie weit es tatsächlich links und rechts runtergeht. Beeindruckend. Und wahnsinnig schön – wenn sich der Blick mal vom Trail löst. Denn der verlangt fast die ganze Zeit über volle Konzentration.
Der Auftakt
Kurz schweifen die Gedanken zurück an den Vortag. Bei strahlendem Sonnenschein ging es um 10:00 auf den Widderstein Trail. 15km und 980hm. Das kurze erste Stück läuft abschüssig, dann flach. Die Begeisterung treibt uns nach vorne, bevor es in den langen Weg nach oben geht. Auf dem viel zu kurzen Plateau verwöhnt uns nicht nur das Panorama, sondern auch die wahrscheinlich flowigsten Minuten des Wochenendes. Danach auf der vertrackten Strecke bergab, so schnell es ohne kompletten Leichtsinn möglich ist. Was für ein toller Lauf!
Die beiden Läufe am Sonntag – Walser Trail und Walser Ultra – können unabhängig vom Samstag gelaufen werden. Oder als Challenge-Wertung. Samstag + Ultra = Challenge Pro. Genau für diesen Irrsinn habe ich mich angemeldet. 63 Kilometer und 3.900 Höhenmeter auf die vorbelasteten Beine? Was will man mehr?
Kommt der traditionelle Regen?
Das große Bangen kommt am Samstagabend. Seit Tagen ist ein Wetterumschwung angesagt.Fast konstanter Regen steht unsisono in den Wetter-Aps. Gewittergefahr. Verbesserungstendenz minimal. Aber „minimal“ hat anscheinend gereicht. Nachts hat es in den Bergen geregnet, aber um 6:00 starten wir trocken. Gegen 10:00 kommt ein leichter Niesel, der ab 11:30 etwas mehr wird. Aber dabei bleibt es. Für hiesige Verhältnisse optimale Bedingungen – die Walser Schlammschlachten sind mittlerweile legendär. So sind die berüchtigten Gefahrenstellen wie Gottesacker und Hoher Ifen zwar weiterhin ausgesetzt und tricky, aber der giftige Stachel ist dank fast trockener Bedingungen gezogen.
Je länger die Reise wird, desto mehr spontane Teams bilden sich. Manche Mitläufer und Mitläuferinnen bleiben irgendwann zurück, manche ziehen davon – aber alle sind ausgesprochen nette Menschen. Als würde die Veranstaltung einen ganz bestimmten, sehr unaufgeregten Schlag von Trailrunnern anziehen. Da ist wahrscheinlich auch mehr dran, als so flotthin gedacht. Bei der Menge an ausgesetzten Stellen und ständig anspruchsvollem Gebiet ist es bisher (meines Wissens) zu keinen nennenswerten Unfällen gekommen. Anscheinend wissen die meisten, worauf sie sich einlassen, und sind genau deshalb hier. Nicht für Selfies. Nicht für endlose GoPro-Videos, sondern für das Sein und das Laufen in den Bergen – mit allem, was dazu gehört. Und das kann manchmal schon ziemlich besonders sein. Wie die ziemlich spät im Rennen auftauchende Gruppe von Steinböcken, an denen wir nur wenige Meter entfernt vorbei laufen.
Irgendwann werden die stets steilen Anstiege dann allerdings zäh. Die Veranstaltenden lassen sich an keiner Stelle lumpen und schlagen gefühlt noch jeden schmalen Pfad ein. Immer so unlaufbar wie möglich. „10 Kilometer Gravel-Weg, leicht abschüssig – was würde ich dafür geben,“ meint ein Läufer irgendwann. Ich mag diese Art von Wegen nicht – und weiß genau, was er meint. Dass es schlussendlich dann auch mehr als die angekündigten 3.900 Höhenmeter sind, wundert eigentlich auch niemanden mehr. Die Uhren zeigen alle etwas zwischen 4.000hm und 4.200hm an. Aber geschenkt.
Die zehn Jahre Erfahrung merkt man der Veranstaltung an, die alles richtig macht: von der perfekten Streckenmarkierung, über tolle Musik (ich darf bei „Run to the Hills“ von Iron Maiden einlaufen) bis zu einer unglaublich schönen, familiären Stimmung ohne Hype, Bohei und Superlativen.













