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Post-Race-Blues – Wenn nach dem größten Erfolg plötzlich die Leere kommt

Monatelang arbeitet man auf ein großes Ziel hin, investiert unzählige Trainingsstunden und ordnet den Alltag dem Sport unter. Doch was passiert, wenn der große Tag vorüber ist? Wenn die Euphorie verfliegt und plötzlich die Motivation fehlt? Unsere xc-run.de Athletin Nana Buhl durfte bei der Skyrunning-Weltmeisterschaft auf La Gomera im deutschen Nationaltrikot an den Start gehen. Zurück im Alltag erlebte sie jedoch eine unerwartete emotionale Leere. Als Psychotherapeutin kennt sie die Symptome auch aus beruflicher Perspektive. In ihrem persönlichen Erfahrungsbericht beschäftigt sie sich mit einem Phänomen, das vermutlich mehr Sportler betrifft, als man denkt: dem Post-Race-Blues.

Ein Jahr für einen ganz besonderen Moment

Dieses Jahr erhielt ich die Möglichkeit, bei den Skyrunning-Weltmeisterschaften auf La Gomera zu starten. Hinter mir lag ein Jahr voller Training, Wettkämpfe und Arbeit. Nach langen Arbeitstagen ging es oft noch aufs Rad oder zum Laufen. Lange Tage, kurze Nächte – dazwischen irgendwie Arbeit und Sozialleben.

Die Weltmeisterschaft auf La Gomera war ein Abenteuer. Ein Fest der verschiedenen Nationen. Ich startete gleich zweimal. So viele Menschen, so tolle Trails, so eine unglaubliche Gemeinschaft. So viel Stolz und Freude, als ich im Nationaltrikot über die Ziellinie laufen durfte. Diese Woche war ein ganz einzigartiges Erlebnis für mich.

Dann ging es wieder zurück. Zurück in den Alltag.

Plötzlich müde, erschöpft und leer

Muskulär erholte ich mich schnell, und gleichzeitig fühlte ich mich müde, erschöpft und leer. Plötzlich konnte ich mir nicht vorstellen, am nächsten Morgen locker zur Arbeit zu radeln. Ich wollte am Abend nicht einmal einen lockeren Lauf machen. Am liebsten hätte ich einfach auf dem Sofa gelegen und nichts getan.

Symptome, die ich aus meiner Arbeit als Psychotherapeutin kenne: Depression.

Oder in meinem Fall: Post-Race-Blues.

Post-Race-Blues – was steckt dahinter?

Post-Race-Blues oder Post-Race-Depression ist keine klinisch anerkannte Diagnose, wobei die Symptome denen einer Depression ähneln können. Doch was steckt dahinter?

Biologisch gesehen spielen beim Überqueren der Ziellinie – und auch bereits in vielen Trainingseinheiten davor – verschiedene Botenstoffe eine wichtige Rolle: Endorphine (natürliche Schmerzhemmer und Stimmungsaufheller), Dopamin (Belohnungs- und Motivationssystem) und Serotonin (unter anderem an der Stimmungsregulation beteiligt).

Nach einem Wettkampf verändern sich die körperliche Belastung und die Aktivität dieser Botenstoffsysteme. Gemeinsam mit der Erschöpfung und dem Wegfall eines lange verfolgten Ziels kann dies zu Symptomen wie Leere, Müdigkeit und Motivationslosigkeit beitragen. Die genauen biologischen Zusammenhänge sind allerdings noch nicht vollständig geklärt.

Treffen kann so ein Post-Race-Blues jeden. Egal, wie lange der Wettkampf war, egal, wie gut man abgeschnitten hat, egal, ob es eine Weltmeisterschaft oder ein 5-Kilometer-Lauf war.

Was hilft aus dem Loch nach einem Wettkampf?

Als Psychotherapeutin lege ich bei der Behandlung von Depressionen einen Schwerpunkt auf den Aufbau positiver Aktivitäten und einer Wochenstruktur. Dies ähnelt auch dem Umgang mit einem Post-Race-Blues.

Soziale Kontakte pflegen, sich eine kleine Auszeit nehmen oder alternatives Training absolvieren können dabei helfen. Auch ein neues Ziel kann wieder Motivation geben, sobald man sich ausreichend erholt hat und bereit ist, das Training aufzunehmen.

Wichtig ist dabei, sich die nötige Zeit zur Erholung zu geben und nicht sofort wieder in den gewohnten Trainingsrhythmus zurückkehren zu müssen. Halten depressive Symptome länger an oder beeinträchtigen sie den Alltag deutlich, ist eine professionelle Abklärung sinnvoll.

Off-Season statt Leistungsdruck – und neue Ziele am Horizont

Was mache ich jetzt?

Im Moment freue ich mich über meine Off-Season. Die sonnigen Herbsttage laden noch einmal zu schönen Fahrradtouren ein. Ich treffe mich mit Freundinnen auf einen Kaffee. Und dann kommen da auch schon die ersten Ideen für Wettkämpfe, die ich im kommenden Jahr laufen möchte.