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Best of UTMB Reportagen: Vier Geschichten zwischen Lebenstraum, Leiden und Gänsehaut

Der UTMB Mont-Blanc ist weit mehr als ein Rennen. Für manche ist er Lebenstraum und Sehnsuchtsziel, für andere sportliche Grenzerfahrung. Er kann euphorisieren, demütigen, faszinieren und manchmal alles innerhalb weniger Stunden. Zeiten und Platzierungen erzählen dabei nur einen kleinen Teil der Geschichte.

Über die Jahre sind auf xc-run.de einige sehr persönliche Reportagen aus Chamonix entstanden. Sie erzählen vom ersten 100-Kilometer-Lauf, vom Kampf über die komplette Runde um den Mont Blanc, vom Scheitern kurz vor dem ersehnten Ziel und von der durchaus kritischen Frage, ob der immer größer werdende UTMB-Zirkus noch der Ort ist, den man sich als Trailrunner erträumt.

Vier Geschichten, vier völlig unterschiedliche Perspektiven – und unser „Best of“ in Sachen UTMB Mont-Blanc Lauf-Reportagen.

UTMB 2021 – Markus Mingo: Einmal Lebenstraum zum Mitnehmen, bitte!

Es beginnt mit einem Punkt auf der Bucket List. Der CCC 2021 bedeutet das erste Mal Chamonix, den ersten Start beim UTMB und gleichzeitig den ersten Lauf über die magische Marke von 100 Kilometern. Als geladener Elitestarter geht es mitten hinein in ein Weltklassefeld – allerdings nicht mit großen sportlichen Ambitionen, sondern mit einem klaren Ziel: genießen und unbedingt finishen.

Was folgt, ist ein 72-stündiger Roadtrip mit Martin Mühlbauer, ein gebrochener Stock, ein Sturz, zwischenzeitliche Gedanken ans Aufgeben und schließlich dieser unvergleichliche Zieleinlauf in Chamonix. Nach 12:47 Stunden stehen Platz 38 und Rang drei in der Altersklasse. Vor allem aber bleibt die Gewissheit, einen Lebenstraum tatsächlich erlebt zu haben.

 

UTMB 2022 – Basilia Förster: Coming Home

Eine ganz andere Geschichte erzählt Basilia Förster 2022. Für sie ist Chamonix kein unbekanntes Terrain. Platz 13 beim UTMB 2017, eine Knieoperation vor der Ausgabe 2018, das verletzungsbedingte Aus 2019 und ein Top-Ten-Finish beim TDS 2021 liegen hinter ihr. Fünf Jahre nach ihrem ersten großen UTMB-Erfolg kehrt sie zurück auf die komplette Runde um den Mont Blanc. „Coming Home“ eben.

171,5 Kilometer und 10.000 Höhenmeter werden zur Reise durch Erinnerungen und frühere Rückschläge. Probleme mit der Stirnlampe, eine einsame Nacht, zerstörte Beine und ein hartes letztes Drittel machen es nicht einfach. Trotzdem arbeitet sich Basilia bis auf Platz 15 nach vorne und verbessert ihre Zeit gegenüber 2017 deutlich. Als Bonus wartet Platz drei in der Altersklasse – und damit doch noch das Podium in Chamonix.

 

UTMB 2025 – Michael Förster: Die Schwäne von Champex-Lac

Der UTMB schreibt nicht nur Geschichten von Zieleinläufen. Michael Försters Reportage gehört gerade deshalb zu den eindringlichsten Texten unserer UTMB-Jahre. Kälte, Dauerregen und Schnee begleiten ihn durch die Nacht. Trotzdem kämpft er sich über Courmayeur und den Grand Col Ferret bis weit über die 100-Kilometer-Marke.

Dann wird der vermeintlich unscheinbare Anstieg nach Champex-Lac zum unüberwindbaren Hindernis. Der Körper macht nicht mehr mit, das Rennen endet mit einem DNF. Zurück bleiben Enttäuschung und die Frage, warum trotz akribischer Vorbereitung manchmal etwas passiert, das sich schlicht nicht planen lässt. Die Schwäne auf dem See von Champex werden schließlich zum Sinnbild dieser Geschichte – für das Unvorhersehbare, aber auch für die Hoffnung auf eine Rückkehr.

 

UTMB 2024 – Markus Mingo: Ungeschminkt und ohne rosarote Brille

Drei Jahre nach dem ersten CCC folgt 2024 die Rückkehr – diesmal mit der Familie und einer deutlich kritischeren Perspektive auf das größte Trailrunning-Event der Welt. Schon vor dem Start sorgen Ausrüstungskontrolle, Startnummernausgabe, Shuttle-Logistik und der allgegenwärtige Trubel in Chamonix für Stress. Zu viel Ego, zu viel Selbstdarstellung, zu viele Handys und GoPros?

Und trotzdem schafft es der UTMB auch dieses Mal, all diese Zweifel für einige Stunden vergessen zu machen. Flowige Trails, die Landschaft rund um den Mont Blanc und vor allem die Begegnungen mit der eigenen Familie an der Strecke machen den CCC zum Erlebnis. Nach 102 Kilometern und gut 6.000 Höhenmetern stehen 13:20 Stunden und erneut Rang drei in der Altersklasse. Der Zieleinlauf gemeinsam mit Sohn Paul liefert schließlich die Antwort darauf, warum dieser UTMB trotz aller Kritik etwas Besonderes bleibt.

 

Vier Geschichten, ein Mythos

Lebenstraum, Comeback, DNF oder kritischer Blick hinter die Kulissen: Keine dieser vier Reportagen erzählt denselben UTMB. Genau darin liegt vielleicht die Faszination dieses Events. Chamonix kann innerhalb weniger Stunden Sehnsuchtsort und Nervenzentrum, riesige Party und einsamer Platz sein.

Am Ende bleiben nicht die Kilometerzahlen, Platzierungen oder UTMB-Indizes in Erinnerung. Es sind die Geschichten vom Weg dorthin – und von jenen Momenten irgendwo zwischen Courmayeur, Champex-Lac, Vallorcine und Chamonix, in denen aus einem Wettkampf eine Geschichte wird, die man noch Jahre später erzählt.